• Wärmewende

Innovative Nahwärmeversorgung mit 90 Prozent erneuerbaren Energien

Bisher einmalig in Deutschland: Malsch gewinnt Wärme aus einem See

  • Die Gemeinde Malsch hat ein intelligentes Nahwärmeversorgungssystem errichtet.
  • Herzstück sind Absorbermatten auf dem Grund des Bühnsees. Mit ihrer Hilfe wird klimaneutrale Wärme für die umliegenden Gebäude gewonnen.
  • Weitere Energieerzeugungsanlagen werden bei Bedarf zugeschaltet und stellen die Versorgung der Abnehmer zu jeder Jahreszeit sicher.
  • Damit spart Malsch jährlich rund 400 Tonnen CO2 ein.

Die Gemeinde Malsch im Landkreis Karlsruhe gewinnt als erste Kommune in Deutschland Wärme aus einem in der Ortsmitte gelegenen künstlichen See. Dieses Konzept ist Teil eines intelligenten Nahwärmeversorgungssystems. Es besteht zusätzlich aus einem Biogas-Blockheizkraftwerk (BHKW), einem Holzhackschnitzel-Kessel und einem Gas-Spitzenlast-Kessel, die je nach Bedarf zum Einsatz kommen. Ein unterirdischer Wärmespeicher ergänzt das System: Er speichert Wärme, die gerade nicht gebraucht wird, für eine spätere Verwendung.

Die Idee zur Nutzung des Bühnsees als Wärmequelle kam auf, als 2015 eine Sanierung des bestehenden Wärmenetzes anstand. Mit dem Ziel, eine regenerative Energieversorgung aufzubauen, beantragte die Kommune Fördermittel aus dem Landesprogramm „Klimaschutz mit System“. Nach Erhalt des Förderbescheids startete die Detailplanung und nachfolgend die Umsetzung des Projekts. Diese Phase fand ihren Abschluss mit der feierlichen Inbetriebnahme im Jahre 2021.

Klimaneutrale Wärme aus dem See

Die Absorbermatten entziehen dem Bühnsee einen Teil der Wärme, die er durch die Sonneneinstrahlung speichert. Eine Wärmepumpe führt die Wärme dem Nahwärmenetz zu. Den Strom für den Betrieb der Wärmepumpe stellt eine Photovoltaikanlage auf dem Dach des Bürgerhauses zur Verfügung. Im Sommer erfolgt die Wärmebereitstellung dadurch vollständig aus regenerativen Energien.

Zur Zwischenspeicherung der aktuell nicht benötigten Wärme aus dem See dient ein unterirdischer 50.000-Liter-Wasserspeicher. Damit ist auch nachts oder bei schlechtem Wetter die Wärmeversorgung sichergestellt.

Intelligente Kombination mehrerer Wärmeerzeuger gewährleistet Versorgungssicherheit

Weitere Anlagen zur Erzeugung regenerativer Energie ergänzen das innovative Wärmeversorgungssystem. Ein Blockheizkraftwerk erzeugt Strom, der ebenfalls für den Betrieb der Wärmepumpe genutzt wird. Die Abwärme des Blockheizkraftwerks wird ins Nahwärmenetz eingespeist. Ein Holzhackschnitzel-Kessel gewährleistet die Wärmeversorgung im Winter – nahezu klimaneutral mit Holz aus der Region. Nur wenn es besonders kalt ist, sorgt ein derzeit noch fossil beschickter Erdgas-Kessel schnell für die Abdeckung der Bedarfsspitzen. Die Wärmeerzeugungsanlagen werden je nach Bedarf automatisiert zugeschaltet. Dieses intelligente Zusammenspiel macht eine weitere Besonderheit des Projekts aus. Und es garantiert die Versorgungssicherheit aller Abnahmestellen.

Das Versorgungssystem bringt viele Vorteile

Mit dem Nahwärmeversorgungssystem auf dem Gelände beim Bühnsee deckt die Gemeinde Malsch einen Wärmebedarf von 2.000 Megawattstunden pro Jahr ab. Durch den Einsatz von mehr als 90 Prozent erneuerbarer Energien spart das Wärmenetz jährlich 400 Tonnen CO2 ein – das entspricht einer Reduzierung um etwa 70 Prozent im Vergleich zur Ausgangssituation.

Beflügelt durch die Erfolge beim Bühnseeprojekt, plant die Gemeinde weitere Teile des Ortes mit klimaschonenden Wärmeversorgungskonzepten zu versorgen.

Weitere Informationen zum Projekt

Eine Projektwebseite informiert über das Projekt. Auf der Webseite YouTube finden Sie einen Kurzfilm über das Nahwärmeprojekt.

Technische Daten 

TechnologieSeewasser-Kollektor mit Wärmepumpe / Biogas-BHKW / Holzhackschnitzel-Kessel / Gas-Spitzenlast-Kessel / Wärmespeicher
Erzeugte Wärmemenge2.000 MWh/a; davon 450 MWh aus dem See
Anteil Industrieabwärme> 90 Prozent
Anzahl der AnschlüsseAktuell fünf Gebäude kommunaler und privater Träger – zukünftig Anschluss weiterer Gebäude möglich
CO2-Minderung400 Tonnen pro Jahr
Förderung
  • Förderprogramm „Klimaschutz mit System“ (760.000 Euro)
  • Förderprogramm „Klimaschutz-Plus“ (250.000 Euro) für Schulsanierung
Konzeption
  • IBS Ingenieurgesellschaft GmbH in Bietigheim-Bissingen: Planung des  Wärmenetzes, der Heizzentralen mit den Wärmeerzeugern und der Übergabestationen
  • ibu Ingenieurgesellschaft für Bauwesen und Umwelttechnik mbH: Entwurfs- und Ausführungsplanung der Tiefbauarbeiten und der Energienutzung aus dem Bühnsee
  • tewag GmbH: Untersuchung der Wärmegewinnung aus dem Bühnsee Umwelt- und Energieagentur Kreis Karlsruhe (UEA): Projektleitung und -initiierung
BetriebEigene, speziell geschulte Hausmeister der Gemeinde Malsch: dadurch keine externen Betreiber notwendig

Für Fragen und weitere Informationen:
waermewende@kea-bw.de
https://www.kea-bw.de/waermewende