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"Nachhaltige Berufe" Folge 4 / Dr. Kristina Rang, Projektleiterin bei der Energieagentur Kreis Ludwigsburg: „Die Kommune muss es vormachen“

Dr. Kristina Rang ist Projektleiterin bei der Energiegagentur Kreis Ludwigsburg (Foto: LEA)

„Das Geld zählt immer“, sagt Kristina Rang. Sie arbeitet allerdings nicht für eine Bank, sondern als Projektleiterin für den Klimaschutz in Kommunen. Wie die 37jährige Chemikerin zu diesem Job kam, warum es ihr wichtig ist, Denkweisen zu verbinden und weshalb Fördergeld so wesentlich ist, erzählt sie in unserem Interview.

Beate Schade, KEA-BW: Frau Rang, seit wann sind Ihnen Klima- oder Umweltschutz ein Anliegen?

Dr. Kristina Rang: Ich war als Kind eigentlich immer draußen und wir gingen auch oft in den Zoo. Dadurch habe ich die Welt lieben gelernt.

Beruflich haben Sie sich dann für ein Chemiestudium entschieden. Wie passte das zusammen?

Mich interessierte, wie aus A und B etwas Neues entsteht und warum. In der Chemie gibt es zahllose Bereiche, die den Klimaschutz betreffen. Ich habe mich für das Thema organische Solarzellen entschieden und darüber promoviert.

Können Sie uns in wenigen Worten erklären, was das Besondere an dieser Technologie ist?

Diese Solarzellen bestehen aus Kohlenwasserstoffverbindungen anstatt aus Halbleitermaterial. Sie lassen sich drucken, sind sehr dünn und daher biegsam. Das macht sie besonders vielseitig einsetzbar. Außerdem sind sie kostengünstiger und verbrauchen viel weniger Rohstoff als übliche Zellen. Aktuell sind sie noch in der Erprobungsphase.

Sie blieben aber offensichtlich nicht in der Forschung. Was kam dann?

Beim Thema Klimaschutz wollte ich gerne bleiben. Daher beriet ich in einem kleinen Büro in Hamburg für einige Jahre nichtstaatliche Organisationen (NGO) wie den WWF, aber auch Unternehmen zum Thema Klimaschutz: „Wie lässt sich das Zwei-Grad-Ziel erreichen, wieviel Geld kann man damit sparen?“ Meine naturwissenschaftliche Ausbildung half mir dabei, verschiedene Denkwelten zusammenzubringen, Strategie und Praxis erfolgreich zu kombinieren.

Warum wechselten Sie anschließend in den Dienst der Stadt Korntal-Münchingen?

Die Stelle als Klimaschutzmanagerin reizte mich, weil ich etwas Anfassbares tun wollte. Ich setzte das dortige Klimaschutzkonzept samt Evaluation und Fortschreibung mit um. Das umfasste viele spannende Projekte, allein in der nachhaltigen Mobilität: Wir zogen eine große Förderung an Land für ein Fahrradparkhaus, Bikesharing und E-Ladesäulen. Auch die nachhaltige Mobilität der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unterstützten wir in Form von ÖPNV-Zuschuss, Dienstrad-Leasing, sicheren Abstellanlagen für Räder und Duschmöglichkeiten. Ich konnte eine Entwicklung sehen, und das hat mich angespornt, weitere Ideen zu entwickeln.

Welches ist Ihre wichtigste Erkenntnis aus dieser Zeit?

Das Geld zählt immer! Bei jedem neuen Projekt muss man zuerst an Fördermittel denken, sonst bekommt man weniger Fürsprecher in der Kommune. Zum Beispiel haben wir eine elektrische Kehrmaschine angeschafft – mit Fördergeld aus dem Topf für „Ausgewählte Klimaschutzmaßnahmen“. Darüber konnten auch weitere Dienstfahrzeuge als emissionsärmere E-Fahrzeuge angeschafft werden, Dienstpedelecs sowie ein E-Lastenrad. Die Kommune muss Vorbild sein, sonst funktioniert der Klimaschutz nicht. Wenn sie alle Förderangebote ausschöpft, kommt vieles schneller voran.

War die Stelle als Klimaschutzmanagerin befristet?

Ja, die Förderung durch die Bundesregierung aus dem Programm Kommunalrichtlinie endete nach fünf Jahren. Allerdings beschlossen Bürgermeister und Gemeinderat, sie mit etwas weniger Zeitumfang zu verstetigen, später wurde die Stelle wieder auf Vollzeit aufgestockt. Man erkannte, dass Klimaschutz keine freiwillige Aufgabe der Kommune mehr ist. Mir lief dann die Stellenausschreibung der LEA über den Weg.

Was reizte Sie daran, noch tiefer in die Praxis einzutauchen und Kommunen nun direkt zu beraten?

Als Projektleiterin für den kommunalen Klimaschutz kann ich meinen gesamten bisherigen Erfahrungsschatz anwenden. Kommunen brauchen einen Leitfaden, um Klimaschutz systematisch anzuwenden, zu verankern und weiterzuentwickeln. Eine Lagebestimmung ist die Basis. Dafür kann auch der European Energy Award, kurz eea, von Nutzen sein. Als geschulte eea-Beraterin habe ich mein Repertoire noch einmal erweitern können, um die Kommunen auf dem Weg zur Klimaneutralität zu begleiten.

Wo besteht nach Ihrer Einschätzung aktuell der dringendste Handlungsbedarf?

Die Wärmewende steht da ganz vorne, denn es gilt wieder: Die Kommune muss es vormachen, am besten mit einem erneuerbarem Wärmenetz, an das möglichst viele angeschlossen werden. Wenn jeder einzelne seine Heizung modernisieren soll, wird es noch zu lange dauern … So wie es die Stadt Steinheim an der Murr mit dem Leuchtturmprojekt „Solnet Steinheim“ angeht. Mein persönliches Ziel ist es, dass der Landkreis Ludwigsburg so schnell wie möglich klimaneutral wird.

Dann wünschen wir Ihnen dafür viel Erfolg und bedanken uns für das interessante Gespräch.

Weiterführende Links

Organische Solarzellen
Kommunalrichtlinie

Energieagentur Kreis Ludwigsburg LEA
European Energy Award (eea) Landesgeschäftsstelle Baden-Württemberg

Zur Person

Name: Dr. Kristina Rang
Jahrgang: 1984
Ausbildung: Diplom-Chemikerin, Dr. rer. nat.
Position: Projektleiterin Kommunaler Klimaschutz und eea-Beraterin bei der Energieagentur Kreis Ludwigsburg LEA e.V.