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"Beharrlich und hartnäckig": Fachkolloquium und Rückblick zum Abschied Volker Kienzlens

Drei Männer im Vordergrund vor größerem Publikum klatschen

Dr. Volker Kienzlen (Mitte) war 20 Jahre Geschäftsführer der KEA-BW. Staatssekretär Dr. Andre Baumann (rechts) würdigte sein Wirken. Links: Ministerialdirigent Dominik Bernauer, Vorsitzender des Aufsichtsrats. Foto: KEA-BW / Ellen Wurster

Als „beharrlich und hartnäckig“ beschrieben viele Wegbegleiter das Wirken von Dr. Volker Kienzlen, 20 Jahre lang Geschäftsführer der KEA-BW. Bei einem Fachkolloquium anlässlich seines Ausscheidens blickten Vertreter und Vertreterinnen aus Politik, Wissenschaft und Wirtschaft sowie Dienstleister auf die Zukunft eines klimaneutralen Baden-Württembergs. Drei Laudatoren würdigten anschließend die Erfolge und Verdienste des künftigen „Unruheständlers“, bevor Jan Münster dann noch einmal „offiziell“ die Nachfolge übernahm. Seit Januar leitet er gemeinsam mit Prof. Martina Hofmann die Landesenergieagentur.

Moderatorin Lisa Schmieder (KEA-BW) ermittelte zunächst den Anteil optimistischer Gäste: Wie hoch wird die durchschnittliche Erderwärmung werden? 1,5 Grad, 3 Grad oder sogar mehr? Überraschend viele entschieden sich für eine Zahl unter 3.

Dr. Susanne Nusser, stellvertretende Hauptgeschäftsführerin des baden-württembergischen Städtetags, plädierte angesichts des Rekorddefizits der Kommunen im Land dafür, alle Finanzierungsmöglichkeiten für energie- und klimaschutzrelevante Investitionen vor Ort auszuschöpfen. Für zusätzliche Kredite sollten Kommunen Landesbürgschaften erhalten können. „Sonst bleibt das Risiko allein auf kommunaler Ebene“, so Nusser.

Eine bessere Finanzierung, etwa für Fachpersonal, sah auch Dr. Svea Wiehe als wichtigen Schritt für mehr Handlungsmöglichkeiten der Kommunen. Die Leiterin des Referats Kommunaler Klimaschutz beim Landesumweltministerium nahm zusätzlich die Vereinfachung von Förderwegen ins Visier und benannte dies als Gemeinschaftsaufgabe von Bund, Land und Kommune.

„Ungeduldig und unzufrieden“ seien er und Volker Kienzlen vor Jahren gewesen, blickte Bene Müller, Vorstandssprecher der Solarcomplex AG zurück. Das habe als Antrieb gewirkt. Er plädierte für den um den Faktor vier schnelleren Umbau der Wärmeversorgung durch Wärmenetze gegenüber Einzellösungen und zeigte Beispiele. Im Vergleich mit einem privaten Austausch einzelner Wärmeerzeuger könne man damit in drei bis fünf Jahren weit vorankommen.

Als langfristigen Transformationsprozess stellte Prof. Dr. Martin Pehnt die Energiewende anhand eindrücklicher Grafiken aus den 80er und frühen 2000er Jahren vor. Die Exnovation, als das Befreien aus bestehenden Strukturen, sei dabei genauso wichtig wie Innovationen, etwa neue, interaktive Modelle und Ansätze, sagte der Geschäftsführer des Instituts für Energie- und Umweltforschung Heidelberg (ifeu).

„Die Klimaneutralität steht unter Druck“ leitete Nadine Derber, KEA-BW, ihre Betrachtungen ein. Kommunen könnten mit dem Druck jedoch umgehen und ihn in Strukturen umwandeln, war die Leiterin des Bereichs Kommunaler Klimaschutz überzeugt. Neben den Angeboten der KEA-BW bräuchten sie dafür insbesondere die Unterstützung der regionalen Energie- und Klimaschutzagenturen (rEA-BW) und dem Umweltministerium sowie weiteren Dienstleistern.

„Transformation braucht Kommunikation“ schloss Michael Adler, Geschäftsführer der Kommunikationsagentur tippingpoints die Fachrunde. Wenn Menschen Klimaschutz als Erd-, Menschen- und Demokratieschutz begriffen, entstünde Empathie. Diese wiederum erzeuge Gemeinsamkeit und sei eine Chance. „Wir brauchen ein ‚Dafür‘ und kein ‚Dagegen‘, sagte Adler. „Menschlicher Erfolg basiert auf Kooperation“.

Drei Laudatoren würdigten anschließend Volker Kienzlens Wirken und Erfolge.

Dr. Andre Baumann, Staatsekretär im Umweltministerium, vertrat die erkrankte Ministerin Thekla Walker. „Sie haben den Klimaschutz in Baden-Württemberg maßgeblich mitgestaltet und Großartiges geleistet“, sagte er. „Dafür danke ich Ihnen im Namen des Umweltministeriums.“ Zehn Jahre davon habe er als Politiker miterlebt und gesehen, wie Kienzlens „Augen begannen zu leuchten“, wenn er für ein Thema brannte. Baumann bezeichnete ihn als einen „Daniel Düsentrieb“ mit fachlicher Tiefe und außergewöhnlicher Beharrlichkeit. Es gehe eine Ära zu Ende, so Baumann.

Karl Greißing, ehemaliger Aufsichtsratsvorsitzender der KEA-BW, führte das Publikum in die politische Landesgeschichte zurück. „Konkret planen wir die Gründung einer Energieagentur“ zitierte er Erwin Teufel aus der Regierungserklärung von 1992 und hatte einige Anekdoten parat. Die gemeinsame Zeit mit Volker Kienzlen beschrieb Greißing auch als produktive Gratwanderung zwischen den Ministerien.

Der eaD, Bundesverband der Energie- und Klimaschutzagenturen Deutschlands, habe sehr auf die Meinung aus Baden-Württemberg geschaut, berichtete Dr. Klaus Kessler, Leiter der KliBa Heidelberg. Das Thema voranbringen, sich Gehör verschaffen – das sei Volker Kienzlens Überzeugung und Handlungsweise. Bis zum letzten Arbeitstag habe er für seine Themen gebrannt.

„Das Buch weiterschreiben“ – Jan Münster nutzte diese Metapher für die Übernahme der Geschäftsleitung. „Es ist eine Geschichte des Erfolgs, die wir fortführen möchten“, sagte er. In den neuen Kapiteln wolle er zusammen mit Martina Hofmann noch mehr das Thema von Lösungsstrategien, z.B. für Finanzierungsfragen von Investitionen, mit Fokus auf mehr Wirkung und Umsetzung auf kommunaler Ebene angehen und etwa das einzigartige Modell KEA-BW – rEA-BW stärker ausbauen.