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03.05.2017

Biomasse-Wärmeverbund in Pfinztal eingeweiht

Klimafreundliche Energie für Bauhof, Jugendzentrum und Flüchtlings-Wohncontainer. KEA initiierte energetisches Rundum-Sorglos-Paket für die Gemeinde.


Auch Kommunen mit geringen finanziellen Spielräumen können ihre Liegenschaften energetisch modernisieren. Wie das geht, zeigt ein Beispiel im badischen Pfinztal. Die Gemeinde im Landkreis Karlsruhe hat ihren Bauhof, ein Kinder- und Jugendzentrum sowie Wohncontainer für Flüchtlinge zu einem Nahwärmeverbund zusammengeschlossen. Die Wärme liefert eine neue Holzpellets-Heizung. Darüber hinaus wurde das Dach der Bauhofwerkstatt erneuert und umfassend gedämmt. Der Staatssekretär im Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg, Dr. Andre Baumann, weihte das vorbildhafte Projekt am 3. Mai 2017 ein. Initiiert hat es die KEA Klimaschutz- und Energieagentur Baden-Württemberg. Die Baukosten von rund 440.000 Euro trägt ein externes Contracting-Unternehmen. Die Gauß Energie-Contracting GmbH übernimmt künftig auch Wartung, Instandhaltung und Energiemanagement und sorgt für einen störungsfreien Betrieb. Entlohnt wird der Contractor zehn Jahre lang über die Wärmelieferung.

„Wenn wir dem Klimawandel wirksam begegnen wollen, brauchen wir internationale Abkommen mit verbindlichen Zielen. Diese Ziele wirksam umsetzen können wir aber nur mit den treibenden Kräften von Städten und Gemeinden. Sie sind es, die zeigen, wie Klimaschutz vor Ort konkret gelingt und die Energiewende vorankommt“, sagte Baumann. „Die Gemeinde Pfinztal gibt ein leuchtendes Beispiel für aktiven Klimaschutz. Ihr Nahwärmeverbund ist ein weiterer Schritt auf dem Weg zu einer komplett regenerativen kommunalen Wärmeversorgung.“ Damit leiste die Gemeinde einen wesentlichen Beitrag zu den Klimaschutzbestrebungen der Landesregierung, so der Staatssekretär weiter.

Pfinztal hat mit dem Wärmeverbund bereits das dritte Contracting-Projekt verwirklicht. Die beiden ersten Vorhaben, ein Energieliefer-Contractingprojekt im Ortsteil Berghausen und ein Energieeinsparprojekt auf Contracting-Basis in Pfinztal-Söllingen, verliefen reibungslos und erfolgreich. Entsprechend offen zeigten sich die Verantwortlichen aus der Verwaltung für weitere Sanierungen mit Hilfe der in vielen Kommunen noch recht unbekannten Energiedienstleistung.  

Mehr Arbeitskomfort im Bauhof, weniger CO2-Ausstoß

Die rund 18.000 Einwohner zählende Gemeinde kann in ihrem Gebäudepark nun weitgehend auf fossile Brennstoffe verzichten. „Erneuerbare Energien decken jetzt insgesamt rund 80 Prozent des Wärmebedarfs in den kommunalen Gebäuden“, sagt Rüdiger Lohse, Leiter des Kompetenzzentrums Contracting bei der KEA. „Neben der Gemeinde, die für die Sanierungsmaßnahmen keine finanzielle Aufwendung im Haushalt tätigen musste, profitieren vor allem die Bauhofmitarbeiter von den Maßnahmen. Das mit Holzfaser gedämmte Dach sorgt für mehr Komfort am Arbeitsplatz: Im Winter ist die Arbeitsstätte wärmer, im Sommer bleibt die Werkstatt länger kühler und überhitzt nicht so leicht.“
Auch das Klima hat etwas von dem Projekt. Der CO2-Ausstoß der Gemeinde reduziert sich jährlich um rund 38 Tonnen. Vor der Sanierung erfolgte die Wärmeversorgung der Gebäude mit Erdgas und Strom: Bauhof und Jugendzentrum verfügten über jeweils eine in die Jahre gekommene Gasheizung, die noch recht neuen Wohncontainer wurden zunächst mit Stromheizgeräten erwärmt. Mit der neuen Heiztechnik verringern sich die Energiekosten um 11.000 Euro pro Jahr. Die Dachdämmung erhöht den Betrag noch einmal um knapp 1.500 Euro jährlich. Zusätzlich zum Heizungstausch und der Dämmung erneuerten die Beteiligten noch die Beleuchtung im Bauhof.

Die Gemeinde nutzte die Umbaumaßnahmen und errichtete außerdem eine Photovoltaikanlage auf dem Bauhofdach. Die Solarstromanlage ist rund 200 Quadratmeter groß und hat eine installierte Leistung von 28 Kilowatt. Weit mehr als die Hälfte des erzeugten Solarstroms verbraucht der Bauhof selbst. Das lohnt sich: Der Solarstrom vom Dach ist deutlich günstiger als der Strom vom Energieversorger und meist auch klimafreundlicher.

Contracting sinnvolles Instrument für Kommunen

Die finanziellen Gestaltungsmöglichkeiten von Kommunen sind oft recht gering. Energetische Sanierungen erfordern jedoch erst einmal Investitionen, bevor Geld gespart werden kann. Contracting stellt hier ein sinnvolles Instrument dar, um die energetischen Modernisierungen anzustoßen. In Pfinztal zahlte die Kommune lediglich einen Teil der Beratungsleistung an den Projektentwickler KEA. Die Landesenergieagentur erstellte ein Vorkonzept, organisierte die Förderung durch EU- und Bundesprogramme und unterstützte beim Vergabeverfahren. Auch die Vertragsgestaltung war Teil ihrer Arbeit.

Im Zuge der Projektvorbereitung ist es sinnvoll, neutrale Berater wie Energieagenturen und Ingenieurbüros ins Boot zu holen. Sie analysieren unabhängig von finanziellen Interessen die Energieverbrauchsstruktur, den Handlungsbedarf, die Contracting-Eignung und unterstützen bei der Projektumsetzung. Die Investition tätigt ein Contracting-Unternehmen, das entweder über einen Grund- und Arbeitspreis oder über eine Einsparung entlohnt wird. Mischformen bei der Entlohnung sind möglich. Nach einem festgelegten Zeitraum ist die Leistung des Contractors abgegolten, die Kommune profitiert weiterhin von der erneuerten Anlagentechnik.

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ELC oder ESC?
Wann lohnt sich Energieliefer-Contracting und wann Energieeinspar-Contracting?
Energieliefer-Contracting (ELC) kommt vor allem dann zum Zuge, wenn die jährlichen Energiekosten von Nichtwohngebäuden unterhalb von 100.000 Euro liegen und die Gebäude mindestens 1.000 Quadratmeter Gebäudefläche aufweisen. Sind die Kosten höher, eignet sich eher Energieeinspar-Contracting (ESC).
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