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Exkursion nach Amsterdam: Impulse für Nullemissionszonen in baden-württembergischen Kommunen

Exkursionsteilnehmer Amsterdam vor IKEA

Teilnehmer der Amsterdam-Exkursion zu Nullemissionszonen

Vergangene Woche organisierte das Team der Nachhaltigen Mobilität der KEA-BW gemeinsam mit dem Ministerium für Verkehr in Baden-Württemberg für eine hochrangige Delegation aus Vertreterinnen und Vertretern baden-württembergischer Kommunen, des VKU – Verband kommunaler Unternehmen e.V. sowie des VfEW – Verband für Energie- und Wasserwirtschaft Baden-Württemberg e.V. eine Exkursion nach Amsterdam. Ziel war es, den ganzheitlichen Ansatz der Stadt gegenüber Elektromobilität vor Ort zu erleben – insbesondere das Konzept der „uitstootvrije zone“ (emissionsfreie Zone). 

Stickstoffmonoxid, Stickstoffdioxid und Kohlenstoffdioxid stoppen nicht an Stadt- oder Landesgrenzen, daher ist grenzüberschreitender Austausch essenziell, um Klimaziele zu erreichen und Luftqualität zu verbessern. Die Niederlande verfolgen seit Jahren einen kooperativen, langfristigen Weg über das „Schone Lucht Akkoord“ (Clean Air Agreement), bei dem niederländische Kommunen ihre Kräfte bündeln und gemeinsam die Luftqualität für Bürgerinnen und Bürger zu verbessern. Daher gilt inzwischen nicht nur in Amsterdam eine Nullemissionszone, sondern auch in 19 weiteren niederländischen Städten. Bis 2028 werden noch 12 weitere folgen. 

Die Delegation konnte hautnah sehen, wie Bürgerbeteiligung, öffentlich-private Partnerschaften und datenbasierter Ladeinfrastrukturausbau den Übergang zu emissionsfreiem Verkehr ermöglichen. Bemerkenswert dabei, dass mit dieser umfassenden Herangehensweise auch Wirkungen erzielt werden können, die nicht von kommunalen Vorschriften abhängig sind. 

Praktische Einblicke bei Großkonzernen

Bei IKEA Niederlande erfuhren die Teilnehmenden, wie der Konzern die Last-Mile-Logistik emissionsfrei umsetzt: Der eigene Fuhrpark wird vollständig elektrifiziert, und Lieferungen zu Endkunden erfolgen ohne Auspuffgase. So entsteht ein tragfähiger Business Case für Global Player, die Ihre gesellschaftliche Verantwortung wahrnehmen – ein Modell, das auch für baden-württembergische Großunternehmen adaptierbar ist.

Chancen für lokales Gewerbe

City Hub, ein niederländisches Logistikunternehmen, zeigte einen innovativen Ansatz für Kleingewerbe: White-Label-Logistik bündelt Einzellieferungen intelligent, reduziert das Verkehrsaufkommen und ermöglicht den Umstieg auf E-Fahrzeuge. Stadtverträglichkeit wird hier zu einem Wettbewerbsvorteil – genau das, was Kommunen brauchen, um lokale Geschäfte einzubinden und Verkehrslast zu senken.

Erfolg durch Dialog und Partnerschaften

Zentral für Amsterdams Erfolg ist der kontinuierliche Austausch: Unternehmen unterschiedlichster Branchen setzen mithilfe von gemeinsamem Engagement politische Ziele in die Praxis um. Dabei unterstützt die Kommune sie mit Beratungsangeboten für Kleinunternehmen oder Umstiegsgutscheinen. Gleichzeitig sorgt der regelmäßige und persönliche Austausch dafür, dass das Vorgehen der Stadt für die Unternehmen transparent und planbar ist. Bei einem Treffen unter Federführung der Amsterdamer Wirtschaftsförderung lernten die deutschen Akteure aus Wirtschaft und Verwaltung die beteiligten Partner kennen und erfuhren mehr über die privatwirtschaftlichen Erfolgsmodelle.

Walther Ploos van Amstel, Professor für City Logistics an der Amsterdam University of Applied Sciences, begleitet in seinem Forschungsprojekt „City Net Zero“ das Amsterdamer Erfolgsmodell von Anfang an. Er betonte: Eine ganzheitliche Strategie mit echter Bürgerbeteiligung reduziert Fahrzeugzahlen in Innenstädten, optimiert Verkehrsflüsse und macht den Restverkehr sauberer.

Nächste Schritte für Baden-Württemberg

In einer abschließenden Diskussionsrunde wurden die neuen Erfahrungen in konkrete Pfade für die jeweiligen Heimatkommunen übersetzt: Fokus auf Ladeinfrastruktur und politische Kommunikation. Trotz anderen Rahmenbedingungen, sowohl rechtlich als auch kulturell, kann die Lebensqualität deutlich erhöht werden mit einem holistischen Ansatz, der mit Bürgerschaft und Unternehmen in einen echten Dialog geht.Diese Impulse stärken die Arbeit für mehr Elektromobilität und Ladeinfrastruktur 2026.

Liebe Kolleginnen und Kollegen in den Kommunen: Amsterdam zeigt ganz praktisch und unaufgeregt – Nullemissionszonen bündeln eine Vielzahl an Maßnahmen und unterstützen damit vor Ort den Umstieg auf einen langfristig stadtverträglichen Verkehr. Sie sind machbar und vor allem wirtschaftlich sinnvoll. Nutzen Sie diese Best Practices, um in Ihrer Kommune voranzukommen: Binden Sie Bürger ein, fördern Sie Partnerschaften und bauen Sie smarte Logistik auf. Kontaktieren Sie die KEA-BW für Unterstützung!

Herzlichen Dank an die Gastgeberinnen und Gastgeber in den Niederlanden, insbesondere das Team der Gemeinde Amsterdam von Josette Udo.