Beispiele für erfolgreiche Maßnahmen und Aktionen
Großes Aufsehen und eine nachhaltige Erinnerung bei allen Beteiligten hat ein besonderer Projektstart bewirkt, der von mehreren Schulen, erstmalig von der Realschule in Wehr, inszeniert wurde. Dabei wurden alle Teilnehmer an einem Morgen in der dunklen und kalten Jahreszeit in einem völlig dunklen und unbeheizten Schulgebäude (im Fall der Eduard-Mörike-Schule Ulm gar an einem auf dem Schulhof entfachten Lagerfeuer) empfangen. In der Realschule Wehr wurde dabei von den Lehrer eine pantomimische Darstellung mit dem Titel "Geschichte der Energienutzung durch den Menschen" aufgeführt. Die Staudinger-Gesamtschule, Freiburg, ließ Großeltern von Schülern über die Art der Energienutzung in früheren Zeiten berichten. Allen Beteiligten wurden durch diesen Null-Energie-Tag hautnah der Nutzen und die Bedeutung eines angenehm temperierten und ausreichend hellen Gebäudes deutlich.
Eine von so gut wie allen Schulen durchgeführte und damit die durchweg erfolgreichste Maßnahme ist die Berufung eines "Klassen-Energie-Beauftragten". Die Verantwortlichen werden für einen längeren Zeitraum gewählt, oder die Schüler wechseln sich turnusgemäß in dieser Funktion ab. Aufgabe der Energie-Beauftragten ist die energetisch sinnvolle Regelung von Heizung (Thermostatventile), Lüftung (Fenster/Türen) und Beleuchtung (Lampen) sowie ggf. Wasser (Zapfstellen) im jeweiligen Unterrichtsraum. Der "Normal-Zustand" vor Einführung dieses "Klima-Kumpels" oder "Energie-Managers" wird durch das Zitat einer Schülerin des Ganerben-Gymnasiums Künzelsau treffend beschrieben: "In der Pause stehen alle Fenster offen, die Heizung läuft auf Hochtouren, und das Licht brennt." Durch die "Klima-Kumpel" wurde hier Abhilfe geschaffen. Das Tulla-Gymnasium Rastatt bezog auch das Reinigungspersonal in das Projekt mit ein, indem dieses dazu angehalten wurde, in der Heizzeit die Rolläden zu schließen, um so die Wärmeverluste zu minimieren.
Dieses gezielte Einwirken auf das Nutzerverhalten wurde von vielen Schulen durch weitere baulich-technische Maßnahmen unterstützt bzw. ergänzt. So wurden in der Gewerbeschule Kehl die Thermostatventile in den Fluren in Frostschutzstellung fixiert, was von allen Beteiligten akzeptiert wird. Die Realschule Wehr hat mit einer ähnlichen Zielrichtung im Nahbereich von Eingangstüren installierte Heizkörper stillgelegt. Eine pfiffige Lösung ersann das Evangelische Mörike-Gymnasium in Stuttgart: In den Klassen wurden Taster installiert, mit denen die Raumtemperatur für zehn Stunden um fünf Grad abgesenkt werden kann (übersteuerbar). Verlässt eine Klasse für den Tag endgültig den Raum, kann sie so die Zeitspanne bis zum Greifen der allgemeinen Nachtabsenkung überbrücken. Im Bereich der Warmwasserbereitung war für sechs Schulen die Installation von Zeitschaltuhren für elektrisch betriebene dezentrale Warmwasserbereiter oder für die Pumpen der zentralen Zirkulationsleitung die optimale Maßnahme. In zwei Fällen mussten dazu bereits vorhandene Zeitschaltuhren lediglich umgestellt bzw. überhaupt erst aktiviert werden.
Die häufigsten, von den Schulen durchgeführten Maßnahmen im Bereich Beleuchtung waren der Austausch von veralteten gegen 3-Banden-Leuchtstoffröhren, das ersatzlose Entfernen von Leuchten (nach Messung überhöhter Luxwerte), der Einsatz von Bewegungsmeldern und/oder Zeitschaltuhren (in Fluren, Sanitärräumen etc.) oder der Einsatz von tageslichtabhängigen Regelungssystemen, die Kennzeichnung von Lichtschaltern (die eine gezielte und bewusste Bedienung ermöglicht) sowie eine Trennung von Schaltkreisen, um auch Teilbeleuchtungen zu ermöglichen. Die Häufigkeit der Nennungen belegt dabei, dass im Bereich Beleuchtung an Schulen große Einsparpotenziale bestehen (der Anteil der Beleuchtung am Strombedarf von Schulen liegt i.a. bei 40-60 %), die zudem zum Teil kostenlos umgesetzt werden können. Einige Schulen konnten alleine durch die Demontage oder den Ersatz von Lampen drastische Einsparungen erzielen, die langfristig wirksam bleiben und somit auch dem Schulträger - nach einem ersten Schrecken über die Höhe der an die Schule vereinbarungsgemäß auszuschüttenden Einsparungen - zu Gute kommen. An der Staudinger-Gesamtschule Freiburg wurde ein Gerät entwickelt, das bei zu hoher Beleuchtungsstärke ein akustisches Warnsignal abgibt. Am Faust-Gymnasium Staufen wurde ein Gerät mit dem Namen "Savelux" entwickelt, das bei ausreichender Beleuchtungsstärke zur Abschaltung des Lichts auffordert.
Maßnahmen an Lüftungsanlagen wurden von acht Schulen vorgenommen. In den meisten Fällen wurden dabei die Betriebszeiten verringert oder eine neue Regelung installiert. Das Ganerben-Gymnasium, Künzelsau, hat nach einer (kostenlosen) Analyse durch ein benachbartes Unternehmen 10.000 DM aus Einsparmitteln für neue Ventilatoren investiert. Durch den Austausch konnte eine Leistungsreduktion um 44 % bei den Zuluft- und um 37 % bei den Abluft-Ventilatoren erreicht werden, was jährlichen Stromeinsparungen von ca. 3.200 DM entspricht. Mit dem Träger wurde vereinbart, dass diese Einsparungen für vier Jahre bei der Schule verbleiben - ein Muster-Beispiel für "internes Contracting"!
Von allen Schulen wurden mit zumeist großer Beteiligung und pädagogischem Erfolg Ideenwettbewerbe (Einsparmaßnahmen, Entwicklung eines Mottos oder eines Logos für das Projekt, Entwicklung von Informationsmaterialien), Preisausschreiben oder Wettbewerbe für Klassen um das beste Nutzerverhalten (verifiziert durch Kontrollgänge) durchgeführt. Vor allem die Entwicklung und Anbringung von selbst gestalteten "Produkten" wie Informations- und Motivations-Materialien (Logos, Plakate, Aufkleber, Transparente etc.) wird von fast allen Schulen als durchgehend motivationsfördernd angesehen. Daneben wurden Spiele, Theaterstücke, Lieder u. ä. entworfen und erstellt. Viele Schulen führten Klima-, Umwelt-, Energiespar- oder Solar-Tage durch. Fast alle Schulen boten in Zusammenarbeit mit örtlichen externen Partnern Exkursionen zu einschlägigen Zielen wie Kraftwerken, regenerativen Energieerzeugungsanlagen oder Passiv-/Niedrigenergiehäusern an. Die meisten Schulen stellten ihre Aktivitäten und Ergebnisse außenwirksam dar durch Vorträge auf Workshops, Seminaren oder Messen und nahmen an einschlägigen Veranstaltungen wie der Klimakonferenz in Berlin, dem Evangelischen Kirchentag in Stuttgart oder der Landesgartenschau teil. Auch der Austausch mit anderen Schulen kam nicht zu kurz.
Eine weitere organisatorische Maßnahme vieler Schulen bestand in der zeitlichen und räumlichen Zusammenlegung von Nachmittags- und Abendterminen (Elternabende sowie externe Nutzer wie Volkshochschule, Musikhochschule, Vereine) im Schulgebäude, wodurch Beheizung und Beleuchtung in diesen Zeiten auf wenige Gebäudeteile beschränkt werden können.
Ebenfalls als erfolgreiche und motivationsfördernde Maßnahme wurde von fast allen Schulen die Installation von regenerativen Energieerzeugungsanlagen (Photovoltaik, Solarthermie, Wind) angesehen. Neben Spendengeldern wurde hier vor allem das Programm "Sonne in der Schule" des Bundesamtes für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle in Eschborn (BAFA, früher: BAW; pauschaler Zuschuss in Höhe von 6.000 DM für Photovoltaik-Anlagen) in Anspruch genommen. 20 der 34 Projektschulen sind bereits mit einer Photovoltaik-Anlage ausgerüstet, in weiteren vier Schulen ist eine Neuanschaffung, in einer Schule ein Ausbau der bestehenden Anlage geplant. Insgesamt ist in diesen Schu-len eine elektrische Nennleistung von ca. 30 Kilowatt installiert. Die durchschnittliche Anlagenleistung beträgt demnach 1,5 Kilowatt. Die für die Anlagen insgesamt getätigten Investitionen belaufen sich auf etwa 530.000 DM, eine Peak-Leistung von einem Kilowatt ist inklusive einer Visualisierung der Betriebsergebnisse (durch größere LED-Anzeigen) somit im Schnitt für knapp 18.000 DM zu haben. Die Anlagen werden intensiv für die Berufsausbildung genutzt; in der Kerschensteinerschule in Stuttgart und der Elektronikschule in Tettnang kommen dabei unterschiedliche Modultypen sowie automatische Nachführeinrichtungen zum Einsatz. Eine effiziente und technisch pfiffige Lösung kommt von der Schule in Obereschach: Die Aufständerung der Solaranlage ist so konstruiert, dass der Neigungswinkel der Anlage manuell geändert und (durch die Schüler) monatlich an die veränderte Sonnenlaufbahn angepasst werden kann.
Solarthermische Anlagen stehen bei den Projektschulen in der Beliebtheitsskala an zweiter Stelle hinter Photovoltaik-Anlagen: 15 Schulen gaben an, im Besitz einer solarthermischen Anlage zu sein (davon drei Demo-Anlagen), vier weitere planen die Errichtung einer derartigen Anlage. In den zwölf Schulen, die im Besitz größerer Anlagen sind, ist eine Gesamtfläche von ca. 160 m² installiert (durchschnittliche Größe 13,5 m²). Von den Projektschulen sind bisher insgesamt ca. 260.000 DM investiert worden, so dass die spezifischen Investitionen im Mittel mit 1.630 DM/m² (bezogen auf das Gesamtsystem) angegeben werden können. Die Anlagen werden in den meisten Fällen zur Warmwasserbereitung (Duschen Sporthalle) eingesetzt, in einem Fall auch zur Heizungsunterstützung.
Acht der 34 Projektschulen haben eine Windkraftanlage installiert, zwei weitere Schulen planen die Errichtung einer derartigen Anlage. Die mittlere elektrische Nennleistung beträgt 300 Watt, so dass bisher insgesamt eine Leistung von (nur) 2,4 Kilowatt installiert ist.


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