- Wärmewende
Wärme aus Abwasser und Holzhackschnitzeln
Hotel im Schwarzwald ermöglicht nachhaltigen Tourismus

- Das Hotel Hofgut Sternen im Schwarzwald deckt seinen Wärme- und Strombedarf mit lokal verfügbaren und erneuerbaren Energien über ein eigenes Energiewerk.
- Verschiedene Anlagenkomponenten gleichen dynamisch Tageslastspitzen und jahreszeitlich bedingte Schwankungen aus.
- Damit spart das Hotel jährlich 1.150 Tonnen CO2 ein.
Das Hofgut Sternen, gelegen in der Gemeinde Breitnau zwischen Freiburg und Titisee, ist bislang das einzige Hotel in Deutschland, das sich selbst mit klimafreundlicher Energie versorgt. Moderne Technologie und eine Kombination verschiedener regenerativer Energiequellen machen das möglich.
Bis 2016 versorgte Flüssiggas das Hofgut mit fossiler Energie. Im Zuge von Erweiterungsplanungen erarbeitete das Hotel auch ein neues Energiekonzept. Ziel war es, die gesamte Energieversorgung des Hofguts Sternen durch erneuerbare Energien zu realisieren. Jetzt decken verschiedene lokal verfügbare, regenerative Energiequellen den jährlichen Bedarf an 610.000 Kilowattstunden (kWh) Strom und 700.000 kWh Wärme des großen touristischen Betriebs.
Wärme aus dem gereinigten Abwasser einer Kläranlage
Die Kläranlage Hinterzarten, etwa 150 Meter höher gelegen als das Hofgut, speist die Abwasserkraftanlage des Hotels: Das gereinigte Abwasser erreicht über eine Fallleitung eine zunehmende Geschwindigkeit und treibt so eine Turbine zur Stromerzeugung an. Wärmetauscher gewinnen die Restwärme des Abwassers. Eine Wärmepumpe führt die Wärme einem Nahwärmenetz zu, das sie an die Gebäude auf dem Hofgut verteilt. Überschüssige Wärme wird in großvolumigen Wärmespeichern mit unterschiedlichen Temperaturniveaus zwischengespeichert.
Zusätzlich sorgt ein Holzvergaser-Blockheizkraftwerk (BHKW) für Strom und Wärme. Es wird mit Holzhackschnitzeln aus der Region betrieben. Ein Hackschnitzelkessel sichert die Wärmeversorgung zu Spitzenlastzeiten. Wenn im Sommer der Energiebedarf geringer ist, wird die überschüssige Wärme aus der Holzvergaseranlage zur Trocknung von Hackgut genutzt. In der warmen Jahreszeit kann eine Adsorptionskälteanlage Gästeräume und Speisekammern kühlen. Sie wird aus einer lokalen Wasserquelle gespeist.
Zur Stromversorgung trägt außerdem eine Photovoltaikanlage bei – und ein Wasserkraftwerk aus dem öffentlichen Netz. Intelligente Steuerungs- und Leittechnik gewährleistet den aufeinander abgestimmten Einsatz der Anlagenkomponenten je nach Bedarf.
Ein Vorbild für andere Tourismusunternehmen
Die Anlagen befinden sich in einer „gläsernen Energiezentrale“ auf dem Areal des Hotels – Gäste und andere Interessierte können sie auch im Rahmen von Führungen besichtigen. Mit seiner klimafreundlichen Energieversorgung fügt sich das Hofgut Sternen in das Nachhaltigkeitskonzept des Bioenergiedorfes Breitnau ein und dient als Vorbild für andere Tourismusunternehmen.
Technische Daten
| Technologie | Abwasserkraftanlage mit Wärmenutzung / Holzvergaser-BHKW mit Hackschnitzelbefeuerung / Hackschnitzelkessel / Wärmespeicher mit unterschiedlichen Temperaturniveaus |
| Erzeugte Wärmemenge | 700.000 kWh/a |
| Anteil erneuerbarer Energien | 100 Prozent |
| Anzahl der Anschlüsse | aktuell 6 |
| CO2-Minderung | 1.150 t/a |
| Förderung | 250.000 Euro Förderung aus dem Innovationsfonds Klima- und Wasserschutz der badenova AG & Co. KG |
| Konzeption | Ingenieurbüro für Gebäudetechnik Uwe Häberle, Breisach mit Unterstützung von Philipp Faller aus Breitnau |
| Betrieb | Hofgut Sternen |
Für Fragen und weitere Informationen:
waermewende@kea-bw.de
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