Effizienzhaus-Wettbewerb

Wettbewerb „Effizienzhaus – Energieeffizienz und gute Architektur“- Bundespreisträger gekürt!

Deutschlands größter Wettbewerb für zukunftsfähiges Wohnen ist entschieden. Bundesbauminister Wolfgang Tiefensee und der Geschäftsführer der Deutschen Energie-Agentur GmbH (dena) Stephan Kohler haben in Berlin gemeinsam mit den Partnern des Wettbewerbs „Effizienzhaus – Energieeffizienz und gute Architektur“ die Sieger prämiert. Knapp 600 Eigentümer und Architekten hatten sich mit sanierten und neuen Wohngebäuden um insgesamt 120.000 Euro Preisgeld beworben. Ausgezeichnet wurden Wohngebäude, die einen geringen Energieverbrauch mit guter Architektur am besten in Einklang gebracht haben.

Die insgesamt 18 Gewinner wurden in den Kategorien „Neubau Ein- und Zweifamilienhäuser“, „Neubau Mehrfamilienhäuser“, „Sanierung Ein- und Zweifamilienhäuser“, „Sanierung Mehrfamilienhäuser“ und „Beste denkmalgeschützte Gebäude“ ausgewählt. Sieben der 18 Bundessieger stammen dabei aus der Region Süd-West! Auf den Seiten zukunft-haus.info der dena sind die Preisträger ausführlich dokumentiert. Nachfolgend finden Sie diejenigen Teilnehmer des Wettbewerbs, die von der Regionaljury Süd-West als Finalisten für die Bundesjury ausgewählt wurden.

Die Regionalsieger der Region Süd-West (Bundessieger: ***)

Kategorie 1, EFH Neubau: Energiegewinnhaus Katzweiler (ID 2007)

Das Einfamilienhaus liegt in ländlich geprägter Umgebung am Ortsrand, aber noch im Siedlungs­­zusammenhang. Bauform und Materialwahl sind dem Umfeld adäquat, der Baukörper ist betont schlicht ausgebildet. Die Integration der Solartechnik an Dach und Fassade ist formal überzeugend. Die Innenräume sind von formaler Strenge geprägt. Die Baukosten erscheinen, zumal im Hinblick auf die große PV-Anlage, angemessen. Das Gebäude wurde von der Jury als paradigmatisch für eine „bescheidene“ Bauweise angesehen, die dennoch höchsten energetischen Anforderungen (PH-Standard, Plus-Energie-Bilanz durch PV) genügt.

Kategorie 1, EFH Neubau: Haus Schindler, Wiesloch (ID 2793)

Das Wohnhaus im KfW-40-Standard liegt am Rande eines Gewerbegebietes auf dem Grundstück des eigenen Bauunternehmens des Bauherrn und enthält neben der Wohnung auch die Verwaltungsräume. Materialwahl und Gestaltung sind der Umgebung angemessen, die Formensprache erinnert an die klassische Moderne, die räumlichen Qualitäten mit Öffnung zu Garten und angrenzendem Waldgelände sind hoch. Die Wärmeversorgung durch eine Luft-Wasser-Wärmepumpe wird allerdings eher kritisch bewertet. Die Jury sieht dieses Gebäude als gelungenen Beleg dafür, dass energie­effizientes Bauen weder „Schuhkartonbauweise“ erzwingt noch nach „Öko-Architektur“ aussehen muss.

Kategorie 1, EFH Neubau: Zertifiziertes Passivhaus, Ulm (ID 2411) ***

Das Passivhaus wurde im Rahmen der EXPO 2000 in der Siedlung Sonnenfeld errichtet. Materialwahl der Fassade (Cortenstahl und Glas) und die strenge Kubatur sind höchst markant, der offene Grundriss von hoher Qualität. Erneuerbare Energien spielen – abgesehen von der Wärmerück­gewinnung der Lüftung – leider keine Rolle. Bei diesem Objekt überzeugte die Jury vor allem das selbstbewusste Auftreten einer avantgardistischen Architektursprache in einem jener Neubau­gebiete, in welchem sonst typischerweise deutlich konventionellere Geschmacks­muster dominieren.

Kategorie 2, MFH Neubau: Passivhaus Wohnen und Arbeiten, Freiburg (ID 2824)

Das Mehrfamilienhaus im Stadtteil Vauban war eines der ersten Passiv­häuser im Geschosswohnungsbau. Das ehemalige Kasernengelände hat sich mittlerweile zu einem ökologischen Musterstadtteil entwickelt, in welchem das Gebäude ideal verortet ist. Der Baukörper ist sehr kompakt, die schlichte Kubatur erfährt durch die südseitigen Balkone und die Lauben­gänge auf der Nordseite eine differenzierte Gliederung. Die Laubengang­erschließung gestattet eine freie Aufteilung der Geschosse. Die Wärme­versorgung erfolgt über ein Klein-BHKW und eine Solarthermie-Anlage. Das Projekt wurde nicht durch einen Bauträger, sondern eine „Baugruppe“ in partizipativer Planung realisiert. Bemerkenswert ist das integrierte Energie-, Abfall- und Sanitärkonzept.

 

Kategorie 2, MFH Neubau: Passivhaus Zogelmannstrasse, Konstanz (ID 2127) ***

Die Reihenhauszeile mit 4 Wohneinheiten wurde in einem Innenhof in der Konstanzer Altstadt realisiert. Der Baukörper weist eine klare Geometrie und zurückhaltende Oberflächengestaltung auf und harmoniert so gut mit der historischen Umgebung. Auch die Qualität der Innenräume ist hoch, nicht zuletzt durch die Oberlichter. Städtebaulich wird hier eine maßvolle Nach­verdichtung erreicht, die auf häufig anzutreffende innerstädtische Situationen übertragbar erscheint. Der Typus bietet eine attraktive städtische Alternative zum Bauen und Wohnen „auf der grünen Wiese“.

Kategorie 2, MFH Neubau: Passivhaus-Projekt Tannenhof, Konstanz (ID 2794) ***

Die Reihenhauszeile mit 7 WE befindet sich in einem Wohnquartier am Standrand von Konstanz. Der klare kubische Baukörper ist durch die vorgestellten Balkone gegliedert. Die Materialwahl wird von horizontaler Holzverschalung und großzügigen Glasflächen auf der Südseite bestimmt, der Innenraum wirkt hell und offen. Die Jury sieht hier eine überaus gelungene Synthese aus hoher Verdichtung, energetischer Effizienz sowie hoher formaler und materialer Qualität.

Kategorie 3, EFH Sanierung: Umbau ehem. Trafogebäude zum Einfamilienhaus, Koblenz (ID 2008) ***

Das Objekt befindet sich in einem Wohnviertel der 50er bis 70er Jahre. Hier wurde gezeigt, dass auch bei scheinbar völlig obsoleten Objekten eine gelungene Metamorphose möglich sein kann. Die Verbindung aus nachhaltiger Nutzung vorhandener Bausubstanz, städtebaulicher Verdichtung, formaler Qualität und Energieeffizienz hat die Jury überzeugt.  Die Wärmeerzeugung durch Luft­wärmepumpe ist nicht optimal, doch sind bei den gegebenen Verhältnissen Alternativen schwierig aufzuzeigen.

Kategorie 3, EFH Sanierung: Oberdorfstr. 8, Konstanz (ID 1867)

Dieses Einfamilienhaus aus den 1970er Jahren ist am Ortsrand eines Vorortes von Konstanz in der Nachbarschaft weiterer Einfamilienhäuser gelegen. Es kann als stellvertretend für einen Typus angesehen werden, der in der Gesamtheit einen großen Teil des Energieverbrauchs im Gebäude­sektor verursacht, zugleich aber in großen Teilen der Bevölkerung beliebt ist. Hier wurde mit vertretbarem Aufwand primärenergetisch eine Faktor-10-Sanierung erreicht, wobei der schlichte, unprätentiöse Charakter des Hauses erhalten blieb. Gerade insofern kann eine solche Sanierung Vorbildcharakter entwickeln. Die Scheitholzheizung ist im ländlichen Umfeld akzeptabel und ermöglicht zusammen mit der großen solar­thermischen Anlage eine vollständig regenerative Deckung des Wärmebedarfs.

Kategorie 3, EFH Sanierung: Auf dem Berg, Laupheim (ID 2805)

Das Gebäude von 1928 befindet sich am Rande des Stadtkerns von Laupheim, die Nachbarbebauung ist sehr heterogen. Nachdem das Gebäude vor der Sanierung durch frühere, sehr unsensible Baumaßnahmen in trister Verfassung war, wurde durch die jetzige Sanierung der ursprüngliche Zustand wieder weitgehend restauriert. Die große solarthermische Anlage fügt sich dezent in das Gesamtbild ein, zusammen mit einer Stückholz­feuerung kann der Heizwärmebedarf regenerativ gedeckt werden. Im Innern wurde der Grundriss offener und großzügiger gestaltet. Kritisch anzumerken ist der Verzicht auf eine Lüftungsanlage. Die Jury sieht in diesem Objekt ein gelungenes Beispiel einer energetischen Sanierung, die den ursprünglichen Charakter eines älteren Gebäudes beibehält bzw. wiederherstellt.

Kategorie 4, MFH Sanierung: Haus der Spitalstiftung, Konstanz (ID 2136) ***

Das Gebäude von 1963 befindet sich in zentraler Lage in einem Wohngebiet in der Nachbarschaft des Klinikums. Bei der Sanierung war man bestrebt, den ursprünglichen Entwurfsansatz aufzunehmen und gleichsam zeitgemäß neu zu interpretieren. Die Balkone wurden in verglaste Loggien umgewandelt und so die Nutzfläche erweitert. Flure und Treppenhaus sind licht und großzügig und bieten so eine hohe Qualität als Begegnungs- und Kommunikationsbereich. Neben der energetischen Ertüchtigung der Gebäudehülle wurde auch eine Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung nachgerüstet. Dieses Projekt kann als vorbildlich für den Umgang mit Gebäuden dieser Zeit und dieses Typs gelten.

Kategorie 4, MFH Sanierung: "Silberado", Stuttgart (ID 2075)

Das fünfgeschossige Wohnhaus in der Stuttgarter Innenstadt stammt aus 1954 und kann als typischer Vertreter innerstädtischer 50er-Jahre-Wohngebäude angesehen werden. Neben der baulichen Sanierung mit Aufstockung wurden auch Erweiterungs­­bauten errichtet und so eine deutliche Verdichtung ermöglicht. Die Gestaltung der Fassade ist markant und fügt sich dennoch in die Nachbarbebauung ein, die ursprüngliche Gliederung der Baukörper bleibt lesbar. Die Wärme­versorgung erfolgt über Fernwärme. Die Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung ist nicht nur energetisch vorteilhaft, sondern bietet hier im Hinblick auf die hohe Lärm­belastung auch einen entscheidenden Komfortgewinn. Aus Sicht der Jury wurde hier eine überzeugende Synthese aus architektonischer und städtebaulicher Qualität und ambitioniertem energetischem Standard erreicht.

Kategorie 4, MFH Sanierung: Lorettostr. 30, Freiburg (ID 872)

Das innerstädtisch gelegene Gebäude stammt aus der Mitte des 19. Jahrhunderts. Bei der Sanierung wurde nicht der Ansatz verfolgt, die ursprüngliche Anmutung des Gebäudes zu erhalten oder wiederherzustellen, vielmehr wurde eine dezidiert neue Ausformung des Baukörpers geschaffen und durch die Aufstockung zusätzliche Nutzfläche gewonnen. Die klare kubische Form harmoniert mit der angrenzenden Bebauung aus den 1980er Jahren; die Schiebeläden bilden ein interessantes Gestaltungselement. Neben einer Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung weist das Gebäude auch eine solarthermische Anlage mit Heizungsunterstützung auf. Die Jury sieht in diesem Projekt eine gelungene Metamorphose eines ursprünglich wenig attraktiven Altgebäudes.

Kategorie Denkmalgerechte Sanierung: Quartier Normand, Speyer (ID 1844) ***

Das ehemalige Kasernengebäude ist Teil eines denkmalgeschützten Ensembles vom Ende des 19. Jahrhunderts; die charakteristische Mauerwerksfassade musste erhalten bleiben, im Innern erfolgten aber umfangreiche Umbauten. Die Grundrisse konnten von den künftigen Eigentümern individuell festgelegt werden. Die Fassade wurde innenseitig mit 10 cm Mineralwolle gedämmt, ebenso die einbindenden Wände und Decken. Für die Fenster konnte wegen Denkmalauflagen nur eine 2-Scheiben-Verglasung realisiert werden. Es wurde eine Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung installiert, die Wärmeversorgung erfolgt weitgehend regenerativ über Holzpellets. Das Projekt zeigt in vorbildlicher Weise, dass bei konsequenter Umsetzung der technischen Möglichkeiten auch bei Baudenkmälern eine sehr hohe Energieeffizienz erreichbar ist.

Kategorie Denkmalgerechte Sanierung: Rheinhäuser Str. 6, Mannheim (ID 1846) ***

Das zentral in Mannheim gelegene Gebäude wurde 1901 erbaut. Im Zuge der Sanierung wurde das Mansarddach wieder aufgebaut, so dass wieder eine Angleichung an das ähnliche Nachbargebäude gegeben ist. Die Grundrisse wurden zu größeren Einheiten umgelegt. Die Außenwand wurde mit 10 cm Mineralwolle innenseitig gedämmt, die Kellerdecke ebenfalls oberseitig mit Styrodur; Fenster mit 2-Scheiben-Wärmeschutzverglasung und eine Lüftungsanlage mit Wärme­rückgewinnung wurden eingebaut. Die Wärmeversorgung wurde auf Fernwärme umgestellt. Das Projekt ist aus Sicht der Jury beispielhaft für eine konsequente energetische Ertüchtigung von Gründerzeithäusern, wie sie noch in großer Zahl in unseren Innenstädten erhalten sind.

Kategorie Denkmalgerechte Sanierung: Birkenhofscheune Kirchzarten (ID 929)

Die über 200 Jahre alte ehemalige Scheune im Hochschwarzwald ist Teil eines am Ortsrand gelegenen, denkmalgeschützten Ensembles. Mit der Sanierung und Umnutzung zu einem Behindertenheim wurde auch ein Erweiterungsbau erstellt; die Sanierung erfolgte in enger Abstimmung mit der Denkmalbehörde. Bei der Sanierung konnte ein hohes Maß an originaler Substanz erhalten werden. Wände und Dach wurden wärmegedämmt, die Fenster als 2-Scheiben-Wärmeschutz­verglasung ausgeführt. Auf den Einbau einer Lüftungsanlage wurde hier allerdings verzichtet. Die Heizung erfolgt regenerativ über Holzpellets, die Warmwasser­bereitung mit solarthermischer Anlage. Die Reaktivierung und Umnutzung wurden nach Auffassung der Jury sehr sensibel und adäquat durchgeführt und dabei ein sehr hoher energetischer Standard erreicht.

 

 

Kategorie Innovative Technik: Passivhaus mit Strohballendämmung, Esslingen

Das Gebäude wurde in einem Neubaugebiet am Ortsrand errichtet. Die formale Strenge des kubischen, mit Holz verkleideten  Baukörpers wurde sehr positiv aufgenommen; als besonders bemerkenswert und innovativ wurde allerdings der Ansatz angesehen, die Strohballendämmung mit dem Prinzip der präfabrizierten Holzrahmenbauweise zu verbinden. Die so entstandene Synthese aus traditionellen bzw. naturnahen Baumaterialien, modernen Fertigungsmethoden und klarer Formensprache ohne jede „Naturtümelei“ hat die Jury überzeugt.

Kategorie Innovative Technik: 100% Solarhaus, Kappelrodeck (ID 2117)

Das Einfamilienhaus ist am Ortsrand am Fuß eines Weinbergs gelegen, in einigem Abstand zur Nachbarbebauung. Die Voraussetzungen für hohe Solarerträge sind somit günstig – was beim hier verfolgten Konzept der 100 % solaren Versorgung auch unerlässlich ist. Das Haus weist eine sehr große Kollektorfläche und einen ebenfalls sehr groß dimensionierten saisonalen Wärmespeicher auf, welcher zentral innerhalb der Wohnräume angeordnet ist. Beide Elemente sind für das äußere wie das innere Erscheinungsbild des Gebäudes bestimmend. Das bauliche Konzept entspricht im Übrigen dem Passivhausstandard, bei den Materialien dominieren Holz und andere Naturbaustoffe. Die Konsequenz, mit der der hier gewählte Ansatz verfolgt wurde, ist aus Sicht der Jury bemerkenswert.

Kategorie Innovative Technik: Plusenergie-Penthaus auf dem Sonnenschiff, Freiburg (ID 2546)

Die Penthäuser wurde auf dem Dach eines Dienstleistungsgebäudes in der Solarsiedlung im Stadtteil Vauban errichtet. Zielsetzung war ein Plus­energie­haus, d.h. in der Jahresbilanz soll der Ertrag der PV-Anlage den verbliebenen Energiebedarf übersteigen. Die Gebäude sind konsequent südorientiert, Wärmeverluste wurden minimiert, die Wärmeversorgung erfolgt über Fernwärme; eine Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung ist installiert. Bei der Materialwahl wurde nach ökologischen Kriterien vorgegangen. Die Jury wertet hier die Verbindung aus dem (halbwegs) originellen „Haus-auf-Dach“-Motiv und konsequenter energetischer Maximierung als positiv.

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