• Wärmewende

Wärmenetzausbau in Ravensburg

Zwischen Denkmalschutz und erneuerbarer Energieversorgung

 

Die Stadt Ravensburg setzt das Vorhaben einer klimaneutralen Wärmeversorgung in der Altstadt um:

  • Die Wärmeversorgung wird durch ein Wärmenetz mit drei Heizzentralen gewährleistet. Sie bietet Flexibilität in Bezug auf künftige Energiequellen.
  • Denkmalgeschützte Funde beim Bau des Wärmenetzes in der Altstadt werden berücksichtigt.

Der 2020 im Gemeinderat einstimmig beschlossene Klimakonsens der Stadt Ravensburg beinhaltet Maßnahmen und Zielvorgaben, wie die Klimaneutralität bis 2040 erreicht werden kann. Es handelt sich dabei um ein Strategiepapier, das im lokalen Klimaschutz bislang einmalig in Deutschland ist. Es sieht auch den umfassenden Ausbau des Wärmenetzes vor.

Rasantes Tempo beim Bau des Wärmenetzes

Das bisher größte Wärmenetz der Technischen Werke Schussental (TWS) entsteht in Ravensburg. Bis 2030 soll es flächendeckend die Stadtgebiete innerhalb der Stadtmauer mit klimaneutraler Wärme versorgen.

Erste Abschnitte des Wärmenetzes wurden schon Ende 2022 fertiggestellt, so dass Teile der Altstadt bereits daran angeschlossen sind. Möglich war dies durch eine Wärmetrasse, mit der einige städtische Gebäude bereits verbunden waren. Zudem verfolgte die Verwaltung einen straffen Zeitplan. Er hilft dabei, Fördermittel nach Möglichkeit auszuschöpfen und zollt der Dringlichkeit des Klimaschutzes Tribut.

Technologien mit Zukunftsperspektive

Das fertige Wärmenetz soll die angeschlossenen Gebäude der gesamten Innenstadt mit Wärme aus mehreren Heizwerken versorgen. Diese befinden sich in verschiedenen Stadtteilen. Ein mit Biomethan betriebenes Blockheizkraftwerk (BHKW) wird im bislang ungenutzten Untergeschoss eines Parkhauses installiert. Es ließe sich in der Zukunft auch mit grünem Wasserstoff betreiben. Um überschüssige Wärme zu speichern und bei Bedarf nutzen zu können, werden Pufferspeicher installiert. Zusätzlich ist geplant, die Abwärme des ansässigen Molkereibetriebs OMIRA zu nutzen. Sie könnte laut Schätzung ein Drittel der Ravensburger Innenstadt mit Wärme versorgen. Durch die Flexibilität des Netzes kann künftig auch Wärme aus alternativen Quellen eingespeist werden, beispielsweise aus Pellet-Heizwerken oder der Solarthermie. Auch der Einsatz von Tiefengeothermie an der Oberschwabenhalle wird geprüft.

Denkmalschutz ist kein Hindernis

Beim Verlegen der Rohre wurden in Ravensburg Stadtmauerreste gefunden, die aufgrund des Denkmalschutzes erhalten werden müssen. Das Wärmenetz muss sich baulich daran orientieren. Trotz solcher Herausforderungen bieten Wärmenetze in dicht bebauten Altstädten oftmals eine der einzigen sinnvollen klimaneutralen Alternativen. Gründe sind insbesondere strenge Auflagen für bestehende Altbauten, wenig verfügbarer Platz und ein Stadtbild, das es zu erhalten gilt.

Qualität statt Anschlusszwang

Um möglichst viele Anwohnerinnen und Anwohner von der klimafreundlichen Wärmeversorgung zu überzeugen, setzen TWS und Stadt auf die Qualität des Projekts. Sie sehen daher keinen Bedarf für einen Anschluss- und Benutzungszwangs. Anschlussquoten von bis zu 80 Prozent in bisherigen Bauabschnitten bestätigen dieses Vorgehen. Um in den folgenden Phasen den gleichen Erfolg zu erzielen, ermöglichen die TWS der Bevölkerung an einem mobilem Infopoint den persönlichen Kontakt.

 

Technische Daten

Technologie

3 Biomethan-BHKWs (3,3 MWth),

Spitzenlast-Gaskessel (2 MWth),

Pufferspeicher (10.000 kWh),

temporäre Holzpellets-Anlage (1 MWth; übergangsweise 3-5 Jahre bis zur Abwärmenutzung), Holzhackschnitzel-Anlage (0,5 MWth)

In Planung: Abwärme, Solarthermie

In Prüfung: Tiefengeothermie

Erzeugte WärmemengeZiel: 30 GWh bis 2035
CO2-Minderung4.400 t CO2 jährlich
Förderung

2,1 Millionen Euro Fördermittel bis Frühjahr 2023 aus dem Landesprogramm „Klimaschutz mit System“

Ab Frühjahr 2023 Beantragung Fördermittel aus der Bundesförderung für effiziente Wärmenetze (BEW)

KonzeptionTechnische Werke Schussental GmbH & Co. KG (TWS)
BetriebTechnische Werke Schussental GmbH & Co. KG (TWS)

Weitere projektbezogene Informationen finden sich auf der Seite der TWS: https://waerme.tws.de/de/Fernwaerme/.

Für Fragen und weitere Informationen:
waermewende@kea-bw.de
https://www.kea-bw.de/waermewende

Stand Mai 2023