Klimaschutz 2010 - Konzept für Baden-Württemberg

In den Jahren 2002 bis 2005 war die KEA an der Erarbeitung eines Programms beteiligt, das Maßnahmen definieren und anstoßen soll, die zur Erreichung der vom Land formulierten Klimaschutzziele dienen sollen. Die Klimaschutzziele stellen eine Fortführung des im Jahr 2000 verabschiedeten Umweltplans dar. Dort wurde das Ziel festgelegt, die CO2-Emissionen von 75 bis 80 Mio. t/a auf 70 Mio. Tonnen im Jahr 2005 und auf 65 Mio. Tonnen im Jahr 2010 zu senken. Die hierfür erforderlichen Maßnahmen wurden in Fortführung des bereits im Jahr 1994 erarbeiteten Klimaschutzkonzepts benannt und zum Teil auch quantifiziert bzw. durch die Ankündigung von Förderprogrammen hinterlegt. 

Die Federführung des Vorhabens lag beim Umweltministerium (UM), die wissenschaftliche Begleitung des Prozesses bis zum Ende des Jahres 2003 erfolgte durch die Akademie für Technikfolgenabschätzung Stuttgart. Sämtliche Arbeitsgebiete und Aufgaben wurden durch wissenschaftliche Institute aus Baden-Württemberg abgedeckt. Das Fraunhofer-Institut für Systemtechnik und Innovationsforschung (ISI) in Karlsruhe war für den Bereich Industrie und Gewerbe verantwortlich, das Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) und das Zentrum für Solarenergie- und Wasserstoffforschung (ZSW) in Stuttgart für Kraft-Wärme-Kopplung und erneuerbare Energieträger. Das Fraunhofer-Institut für Bauphysik (IBP) in Stuttgart war zuständig für Wohngebäude, das Institut für Energiewirtschaft und Rationelle Energieanwendung (IER) der Universität Stuttgart für die Stromwirtschaft und die industrielle Kraft-Wärme-Kopplung. Das Institut für Energie- und Umwelttechnik (ifeu) in Heidelberg hat den Verkehrssektor vertreten sowie den Bereich der schulischen Umweltbildung. Schließlich hat das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) in Mannheim die Auswirkungen potenzieller Maßnahmen auf Volkswirtschaft und Arbeitsmarkt betrachtet. 

Eine Besonderheit des Vorgehens war, dass bei der Auswahl und Zusammenstellung von wirksamen und effizienten Maßnahmen zwei unterschiedliche Wege parallel verfolgt wurden: Zum einen wurden von Vertretern der Ministerien aus den mehr als 100 von den Gutachtern vorgeschlagenen Maßnahmen anhand von Beurteilungskriterien die als empfehlenswert angesehenen Maßnahmen definiert. Deren Umsetzung wurde durch das IER mit Hilfe eines Energiemodells simuliert; dessen Ergebnisse Investitionen, CO2-Minderung und spezifische Vermeidungskosten zeigen sollte, ob das Maßnahmenpaket hinreichend für die Erreichung der Minderungsziele ist und als effizient angesehen werden kann. Zum anderen wurden durch eine Optimierung aller zur Verfügung stehenden Maßnahmen die Maßnahmen bestimmt, mit denen die Minderungsziele unter dem geringsten Mitteleinsatz erreicht werden können.

Wesentliches Ergebnis ist, dass das im Umweltplan für 2010 genannte Minderungsziel in der Referenzentwicklung und unter den gegebenen Rahmenbedingungen (CO2-Emissionen im Jahr 2002 bei 78 Mio. Tonnen, zukünftiger Ausstieg aus der Kernenergie, geringe Möglichkeiten zur Emissionsminderung  im Verkehrssektor) nicht bzw. nur mit unrealistisch hohen Aufwendungen erreicht werden kann, da die Einflussmöglichkeiten der Landespolitik geringer sind als ursprünglich erhofft. Die CO2-Emissionen im Jahr 2010 werden in der Modellrechnung bei etwas über 80 Mio. Tonnen gesehen. Die Szenariorechnung zeigt dabei, dass der Endenergieverbrauch steigt, vor allem bedingt durch weitere Zuwächse bei den privaten Haushalten. Auch der Stromverbrauch nimmt um im Mittel 0,8 Prozent pro Jahr zu, was auf Zuwächse bei den privaten Haushalten und der Industrie zurückzuführen ist. Der sinkende Beitrag der Kernenergie wird durch eine steigende Erzeugung aus Steinkohle und Erdgas sowie durch erhöhte Stromimporte ausgeglichen. Die für die Erneuerbaren Energien hinsichtlich ihres Anteils am Primärenergieeinsatz (4,8 Prozent) bzw. hinsichtlich ihres Anteils an der Stromerzeugung (11,5 Prozent) formulierten Ausbauziele werden teilweise (3,0 Prozent) bzw. weitgehend (9,8  bis 10,6 Prozent) erreicht. 

Durch Umsetzung der von den Ressorts als empfehlenswert deklarierten Maßnahmen könnten die CO2-Emissionen um 5 Mio. Tonnen bis 10 Mio. Tonnen pro Jahr gesenkt werden. Die für die erneuerbaren Energien formulierten Ziele werden dabei der Größenordnung nach erreicht. Die dafür notwendigen Aufwendungen summieren sich jedoch auf 700 Mio. bis 2 Mrd. Euro, was spezifischen Vermeidungskosten von 25 € bis 35 € pro Tonne entspricht. Das Erreichen des ursprünglichen Minderungsziels von 65 Mio. Tonnen wäre selbst im besten Fall mit spezifischen Kosten von mehr als 200 Euro pro Tonne verbunden, was zeigt, dass die Zielsetzung einen unverhältnismäßig hohen Mitteleinsatz erfordern würde, der angesichts der Haushaltslage des Landes nicht zur Verfügung steht. 

Schwerpunkte der zukünftigen Aktivitäten des Landes erfordern eine Konzentration auf zielgenaue und kosteneffiziente Maßnahmen sowie Maßnahmen mit großer Multiplikatorwirkung. Explizit genannt werden die Bereiche Altbaumodernisierung, Mobilität, Energieeffzienz, erneuerbare Energien sowie Kraft-Wärme-Kopplung. Als erfolgreiche Beispiele für derartige Maßnahmen werden das Förderprogramm Klimaschutz-Plus aufgeführt, das Förderprogramm „EnergieHolz Baden-Württemberg“ oder das „Impuls-Programm Altbau“ (seit Juli 2007: Zukunft Altbau). Die im Konzept identifizierten Maßnahmen stehen für eine CO2-Minderung im Bereich von 2 bis 4 Mio. Tonnen pro Jahr.

Im Juli 2005 wurde das Konzept vom Kabinett verabschiedet. Die ersten Maßnahmen wurden inzwischen initiiert und weitere ergriffen. Allerdings behindern die finanziellen Engpässe des Landes eine konsequente und umfassende Umsetzung der vorgeschlagenen Maßnahmen. Daher kommt einer systematischen Verfolgung des Ziels unter Priorisierung der Maßnahmen, der erforderlichen Motivation der maßgeblichen Akteure sowie deren Abstimmung untereinander große Bedeutung zu. 

Ihr Ansprechpartner:

Dr.-Ing. Martin Sawillion
martin.sawillion(at)kea-bw.de

Hier können Sie das Klimaschutzkonzept 2010 herunterladen:

Kurzfassung (PDF)
Langfassung (ZIP-Archiv)

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