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Ravensburg und Mittleres Schussental

Klimakonsens und enge Zusammenarbeit

Um ein Zeichen zu setzen und dem dringenden Handlungsbedarf im Hinblick auf den Klimawandel Ausdruck zu verleihen, haben viele Kommunen den Klimanotstand ausgerufen. Der Gemeinderat der Stadt Ravensburg hat einen anderen Ansatz gewählt: Am 27. Juli 2020 wurde dort einstimmig einen „Klimakonsens“ beschlossen. Erarbeitet hat diesen ein „Projektparlament auf Zeit“, wie Oberbürgermeister Daniel Rapp es nennt.

 

 

Fridays for Future und Wirtschaftsvertreter zusammen an einem Tisch

„Die Kommission, die den Klimakonsens erarbeitet hat, ist in ihrer Zusammensetzung einmalig in Deutschland“, erzählt Rapp. Die Vielfältigkeit der Gruppe sei dabei eine ihrer größten Stärken. 35 Akteure aus Politik, Verwaltung, Wirtschaft, Verbänden und NGOs sowie per Los ausgewählte Bürgerinnen und Bürger diskutierten in vier Sitzungen, wie Klimaschutz in Ravensburg angegangen werden soll. Und das wirkte mit hoher Strahlkraft nach außen. Denn:

„Wenn Fridays for Future und Wirtschaftsvertreter einen Kompromiss und einen gemeinsamen Weg finden, ist das für die Bürger glaubwürdig, nachvollziehbar und hoffentlich auch Ansporn.“

Daniel Rapp, Oberbürgermeister Ravensburg

Bild der Ravensburger Klimakommision. Ein runder Kreis aus Tischen an denen viele junge und alte Menschen sitzen.
Ravensburgs Klimakommision, die gemeinsam den Klimakonsens erarbeitet. In Deutschland einmalig.
Klimakommission bei der Arbeit. Eine Reihe Menschen schreibt im stehen auf Klemmbrettern.
Akteure und Akteurinnen aus Politik, Verwaltung, Wirtschaft, Verbänden, NGOs und Bürgerschaft diskutierten, wie Ravensburg den Klimaschutz angehen soll.
Blaues Plakat mit der Aufschrift: "Stell dir vor es ist Klimaschutz und alle machen mit. Ravensburg hat einen Klimakonsens!""
Das Plakat zum Projekt „Klimakonsens“.

Bis spätestens 2040 soll Ravensburg klimaneutral sein

So lautet der Beschluss, den das Projektparlament erarbeitet hat. Um dieses Ziel zu erreichen wurde ein Paket aus ganz konkreten Maßnahmen erarbeitet. „Im Fokus des Klimakonsenses stehen die Handlungsfelder Gebäudesanierung, nachhaltige Mobilität, Kompensation und Bewusstseinsbildung“, erklärt Rapp. Beispielsweise soll die Stadt ihre Dachflächen für Photovoltaik-Genossenschaften kostenlos zur Verfügung stellen und ihre Stellplatzsatzung neu ausrichten, damit bei Baumaßnahmen weniger Pkw-Stellplätze gebaut werden und das Angebot von Fahrrad- und Lastenradstellplätzen steigen kann.

Für ihre Bemühungen erhielt die Stadt den European Energy Award Gold mit einer Punktzahl von 86 Prozent, aktuell das beste Ergebnis in Baden-Württemberg.
 

Fast alle Gebäude in der Altstadt an neues Nahwärmenetz angeschlossen

Der Startschuss für ein ambitioniertes Projekt ist bereits gefallen: In der Ravensburger Altstadt hat der Bau eines Wärmenetzes begonnen, mit dem zukünftig möglichst alle Gebäude klimaneutral versorgt werden sollen. Auch für die Anwohnenden bringt das Vorteile: Sie können von nun an auf eine eigene Heizungsanlage und den Besuch des Schornsteinfegers verzichten. Obwohl auf eine Anschlusspflicht bewusst verzichtet wurde, konnten im ersten Bauabschnitt beinahe 100 Prozent der Gebäude angeschlossen werden. Wenn Klimaschutz gleichzeitig angenehm ist, zieht eben auch die Bevölkerung gerne mit, weiß Veerle Buytaert, Leiterin des Umweltamts Ravensburg:

„Um unsere Ziele erreichen zu können, ist es wichtig, dass der nachhaltige Lebensstil, insbesondere in Sachen Mobilität und Konsum, günstiger und bequemer wird als das nicht nachhaltige Leben.“

Veerle Buytaert, Leiterin des Umweltamts Ravensburg

Gemeindeverband Mittleres Schussental erarbeitet gemeinsame Klimaziele

Nicht nur Ravensburg handelt vorbildlich in puncto Klimaschutz in Oberschwaben. Der Gemeindeverband Mittleres Schussental, der neben den Städten Ravensburg und Weingarten aus den Gemeinden Baienfurt, Baindt und Berg besteht, hat schon 2012 eine gemeinsame Erklärung zum CO2-neutralen Schussental erarbeitet. Diese wurde 2017 mit einem Klimaleitbild bis 2050 fortgeschrieben. Auf Verbandsebene wurde eine gemeinsame Personalstelle für das Klimaschutzmanagement geschaffen. Als erster Gemeindeverband wurde das Schussental mit dem eea-Label „Vorbildliche Energie- und Klimaschutzregion“ prämiert.


Gemeindeübergreifendeses Mobilitätskonzept zur Reduktion der Emissionen im Verkehrssektor

„Die Reduktion von Treibhausgasemissionen im Verkehrssektor ist  eine der größten Herausforderungen, um die Ziele für 2030 erreichen zu können, vor allem für eine ländliche Region wie das Schussental“,

erzählt Buytaert.


Die Kommunen des Verbands stellen sich der Aufgabe gemeinsam, zum Beispiel mit dem Verkehrsentwicklungsplan 2030 und einem Radverkehrskonzept. Schon jetzt sind die Einwohner dank eines Verleihsystems für Pedelecs und attraktiven Busverbindungen auch zwischen den Kommunen mobil.

 

 

Gemeinderat möchte als Vorbild für Bürger agieren

 „Uns ist es wichtig, nicht mit dem erhobenen Zeigefinger Missstände aufzuzeigen oder durch Verbote Verhaltensänderungen zu bewirken. Vielmehr wollen wir Bürgerinnen und Bürger sowie Politik und Unternehmen auf konkrete Möglichkeiten zum Klimaschutz hinzuweisen“,

erläutert Buytaert.


Einen deutlichen Beweis für den Erfolg lieferten dabei die vielen lokalen Bürgergruppen und Initiativen. An alle Kommunen, die sich bisher noch nicht mit dem Thema Klimaschutz auseinandersetzen, appelliert Oberbürgermeister Rapp:

„Klimaschutz macht auch wirtschaftlich Sinn und ist für eine moderne Kommune unabdingbar“.