Best Practice: Kommunen mit Vorbildcharakter

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Best Practice: Kommunen mit Vorbildcharakter

Sie suchen Beispiele dafür, wie der Klimaschutz in Ihrer Kommune gelingen kann? Hier stellen wir Ihnen Städte, Gemeinden und Landkreise vor, die schon mittendrin sind und Erfolg mit ihrem Konzept haben. Holen Sie sich gute Ideen zum Nachmachen!

Zögern Sie nicht uns zu kontaktieren, wenn Sie auf der Suche nach Anregungen für Ihre Arbeit oder nach einer Ansprechperson sind, mit der Sie sich austauschen könnten. Wir unterstützen Sie gern und versuchen Ihnen die passenden Kontakte zu vermitteln.

Sie haben eine spannende Maßnahme umgesetzt und möchten dies bekannt machen? Gerne integrieren wir Ihr Projekt in unsere Öffentlichkeitsarbeit, damit andere Kommunen von Ihren Erfahrungen profitieren können.

Diese Seite wächst kontinuierlich. Schauen Sie bald wieder vorbei und lernen Sie neue Beispiele kennen!

 

  • Murg: Gemeindeverwaltung und Bevölkerung ziehen an einem Strang

    Als eine der ersten Kommunen im Landkreis Waldshut ließ die 7.000-Einwohner-Gemeinde Murg 2014 ein Klimaschutzkonzept ausarbeiten. Die darin enthaltenen Maßnahmen werden seit 2016 von einem Klimaschutzmanager gesteuert und vorangetrieben. Mit ihnen sind hohe Ziele angestrebt, die bis 2050 zur Reduktion des CO2-Ausstoßes pro Einwohner und Jahr auf unter eine Tonne führen sollen. Aktuell hat sich die Gemeinde dazu entschlossen, Zwischenziele bis zum Jahr 2050 zu formulieren. Grundlage dafür soll unter anderem eine aktualisierte CO2-Bilanzierung sein.

    Zunahme an nachhaltiger Strom- und Wärmeerzeugung

    Bis heute setzte die Kommune bereits viele der 56 geplanten Maßnahmen des Klimaschutzkonzepts um, einige weitere sind schon gestartet. Damit verbuchte sie bereits einige Erfolge:

    • Zwei Drittel der Wärme für kommunale Liegenschaften stammen aus nachhaltiger Produktion. Das Rathaus, die Schulgebäude und die Sporthallen werden zum großen Teil aus den gemeindeeigenen Holzhackschnitzelanlagen mit Wärme versorgt. Im letzten Jahr wurde die Heizung des Kindergartens im Ortsteil Oberhof auf Holzpellets als Energieträger umgestellt.
    • Seit einigen Jahren wird in allen kommunalen Liegenschaften lokal und nachhaltig produzierter Strom aus Wasserkraft genutzt.
    • Die Anzahl an Photovoltaik-Anlagen auf den Murger Dächern ist deutlich gestiegen. Auch auf dem Dach der Abwasserreinigungsanlage wurde eine PV-Anlage installiert. Der erzeugte Strom deckt tagsüber fast 75 Prozent des Strombedarfs der Kläranlage.
    • Durch die Sanierung des Kindergartens Regenbogen konnte der Strom- und Wärmebedarf um 74 Prozent reduziert werden.

     

    „Diese und weitere Erfolge machen Murg zu einem Vorbild für die Energie- und Wärmewende. Hand in Hand sorgen Gemeinde und Bevölkerung für ein nachhaltiges Energiemanagement und die Umsetzung der Klimaschutzmaßnahmen.“
    Frank Philipps, Klimaschutzmanager der Gemeinde Murg

    Zukunftsfähige Baulandentwicklung

    Mittlerweile laufen auch die Arbeiten im Neubaugebiet Auf Leim auf Hochtouren. Hier ist die Versorgung der Ein- und Mehrfamilienhäuser durch ein sogenanntes kaltes Nahwärmenetz pflichtmäßig vorgesehen (nähere Informationen hier). Dadurch wird eine nachhaltige Wärmeversorgung gewährleistet. Gleichzeitig bietet sich durch das Prinzip der kalten Nahwärme die Möglichkeit zur Kühlung der Häuser in der heißen Zeit des Jahres. Zudem hat sich die Gemeinde Murg beim Investorenauswahlverfahren für die Mehrfamilienhäuser im Neubaugebiet Auf Leim für den Entwurf mit dem niedrigsten Energiebedarf gemäß dem KfW-Standard 40 entschieden.

    Bürgermeister Adrian Schmidle zeigte sich hocherfreut über die Auswahl: „Auch so sichern wir die Zukunftsfähigkeit der Gemeinde Murg und stellen die Weichen auf Klimaneutralität“.

    „Energiekarawane“ zieht um die Häuser

    Vor allem die umfangreiche Beratung der Bürgerinnen und Bürger ist wichtig für die Gemeinde. So besucht der Klimaschutzmanager mit dem Projekt „Energiekarawane“ Menschen, die sich bisher kaum für Energiethemen interessierten, auch gerne zuhause. Dort kann er sie bestens zur energetischen Sanierung und Fördermöglichkeiten beraten. Das Ergebnis: Seit Beginn der Kampagne 2018 hat sich die Sanierungsquote in Murg vervierfacht.

    “Ohne die energetische Sanierung von Bestandsgebäuden werden wir die selbstgesteckten Klimaziele nicht erreichen können. Die Energiekarawane ist ein wichtiges Werkzeug zur Erhöhung der Sanierungsrate im Gebäudebestand der Gemeinde Murg, die wir nach der coronabedingten Pause wieder aufnehmen werden“, so Klimaschutzmanager Frank Philipps.

    Von klein auf mit dabei

    Die Energiewende erreichte die Murger Grundschule und wurde dort zum spannenden Schulfach für die Kinder. Mit dem Projekt „Murgtalschule – Lernort für den Klimaschutz“ lernten die Kinder, wie sie selbst etwas zum Klimaschutz beitragen können. Spielerisch sensibilisierten die Lehrer für das Thema: Gemeinsam mit Klassenkameraden und Lehrkräften führten die Kinder Experimente mit erneuerbaren Energien durch oder maßen den Stromverbrauch der Schule. Zudem lernten sie, wie richtige Mülltrennung funktioniert und wie man bewusst mit Wärme, Licht und Wasser umgeht. Zum Abschluss des Projektes pflanzten die Teilnehmer als symbolischen Akt gemeinsam Bäume an der Schule. Die Lehrer nutzen die Materialien weiterhin und führen die Unterrichtseinheit in anderen Klassen fort. Den gelernten Klimaschutzgedanken sollen die Kinder weiter in die Bevölkerung tragen.

    Bürgerinitiative „Murg im Wandel“

    Die bisherigen Erfolge im Klimaschutz sind nicht zuletzt den engagierten Bürgerinnen und Bürgern der aktiven Gemeinde zu verdanken. Die Bürgerschaft war bei der Erstellung des Klimaschutzkonzeptes und der Formulierung des Leitbildes beteiligt, in dem auch die ambitionierten Ziele zur Reduktion der Treibhausgase der Gemeinde Niederschlag fanden. Aus diesem bürgerschaftlichen Engagement heraus entstand die Initiative „Murg im Wandel“. Diese rief beispielsweise den elektrischen Bürgerbus ins Leben, der die Ortsteile außerhalb der regulären Zeiten des öffentlichen Personennahverkehrs miteinander verbindet. Die Gemeinde stellt den E-Bus zur Verfügung und gewährleistet die „Betankung“ durch Ökostrom. Der Bürgerbus soll dabei nicht nur das Klima schützen, sondern auch den sozialen Zusammenhalt fördern.

    „Der Bürgerbus ist seit seiner ersten Fahrt bis heute ein Erfolgsprojekt und macht deutlich, dass viele Bürgerinnen und Bürger von der guten Zusammenarbeit zwischen unserer nachhaltigen Bürgerinitiative und der Gemeindeverwaltung profitieren können“, unterstreicht die Bürgerbus-Koordinatorin Monika Duttlinger von „Murg im Wandel“.

    Die Initiative und der Klimaschutzmanager organisieren Hand in Hand Workshops, wie z. B. „Klimafreundlich kochen – mit dem Profi“ oder „Energiesparen in der Praxis“ sowie Aktionstage, wie der Energieaktionstag, die Murger Energietage oder der Solarinfotag.

    Interkommunale Vernetzung

    Seit 2018 beteiligt sich Murg am Netzwerk „Kommunales Energieeffizienznetzwerk Südwest“. Im Mai 2021 startete die zweite Runde (kEEN 2.0). Am Netzwerk beteiligen sich der Landkreis Waldshut und neun Kommunen der Landkreise Waldshut und Lörrach, die sich über ihre Erfahrungen austauschen und von der fachlichen Begleitung der Energieagentur Südwest profitieren können.  Daraus erhofft sich die Gemeinde Murg, ihre Aktivitäten zur Energieeinsparung und Reduktion der CO2-Emissionen im kommunalen Umfeld systematisch und kontinuierlich weiterentwickeln zu können.

    Ihr Ansprechpartner:
    Klimaschutzmanager Frank Philipps
    E-Mail: philipps@gemeinde-murg.de
    Tel.: 07763 930 34

    Weiterführende Links:
    Klimaschutz & Energie der Gemeinde Murg
    Murg im Wandel

    (Stand: September 2021)

  • Rhein-Neckar-Kreis: Gemeinsam mit den Kreiskommunen den Klimaschutz voranbringen

    Bereits seit 2010 steht der Klimaschutz im Rhein-Neckar-Kreis ganz oben auf der politischen Agenda. Fest verankert als strategisches Ziel zählt Klimaschutz zur gemeinsamen Daueraufgabe im Landkreis. Durch die gemeinschaftliche Initiative und den dadurch entstehenden Austausch unterstützen sich die Kommunen gegenseitig und können wichtige Ressourcen sparen.

    Landkreis mit Vernetzerrolle für den Klimaschutz

    Um die Aktivitäten in Sachen Klimaschutz besser zu bündeln, schlossen sich der Rhein-Neckar-Kreis und seine Kommunen zu einer gemeinschaftlichen Initiative zusammen. So unterzeichneten 53 von 54 Kommunen eine Kooperationsvereinbarung mit dem Landkreis, um sichtbare Ergebnisse im Klimaschutz als Beitrag zur Energiewende zu leisten. Seit 2013 gibt ein Klimaschutzkonzept einen konkreten Handlungsrahmen mit 39 Maßnahmen für den Kreis und seine Eigengesellschaften vor, die von der Geschäftsstelle Klimaschutz des Rhein-Neckar-Kreises kontinuierlich umgesetzt wurden. Der Kreis ist zudem Gesellschafter bei der Klimaschutz- und Energie-Beratungsagentur Heidelberg – Rhein-Neckar-Kreis gGmbH (KLiBA), die für die Umsetzung energie- und klimapolitischer Ziele in den Kommunen sowie für Bürgernähe und kompetente Antwort in Fragen der Energieeffizienz steht.

    Wirksame Maßnahmen und Fortschreibung des Klimaschutzkonzepts

    Die Maßnahmen zeigen Wirkung und das Klimaschutzkonzept wird mit weiteren, neuen und ehrgeizigen Zielen fortgeschrieben. Für die Fortschreibung waren alle Bürgerinnen und Bürger des Landkreises aufgerufen, für einzelne Maßnahmen aus dem Klimaschutzkonzept abzustimmen sowie eigene Anregungen und Meinungen miteinzubringen. Mit der energetischen Sanierung der kreiseigenen Liegenschaften, der Beleuchtungssanierung, der Umstellung auf eine klimafreundliche Wärmeversorgung, dem Aufbau eines Energiemanagements und dem Ausbau erneuerbarer Energien nimmt der Kreis seine Vorbildfunktion auch weiterhin wahr. Zudem sind die Kreiskommunen gemeinsam dem Klimaschutzpakt von Baden-Württemberg beigetreten.

    „Im Klimaschutz nehmen der Rhein-Neckar-Kreis und seine Kommunen eine motivierende Funktion beziehungsweise eine Vorreiterrolle ein, um wichtige lokale Akteure sowie Privatpersonen und Unternehmen zu einem klimaschutzsensiblen Handeln zu bewegen.“
    Julia Eustachi, Klimaschutzmanagerin des Rhein-Neckar-Kreises

    Für vorbildliches Energiemanagement ausgezeichnet

    2021 erhielt der Landkreis für sein herausragendes Energiemanagement die Kom.EMS-Auszeichnung. Er betreibt seit 2001 zur Identifizierung von energetischen Schwachstellen ein umfangreiches kommunales Energiemanagement. Dadurch stieg die Energieeffizienz der kommunalen Liegenschaften unter Verwendung von innovativen technischen und organisatorischen Maßnahmen kontinuierlich an.

    „Kommunales Energiemanagement ist ein bedeutender Baustein für einen erfolgreichen kommunalen Klimaschutz.“
    Jürgen Obländer, Leiter des Eigenbetriebs Bau, Vermögen und Informationstechnik Rhein-Neckar-Kreis

    Bioabfall richtig nutzen

    Ein weiterer wichtiger Beitrag zur regionalen Energiewende ist die seit Juli 2019 in Betrieb genommene, kreiseigene Bioabfallvergärungsanlage. Die moderne Anlage verarbeitet bis zu 60.000 Tonnen Bioabfall aus dem Landkreis zu gütegesichertem Frischkompost und ca. 40 Millionen Kilowattstunden Biogas pro Jahr. Damit kann die gleiche energetische Menge fossilen Erdgases eingespart werden.

    Das kreiseigene Biomasseheizkraftwerk ergänzt das Angebot und ermöglicht mit seiner klimafreundlichen Nahwärmeversorgung eine Einsparung von 6.500 Tonnen CO2 jährlich.

    Passivhäuser als Standard

    Auch im Bereich Neubau wurden neue Maßstäbe gesetzt. So hat sich der Rhein-Neckar-Kreis zu einem deutlich höheren Standard verpflichtet und plant deshalb Neubauten grundsätzlich als Passivhäuser. Nach dem Bau der Louise-Otto-Peters-Schule, welche als erste Bildungseinrichtung in Deutschland im Effizienzhaus Plus Standard errichtet wurde, begibt sich der Rhein-Neckar-Kreis wiederum auf neues Terrain. Noch in diesem Jahr wird die sonderpädagogische Steinsbergschule mit angeschlossenem integrativem Kindergarten im Passivhausstandard gepaart mit Massivholzbauweise gebaut.

    Vernetzende Funktion bei kreisweiter Mobilität

    Die nachhaltige Mobilität hat einen hohen Stellenwert im Kreis. 2018 wurde eine Stabsstelle „Mobilität und Luftreinhaltung“ eingerichtet, die eine vernetzende Funktion im Bereich der kreisweiten Mobilität übernimmt. Der Fokus der Aufgaben liegt dabei auf der Gewährleistung einer zukunftsfähigen Mobilität, der Erhaltung und Verbesserung der verschiedenen Mobilitätsangebote, der Implementierung des Klimaschutzes und der kreisweiten Koordinierung und Interessensvertretung in Bezug auf Mobilitätsmaßnahmen. Neben kreisweiten Mobilitätsthemen, wie beispielsweise dem Nahverkehr oder das Mobilitätskonzept Radverkehr, steht auch die interne Mobilität im Fokus der Klimaschutzarbeit.

    Interner Klimaschutz

    Feste Bestandteile des Aufgabengebiets der Geschäftsstelle Klimaschutz sind die Sensibilisierung der Mitarbeitenden für klimafreundliches Handeln und das Thema nachhaltige Beschaffung. Beispielsweise wurden Azubi-Schulungen, Sprit-Spar-Trainings oder die Mitarbeiterkampagne „Mit dem Rad zur Arbeit“  angeboten. Mit Diensträdern, Dienst-E-Rädern, E-Scootern, Car-Sharing, Jobticket, VRNnextbike-Stationen, neuen Radabstellanlagen sowie Duschmöglichkeiten und vielen weiteren Maßnahmen stehen ihnen eine Fülle von Optionen zum Klimaschutz im Bereich Mobilität zur Verfügung. 2018 zertifizierte sich das Landratsamt Rhein-Neckar-Kreis als „Fahrradfreundlicher Arbeitgeber“.

    Frühe Sensibilisierung und klimafreundlicher Alltag

    Neben den Großen sollen sich auch die Kleinen früh mit dem Thema Klimaschutz beschäftigen und dafür sensibilisiert werden. Das seit 2010 laufende und erfolgreiche Projekt „Energie und Klimaschutz an Schulen“ der KLiBA ist weiterhin von großer Bedeutung und steht erneut in den Startlöchern. Das Land Baden-Württemberg und der Rhein-Neckar-Kreis fördern zu 100 Prozent das beliebte Projekt. In Unterrichtseinheiten oder Projekttagen werden abwechslungsreich und alltagsnah Zusammenhänge zwischen dem Klimaschutz und dem täglichen Energieverbrauch nähergebracht. Gemeinsam erarbeiten die Teilnehmenden Ideen, wie sie den eigenen Alltag klimafreundlicher gestalten können.

    Ihre Ansprechpartnerin:

    Frau Eustachi
    E-Mail: j.eustachi@rhein-neckar-kreis.de
    Tel.: 06221 522-7564

    Weiterführende Links:
    Klimaschutz im Rhein-Neckar-Kreis
    Klimaschutz- und Energie-Beratungsagentur Heidelberg-Nachbargemeinden - KliBA gGmbH

    (Stand: September 2021)

  • RegioENERGIE-Netzwerk: 11 Kommunen aus zwei Landkreisen packen´s an!

    Elf Kommunen aus den Landkreisen Rastatt und Karlsruhe schlossen sich im September 2015 im Rahmen des Leuchtturmprojektes RegioENERGIE zusammen, um gemeinsam in eine fortschrittlichere und nachhaltigere Zukunft zu starten.

    Ziel des Bündnisses ist es, mehr Lebensqualität für die Bürgerinnen und Bürger der beteiligten Kommunen zu schaffen. Das kommunale Netzwerk erleichtert die Kommunikation und Planung zwischen den Gemeinden.

    Klimaschutzkonzept und Energieeffizienz-Netzwerk bilden die Basis der Kooperation

    Die Kommunen haben gemeinsam ein Klimaschutzkonzept erstellt, in welchem der Fokus auf Mobilität, Infrastruktur und Energieeffizienz liegt. Die Umsetzung der entwickelten Maßnahmen trägt zu technischem, infrastrukturellem und energiewirtschaftlichem Fortschritt in der Region bei. Jede der Kommunen ernannte eigens zur Bewältigung dieser Aufgabe einen Netzwerkbeauftragten.

    Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) förderte den Zusammenschluss für drei Jahre. Die Kommunen entschieden sich anschließend für die Verlängerung der Zusammenarbeit und seit 2019 wirkt Géza Solar, im Posten des Klimaschutzmanagers, als Ansprechpartner und Initiator im Projekt mit.

    Um einen dauerhaften Informationsfluss zwischen den Gemeinden zu gewährleisten, finden regelmäßige Treffen der Netzwerkbeauftragten statt. Hier wird neben der Erstellung des Klimaschutzkonzeptes auch über das parallel gestartete Energieeffizienz-Netzwerk getagt. Im Vordergrund steht hierbei die Analyse wesentlicher kommunaler Liegenschaften. Bisher wurden über 90 Energieaudits durchgeführt.

    Elektromobilitätskonzept im Verbund

    Die direkt aneinandergrenzenden Gemarkungen der Kommunen schaffen die ideale Voraussetzung für ein übergreifendes, vernetztes Elektromobilitätskonzept , welches die Möglichkeit bietet, Elektromobilität in den Kommunen zu verbreiten sowie Know-how in den Verwaltungen aufzubauen. Schwerpunktmäßig soll der Aufbau einer Ladeinfrastruktur für Elektromobilität vorangetrieben werden. Zudem sollen die lokalen Akteure dazu motiviert werden, im Bereich Elektromobilität aktiv zu werden. Die Gemeinden sind bestrebt, einen Teil des kommunalen Fuhrparks nach und nach auf Elektroautos umzurüsten und damit ihre Vorbildfunktion zur Anwendung zu bringen. Die Unterstützung hierbei holen sich die Kommunen von Partnern aus der Region, wobei die regionale Wertschöpfung im Fokus liegt. Somit trägt der systematische Ausbau der Elektromobilitätsinfrastruktur, der in Zukunft auch Car-Sharing beinhalten wird, nicht nur zur Senkung von Treibhausgasemissionen bei, sondern schafft gleichzeitig auch einen wirtschaftlichen Mehrwert für Bürgerinnen und Bürger.

    Auf den Punkt gebracht: Die RegioENERGIE Projektkarte zeigt die Klimaschutzmaßnahmen des Netzwerks

    Damit sich interessierte Bürgerinnen und Bürger einen Überblick über die vielzähligen Klimaschutzmaßnahmen verschaffen können, werden diese auf der Projektkarte verortet. Die beteiligten Kommunen legen großen Wert auf Transparenz ihrer Tätigkeiten, deshalb werden alle bisherigen sowie auch die geplanten Projekte auf der Karte dargestellt. Die Maßnahmen werden ihren Tätigkeitsfeldern entsprechend eingeordnet und präsentiert. So sind zum Beispiel alle im Verbund installierten Elektro-Ladesäulen (Themenfeld 4: Mobilität), die Photovoltaik-Anlagen auf kommunalen Gebäuden (Themenfeld 2: Kommunale Gebäude) oder gemeindespezifische Förderprogramme (Themenfeld 6: Kommunikation & Kooperation) dargestellt.

    Die RegioENERGIE Projektkarte hat sich zur zentralen Anlaufstelle für interessierte Bürgerinnen und Bürger entwickelt. Sie wird regelmäßig aktualisiert und dient somit als Echtzeit-Plattform für Klimaschutzmaßnahmen.

    „Klimaschutzmaßnahmen sind vielfältig und können bisweilen unübersichtlich wirken. Mit der RegioENERGIE Projekt-Karte kann jetzt Jede*r sich umfassend und transparent informieren!“ Klimaschutzmanager Géza Solar

    Klimaschutz auf dem Prüfstand: Fünf RegioENERGIE-Kommunen lassen sich mit dem eea zertifizieren

    Ende 2020 gingen die RegioENERGIE Kommunen Bietigheim, Elchesheim-Illingen, Malsch, Ötigheim und Steinmauern den nächsten Schritt und entschieden sich für die gemeinsame Teilnahme am European-Energy-Award (eea).

    „Mit der Zertifizierung stellen wir die Weichen für die Zukunft unserer Kommune in Sachen Klimaschutz. In den nächsten vier Jahren begeben wir uns in eine Art internes Controlling. So ist sichergestellt, dass wir die Reduktionsziele erreichen und unsere Maßnahmen nachweisbar wirksam sind.“ Constantin Braun, Bürgermeister der Gemeinde Bietigheim

    Mit dem integrierten Klimaschutzkonzept und vielen bereits umgesetzten Maßnahmen haben die RegioENERGIE-Kommunen einen guten Standpunkt. Die Maßnahmen sind bereits auf den eea abgestimmt. Daher muss das Rad nicht neu erfunden werden. Als Klimaschutzmanager wird Géza Solar die Umsetzung der Maßnahmen im Verbund weiter vorantreiben.

     

    Ihr Ansprechpartner:
    Klimaschutzmanager Géza Solar
    E-Mail: geza.solar@bietigheim.de
    Tel.: 07245 / 808 – 50

    Weiterführende Links:
    RegioENERGIE-Netzwerk
    Kommunale Energieeffizienz-Netzwerke in Baden-Württemberg

    (Stand: September 2021)

  • Konstanz: Schneller zum Ziel mit dem Klimanotstand und einer Taskforce Klimaschutz

    Im Mai 2019 folgte die Stadt Konstanz dem Impuls von Fridays for Future und rief als erste Kommune in Deutschland den Klimanotstand aus. Seitdem soll dem Klimaschutz hier „höchste Priorität“ eingeräumt werden. Laut Oberbürgermeister Uli Burchardt „ein wichtiges Symbol für einen bevorstehenden Kurswechsel und […] Aufbruch“. Damit es aber nicht bei einem symbolischen Akt blieb, beschloss der Gemeinderat neben der Gründung einer stadtinternen „Taskforce“ die Erarbeitung einer Klimaschutzstrategie. Diese sieht eine überaus schnelle Absenkung der lokalen Treibhausgasemissionen bis 2035 vor.  

    Die Stadt erarbeitet mithilfe des ifeu-Instituts einen konkreten Plan

    Die Klimaneutralität zu erreichen, ist ein extrem ambitioniertes Ziel – in Anbetracht der Tatsache, dass die Konstanzer gemäß deutschem Durchschnitt noch bei etwa 11 Tonnen CO2-Ausstoß pro Person und Jahr liegen dürften, wovon im Stadtgebiet etwa 45 Prozent verursacht werden. Wie genau der Weg zur Klimaneutralität aussehen könnte und welche Auswirkungen das auf die Stadt und ihre Bewohner hätte, ist Gegenstand der in Erarbeitung befindlichen Klimaschutzstrategie. Die Stadt arbeitet an dieser Stelle mit dem renommierten ifeu-Institut aus Heidelberg zusammen.  

    „Wir müssen den Bürgerinnen und Bürgern ganz genau zeigen, was auf sie zukommt. Was bedeutet es, wenn wir dieses Ziel gemeinsam erreichen wollen? Diesen Weg müssen wir in Meilensteinen und mit Jahreszahlen beschreiben, und dafür brauchen wir Expertinnen und Experten.“
    Uli Burchardt, Oberbürgermeister der Stadt Konstanz

    Deshalb legt die Stabsstelle Klimaschutz dem Gemeinderat und der Öffentlichkeit zweimal im Jahr einen Bericht über Fortschritte und Schwierigkeiten bei der Reduktion der Emissionen vor.

    Effizienter vorankommen mit der „Taskforce Klimaschutz“

    Um die notwendigen Maßnahmen möglichst schnell umsetzen zu können, wurde die „Taskforce Klimaschutz“ ins Leben gerufen. Hier arbeiten Stadtverwaltung, städtische Wohnungsbaugesellschaft, Stadtwerke und Entsorgungsbetriebe zusammen. Das laufe in der Welt der klassischen Ämter-Hierarchien zwar nicht immer spannungsfrei. Aber es gestalte die gemeinsame Arbeit am Klimaschutz insgesamt deutlich effizienter, berichtet Lorenz Heublein von der Stabsstelle Klimaschutz der Stadt Konstanz.

    Fördergelder für die Schaffung von Personalstellen beantragen

    Um den Klimaschutz tatsächlich mit höchster Priorität zu bearbeiten, werden vor allem Menschen gebraucht, die die empfohlenen Maßnahmen umsetzen – und ein entsprechendes Budget. Die Stadt wird voraussichtlich auch 2021 neue Personalstellen im Klimaschutz schaffen: unter anderem für den Schwerpunkt „klimaneutrale Kommunalverwaltung“ und das Sanierungsmanagement. Dafür kann sie auf Fördermittel vom Land (Förderprogramm Klimaschutz-Plus) und der KfW zurückgreifen. Die Stelle zum Klimaschutzmanagement im Bereich Stadtplanung und Umwelt wird zudem seit 2018 im Rahmen der Kommunalrichtlinie gefördert.   

    Sofort-Maßnahme: Gründung eines Klima-Bürgerrats mit Klima-Budget

    Um auch die Bevölkerung an der Umsetzung zu beteiligen, wurde ein Klima-Bürgerrat ins Leben gerufen. Dieser erhielt im Jahr 2020 von der Stadt ein Klima-Budget in Höhe von 30.000 Euro. Die 20 Mitglieder wählten selbst aus, welche Projekte aus der Bürgerschaft sie damit unterstützen möchten. 2020 förderten sie neun Projekte, darunter ein durch die Tretkraft von Fahrrädern angetriebenes Open-Air-Kino.

    Klimafreundliche Energieversorgung, Gebäudesanierung und Mobilitätswende strategisch vorantreiben

    Zu den konkreten Projekten der Stadt zählen zum Beispiel:

    • die Erstellung eines Energienutzungsplans, der aufzeigt, wie viel Energie sämtliche Gebäude auf dem Stadtgebiet derzeit benötigen und wie sich Energiebedarf und -erzeugung für die Zukunft klimafreundlicher gestalten lassen. Dieses Werkzeug aus 2018 erfüllt bereits weitgehend die Vorgaben an die inzwischen in Baden-Württemberg verpflichtende kommunale Wärmeplanung.

    • die energetische Sanierung mehrerer Schulen und Kitas, teils auch im Contracting-Modell. Dass bei Letzterem ein externer Dienstleister einen Großteil der Investitions- und Planungskosten übernimmt, ermöglicht schnelleres Voranschreiten.

    • eine gemeinsame Solaroffensive mit den Stadtwerken, bei der Eigentümerinnen und Eigentümer auf die Vorteile einer Photovoltaikanlage hingewiesen werden und Beratung vom Erstinteresse bis hin zur Umsetzung angeboten bekommen.

    • die Mobilitätsstrategie „Autofreie Innenstadt“ mit vier Bausteinen: Parkraummanagement, Verkehrsmanagement, Optimierung des öffentlichen Verkehrs sowie Entwicklung nachhaltiger Verkehrsangebote (Carsharing, Mietsysteme)
       

    Video-Statement Konstanz „Wir machen Mobilitätswende“

    Bezahlbarer Wohnraum als größter Interessenkonflikt                      

    Damit bei einer Priorisierung des Klimaschutzes nicht andere wichtige Themen zurückbleiben, sei ein offener Diskurs wichtig, so Oberbürgermeister Burchardt. Den größten Interessenkonflikt sieht er bei der Bereitstellung von günstigem Wohnraum und Flächenverbrauch.

    „Bauen hat an sich schon einen hohen CO2-Fußabdruck. Da werden wir interessante Diskussionen führen, wie wir anders und trotzdem kostengünstig bauen können.“

    Erste Ansätze bietet das Projekt „Zukunftsstadt: Smart wachsen – Qualität statt Quadratmeter“, mit dem die Stadt versucht, den Flächenverbrauch pro Kopf im Neubau zu minimieren.

    Klimaschutz wirtschaftlich machen mit einem eigenen CO2-Preis

    Klar ist: Um klimaschutzkonforme Investitionen zum Beispiel bei der Schaffung bezahlbaren Wohnraums attraktiver zu machen, ist eine CO2-Bepreisung unabdingbar. Mit 25 Euro pro Tonne ist der CO2-Preis der Bundesregierung jedoch noch weit von den vom Umweltbundesamt empfohlenen 195 Euro pro Tonne entfernt. Die Stadt Konstanz plant nun einen eigenen CO2-Preis für Wirtschaftlichkeitsberechnungen des Hochbauamts in Höhe von 115 Euro pro Tonne. Denn, so ist sich auch Lorenz Heublein sicher: „Allein über Appelle an die intrinsische Motivation sind die Ziele nicht zu erreichen.“

    Ihr Ansprechpartner:

    Lorenz Heublein
    Stabsstelle Klimaschutz
    E-Mail: lorenz.heublein@konstanz.de
    Tel.: 07531 900-2544

    Weiterführende Links:

    Wir sind Stadtwandel – Konstanz fürs Klima
    3. Klimaschutzbericht der Stadt Konstanz (Januar 2021)
    Initiative „Wir leben 2000 Watt
    Konstanzer Geschichten des Gelingens

    (Stand: März 2021)

  • Ravensburg und Mittleres Schussental: Klimakonsens und enge Zusammenarbeit

    Um ein Zeichen zu setzen und dem dringenden Handlungsbedarf im Hinblick auf den Klimawandel Ausdruck zu verleihen, haben viele Kommunen den Klimanotstand ausgerufen. Der Gemeinderat der Stadt Ravensburg hat einen anderen Ansatz gewählt: Am 27. Juli 2020 wurde dort einstimmig einen „Klimakonsens“ beschlossen. Erarbeitet hat diesen ein „Projektparlament auf Zeit“, wie Oberbürgermeister Daniel Rapp es nennt.

    Klimakonsens heißt: Alle werden einbezogen

    „Die Kommission, die den Klimakonsens erarbeitet hat, ist in ihrer Zusammensetzung einmalig in Deutschland“, erzählt Rapp. Die Vielfältigkeit der Gruppe sei dabei eine ihrer größten Stärken. 35 Akteure aus Politik, Verwaltung, Wirtschaft, Verbänden und NGOs sowie per Los ausgewählte Bürgerinnen und Bürger diskutierten in vier Sitzungen, wie Klimaschutz in Ravensburg angegangen werden soll. Und das wirkte mit hoher Strahlkraft nach außen. Denn: „Wenn Fridays for Future und Wirtschaftsvertreter einen Kompromiss und einen gemeinsamen Weg finden, ist das für die Bürger glaubwürdig, nachvollziehbar und hoffentlich auch Ansporn", so das Stadtoberhaupt.

    Ambitioniertes Ziel und praktische Maßnahmen

    Am Ende stand fest: Ravensburg soll bis spätestens 2040 klimaneutral sein. Dafür wurde ein Paket aus ganz konkreten Maßnahmen erarbeitet. „Im Fokus des Klimakonsenses stehen die Handlungsfelder Gebäudesanierung, nachhaltige Mobilität, Kompensation und Bewusstseinsbildung“, erklärt Rapp. Beispielsweise soll die Stadt ihre Dachflächen für Photovoltaik-Genossenschaften kostenlos zur Verfügung stellen und ihre Stellplatzsatzung neu ausrichten, damit bei Baumaßnahmen weniger Pkw-Stellplätze gebaut werden und das Angebot von Fahrrad- und Lastenradstellplätzen steigen kann.

    Der Startschuss für ein ambitioniertes Projekt ist bereits gefallen: In der Ravensburger Altstadt hat der Bau eines Wärmenetzes begonnen, mit dem zukünftig möglichst alle Gebäude klimaneutral versorgt werden sollen.  Auch die Bevölkerung zieht mit: Denn obwohl auf eine Anschlusspflicht bewusst verzichtet wurde, konnten im ersten Bauabschnitt beinahe 100 Prozent der Gebäude angeschlossen werden.

    „Um unsere Ziele erreichen zu können ist es wichtig, dass der nachhaltige Lebensstil, insbesondere in Sachen Mobilität und Konsum, günstiger und bequemer wird als das nicht nachhaltige Leben“, erläutert Veerle Buytaert, Leiterin des Umweltamts Ravensburg. Für ihre Bemühungen erhielt die Stadt den European Energy Award Gold mit einer Punktzahl von 86 Prozent, aktuell das beste Ergebnis in Baden-Württemberg.

    Gemeindeverband Mittleres Schussental: Gemeinsam mehr erreichen

    Nicht nur Ravensburg handelt vorbildlich in puncto Klimaschutz in Oberschwaben. Der Gemeindeverband Mittleres Schussental, der neben den Städten Ravensburg und Weingarten aus den Gemeinden Baienfurt, Baindt und Berg besteht, hat schon 2012 eine gemeinsame Erklärung zum CO2-neutralen Schussental erarbeitet. Diese wurde 2017 mit einem Klimaleitbild bis 2050 fortgeschrieben. Auf Verbandsebene wurde eine gemeinsame Personalstelle für das Klimaschutzmanagement geschaffen.

    Als erster Gemeindeverband wurde das Schussental mit dem eea-Label „Vorbildliche Energie- und Klimaschutzregion“ prämiert. Die Zusammenarbeit lohnt sich beispielsweise im Bereich Mobilität: „Die Reduktion von Treibhausgasemissionen im Verkehrssektor sei eine der größten Herausforderungen, um die Ziele für 2030 erreichen zu können, vor allem für eine ländliche Region wie das Schussental“, erzählt Buytaert. Die Kommunen des Verbands stellen sich der Aufgabe gemeinsam, zum Beispiel mit dem Verkehrsentwicklungsplan 2030 und einem Radverkehrskonzept. Schon jetzt sind die Einwohner dank eines Verleihsystems für Pedelecs und attraktiven Busverbindungen auch zwischen den Kommunen mobil.

    Eine Vorbildrolle einnehmen

    Mit seinen Bemühungen möchte der Gemeindeverband als Vorbild vorangehen. „Uns ist es wichtig, nicht mit dem erhobenen Zeigefinger Missstände aufzuzeigen oder durch Verbote Verhaltensänderungen zu bewirken. Vielmehr wollen wir Bürgerinnen und Bürger sowie Politik und Unternehmen auf konkrete Möglichkeiten zum Klimaschutz hinzuweisen“, erläutert Buytaert. Einen deutlichen Beweis für den Erfolg lieferten dabei die vielen lokalen Bürgergruppen und Initiativen. An alle Kommunen, die sich bisher noch nicht mit dem Thema Klimaschutz auseinandersetzen, appelliert Oberbürgermeister Rapp: „Klimaschutz macht auch wirtschaftlich Sinn und ist für eine moderne Kommune unabdingbar“.

    Ihre Ansprechpartnerin:

    Veerle Buytaert
    Leiterin des Umweltamts der Stadt Ravensburg
    E-Mail: veerle.buytaert@ravensburg.de
    Tel.: 0751 82-727

    Weiterführende Links

    Klimakonsens: Ergebnisbericht und Vorgehen
    Homepage des Gemeindeverbands Mittleres Schussental
    Video-Statement zum Klimaschutz vom Ravensburger Oberbürgermeister Daniel Rapp
    Interview mit dem Ravensburger Oberbürgermeister Daniel Rapp
    Interview mit dem Ravensburger Baubürgermeister Dirk Bastin

    (Stand: Dezember 2020)

  • Enzkreis: Erfolgreiche Klimaschutzstrategie und starke Netzwerke

    Seit nunmehr zehn Jahren setzt sich der Enzkreis unter dem Motto „Enzkreis-Klima-Wendekreis“ ambitionierte Klimaschutzziele. Bis 2050 soll der Enzkreis klimaneutral sein und ist bereits auf einem guten Weg dahin. Dabei kann der Landkreis eine Vielzahl von Erfolgen verbuchen, nicht zuletzt die dritte Auszeichnung mit dem European Energy Award Gold. Er setzt dabei auf Vermeidung, Verminderung und Kompensation von Treibhausgasemissionen.

    Breit aufgestellt für den Klimaschutz

    Für die kontinuierliche Umsetzung von Klimaschutzmaßnahmen nutzt der Enzkreis seit 2010 den European Energy Award als Qualitätsmanagement- und Zertifizierungsverfahren. „Grundlage ist ein umfangreiches energiepolitisches Arbeitsprogramm mit 138 Maßnahmen“, so der erste Landesbeamte und Vorsitzende des Lenkungsteams Wolfgang Herz. Hinzu kommt ein breit angelegtes Klimaschutzkonzept, dass die Handlungsfelder Liegenschaften, Planung und Konzepte, Entsorgung, Mobilität, Organisation, Kommunikation und Kooperation abdeckt.

    Herausragende Beispiele sind die Klimapartnerschaft mit Tansania, das CO2-Kompensationsprojekt mit vielen Schwellenländern, ein pädagogisches Konzept mit Angeboten für alle Altersstufen, eine Zeitung für alle Haushalte und ein geplantes Projekt zum autonomen Fahren.

    Der Kreistag unterzeichnete 2017 die Musterresolution „2030 - Agenda für Nachhaltige Entwicklung: Nachhaltigkeit auf kommunaler Ebene gestalten“, mit der sich der Landkreis zu 17 Agendazielen bekennt. Begleitet wird die Resolution von einem Maßnahmenkatalog, der zukunftsorientierte Entwicklung im Enzkreis anstoßen soll. Dazu gehören beispielsweise das neue Leitbild, in dem die 17 SDG's integriert wurden, die neue Beschaffungsrichtlinie, eine online-Bürgerbeteiligung zur Nachhaltigkeitsstrategie und Bierdeckel mit den globalen Nachhaltigkeitszielen in Badisch in Kooperation mit der örtlichen Brauerei.

    Starke Netzwerke machen es möglich

    Eine weitere wichtige Grundlage für effizienten Klimaschutz  bildet die enge Zusammenarbeit mit Gleichgesinnten, erklärt Herz: „Der Erfolg beim eea ist ein vielfältiges Gemeinschaftswerk, der nur dank der engagierten Mitarbeit aller Verantwortlichen im Haus und durch eine enge Zusammenarbeit mit unseren Partnern möglich ist.“ Ein Beispiel ist das kommunale Energieeffizienznetzwerk kEEN, bei dem mittlerweile neun Gemeinden aus dem Enzkreis mitwirken. Durch den Austausch von Erfahrungen sollen die Gemeinden Handlungsfelder erkennen und bei Klimaschutzaktivitäten, wie dem Aufbau eines Energiemanagementsystems, unterstützt werden.

    Zusammen mit dem Energie- und Bauberatungszentrum (ebz) hat der Enzkreis außerdem das Netzwerk „Fachpartner Denkmalpflege und Fachwerk“ gegründet. Im ersten Netzwerk dieser Art bündeln Bauherren, Behörden und Fachpartner ihr Wissen, sodass Energieeffizienz und der Erhalt historischer Bauten zusammengebracht werden.

    Über den Tellerrand hinaus

    Der Enzkreis setzt im Klimaschutz nicht nur vor Ort auf Zusammenarbeit. Auch auf internationaler Ebene wird an der Erreichung der Klimaschutzziele gearbeitet. Zum Beispiel durch eine Klimapartnerschaft mit dem tansanischen Distrikt Masasi, den der Enzkreis bei der Einführung erneuerbarer Energien, beispielsweise durch den Bau von Solarkochern, -lampen und Solarhomesystemen oder Biogasanlagen, unterstützt. Mit diesem Engagement landete der Landkreis 2019 unter den Top Drei beim Deutschen Nachhaltigkeitspreis in der Kategorie „Kommunale Partnerschaften“.

    Zudem unterstützt der Enzkreis mit einem eigenen Klimafonds Kompensationsprojekte, sowohl im globalen Süden als auch vor Ort. Die finanziellen Mittel stammen aus den freiwilligen CO2-Ausgleichszahlungen eines Unternehmens und werden zum Beispiel für den Bau von Solaranlagen oder für Aufforstungsprojekte verwendet. Dafür wurde der Enzkreis 2016 als Klimaaktive Kommune ausgezeichnet.

    Ihre Ansprechpartnerin

    Edith Marqués Berger
    Leiterin der Stabsstelle Klimaschutz und Kreisentwicklung
    E-Mail: edith.marques.berger@enzkreis.de
    Tel.: 07213 308-9734

    Weiterführende Links

    Klimaschutz-Seite des Enzkreises
    Homepage des ebz. Energie- und Bauberatungszentrum Pforzheim/Enzkreis
    kEEn Kommunales Energie-Effizienz-Netzwerk
    Statement vom Landrat Rosenau bei der eea-Preisverleihung 2020
    Wettbewerb „Klimaaktive Kommune“ 2016

    (Stand: September 2020)

  • Schwäbisch Hall: Auf dem Weg zu 100 Prozent erneuerbarer Energie

    In Schwäbisch Hall stehen alle Zeichen auf Grün: Fernwärme, Windkraft, Sonnenenergie, LED-Beleuchtung, E-Busse, elektrische Lastenräder, der Ausbau von Radwegen: Die Klimaschutzmaßnahmen der Kommune gleichen den Etappen einer langen Reise in eine vorbildliche Zukunft. Alle städtischen Bediensteten und die Bürgerschaft sind dabei unterwegs. Beim European Energy Award 2020 wurde die Stadt mit der Auszeichnung in Gold belohnt.

    Engagierte Mitstreiter setzen die ambitionierten Ziele um

    Die Reise von Schwäbisch Hall mit dem Ziel 100 Prozent erneuerbare Energie begann schon vor vielen Jahren mit dem frühzeitigen Ausbau des Fernwärmenetzes. 2010 erarbeiteten die Stadt Schwäbisch Hall und ihre Nachbargemeinden gemeinsam mit den Stadtwerken Schwäbisch Hall eine Vision, wie dieser Weg für die Region aussehen könnte. Bereits seit 2018 wird der Strom im Netzgebiet der Stadtwerke Schwäbisch Hall zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energien erzeugt. Bis 2035 will die Stadt auch im Wärmesektor klimaneutral sein.

    „Wenn man sich als Kommune auf so eine Reise begibt, braucht man in den eigenen Reihen auf jeden Fall qualifizierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die mit viel Fachwissen und Herzblut die Dinge vorantreiben“, betont Oberbürgermeister Hermann-Josef Pelgrim. Der Energiebeauftragte Heiner Schwarz-Leuser kümmert sich seit 2009 hauptsächlich um das kommunale Energiemanagement, also den effizienten Betrieb der Liegenschaften. 2015 kam eine Stelle für das Klimaschutzmanagement dazu. Hier ist Alina Berger seit 2020 zuständig für die Koordination und Umsetzung der städtischen Klimaschutzstrategie.

    Der Schlüssel liegt in der Wärmeplanung

    In Schwäbisch Hall wird die Fernwärme fast ausschließlich aus Biomethan, Biogas und Erdgas in Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen erzeugt. Neubaugebiete, die Kernstadt sowie Gewerbegebiete werden vorrangig an das städtische Wärmenetz angeschlossen. 120 Kilometer Trasse versorgen rund 15.000 Einwohner – und 80 Prozent der städtischen Arbeitsplätze. „Bei Neubauten und energetischen Sanierungen gilt sogar die Pflicht, das Fernwärmenetz zu nutzen“, bekräftigt Oberbürgermeister Pelgrim. „Und die Vorschrift nimmt uns kaum jemand übel: Die Leute sind froh, wenn sie in den Wärmeverbund dürfen.“

    Die Kommune agiert als Vorbild für die Bürger

    Der Energie- und Wärmebedarf öffentlicher Gebäude und Liegenschaften wird konsequent beobachtet und optimiert. „Alleine die energetisch sanierte Straßenbeleuchtung spart rund 400.000 Euro pro Jahr ein“, betont der Energiebeauftragte Heiner Schwarz-Leuser. „Städtische Neubauten werden zudem, soweit möglich, über die aktuell gültigen Standards hinaus energetisch optimiert “, fügt er hinzu.

    Fördergelder von Bund und Land erweitern den Spielraum der Stadt für die kontinuierliche Umsetzung von Klimaschutzprojekten. Seit 2012 wurden beispielweise zwei Millionen Euro in neue Radwege, Rampen und Stellplätze investiert. Wen die Fahrt durch Berg und Tal nicht lockt, der steigt in einen von drei E-Bussen, die regelmäßig im Nahverkehr pendeln.

    Die Bürger einbeziehen, das ist eine der wichtigen Aufgaben für die Klimaschutzbeauftragte Alina Berger: „Mit einer begleitenden Informations- und Sensibilisierungskampagne nehmen wir die Bürgerinnen und Bürger konsequent auf dem Weg in die CO2-neutrale Zukunft mit.“ So stärken inzwischen auch zahlreiche Bürgerbeteiligungsprojekte die Akzeptanz von Wind- und Sonnenenergie in der Region.

    Auch international ist die Stadt aktiv und unterstützt im Rahmen einer kommunalen Partnerschaft ein Klimaschutzprojekt mit Okahandja in Namibia. Ein Engagement, das vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung gefördert wird.

    Ihre Ansprechpartner

    Energiebeauftragter Heiner Schwarz-Leuser
    E-Mail: heiner.schwarz-leuser@schwaebischhall.de
    Tel.: 0791 751-334

    Klimaschutzbeauftragte Alina Bermudez
    E-Mail: alina.bermudez@schwaebischhall.de
    Tel.: 0791 751-320

    Weiterführende Links

    Video-Statement: Oberbürgermeister Pelgrim äußert sich zu Schwäbisch Halls nachhaltiger Strategie
    Portrait der Stadt Schwäbisch Hall im Podcast E&M Energiefunk
    Projektübersicht auf der städtischen Homepage
    Stadtrecht in Schwäbisch Hall / Absatz Fernwärmeversorgung
    Broschüre „100 % Ziel erreicht: Unser Strom ist regenerativ“ der Stadtwerke Schwäbisch Hall

    (Stand: Juni 2020)

  • Offenburg: Klimaschutz einfach machen

    Ein breiteres Angebot für die Mobilität in der Stadt und dem nahen Umland, die Ansprache der Bürgerinnen und Bürger durch Kampagnen und der Ausbau der Fernwärme: Die Stadt Offenburg ist mit ihren 60.000 Einwohnern eine Vorzeigekommune für kommunalen Klimaschutz.

    Die große Kreisstadt im Ortenaukreis schreibt Klimaschutz seit vielen Jahren groß und nimmt ihn als kommunale Aufgabe ernst. Den Erfolg dafür ebnen Verwaltungsspitze, Gemeinderat und Klimaschutzmanagerin gemeinsam mit den jeweils zuständigen Fachabteilungen und Partnern. Bei ihnen allen steht der kommunale Klimaschutz ganz vorne auf der Tagesordnung. Zahlreiche Projekte und spannende Kooperationen zeigen bereits Erfolg. Dazu einige Beispiele:

    Mobilität endet nicht an den Gemarkungsgrenzen

    Gleich zwei neue Mobilitätsstationen baut Offenburg in diesem Jahr und bietet dann insgesamt sechs dieser Knotenpunkte an. Sie sollen den reibungslosen Wechsel zwischen Bus, Bahn, Carsharing und Fahrrad ermöglichen. Damit verbessern sie die Verzahnung der verschiedenen Nahverkehrsangebote – und das zukünftig auch mit den Nachbarn. Zusammen mit neun anderen Kommunen in der Ortenau will Offenburg CO2-Emissionen aus dem Pendlerverkehr reduzieren und die Elektromobilität voranbringen. Das Bundeswirtschaftsministerium fördert die Erarbeitung der im Mobilitätsnetzwerk entstehenden Konzepte über den Zeitraum von drei Jahren mit 60 Prozent.

    Klimaschutz einfach machen

    Die Bevölkerung zu informieren und zu sensibilisieren ist ein weiterer Schwerpunkt des Klimaschutzengagements in Offenburg. Über das Offenburger Netzwerk für Nachhaltigkeit bringt die Klimaschutzmanagerin die Themen Klimawandel und Klimaschutz in die Erwachsenenbildung ein. In Zusammenarbeit mit den regionalen Energieversorgern, der Ortenauer Energieagentur und der Landesinitiative Zukunft Altbau organisiert sie jährlich Energietage. Seit 2016 organisiert die Stadt jährlich einen Mobilitätstag an dem sie gemeinsam mit ihren Partnern zu den Angeboten nachhaltiger Mobilität informiert. Kampagnen unter dem Slogan „Klimaschutz einfach machen“ machen die Bevölkerung auf Möglichkeiten, Klimaschutz im Alltag umzusetzen, aufmerksam.

    Fernwärme – nachhaltig und dezentral

    Energiewende bedeutet in Offenburg auch Wärmewende. Im Jahr 2015 hat die Stadt ihren Wärmeatlas veröffentlicht, auf dessen Grundlage inzwischen eine Strategie zum Ausbau der Fernwärme im Bestand bis 2035 erarbeitet wurde. Geplant sind mehrere „Wärmeinseln“, die aus unterschiedlichen Heizzentralen gespeist werden. Dafür gibt es sogar Fördermittel vom Bund. Derzeit spielen noch Blockheizkraftwerke und industrielle Abwärme eine wichtige Rolle. Langfristig sollen zunehmend erneuerbare Energieträger zum Einsatz kommen und die Wärmeinseln zu einem großen Netz zusammenwachsen.

    Persönliche Überzeugung und Engagement = Erfolg
    Warum das Konzept der Stadt Offenburg so erfolgreich ist, erklärt Klimaschutzmanagerin Bernadette Kurte: „Das Wichtigste ist, dass Politik und Verwaltungsspitze hinter dem Klimaschutzkonzept stehen und die Umsetzung gemeinsam tragen“, sagt Kurte. „Darüber hinaus hat sich die Kooperation mit Unternehmen und Verbänden oder auch mit anderen Kommunen bewährt – zusammen lässt sich mehr auf die Beine stellen und eine größere Reichweite erzielen. Und zuletzt spielt persönliches Engagement eine entscheidende Rolle für das Gelingen von kommunalen Klimaschutzmaßnahmen. Vorteilhaft ist sicher, dass die Förderung für einen Klimaschutzmanager/eine Klimaschutzmanagerin jetzt bereits bei der Erstellung eines Klimaschutzkonzepts beantragt werden kann.“

    Ihre Ansprechpartnerin

    Klimaschutzmanagerin Bernadette Kurte
    E-Mail: Bernadette.Kurte@offenburg.de
    Tel.: 0781 82-2444

    Weiterführende Links

    Stadt Offenburg
    Klimaschutz in Offenburg
    Projekt "einfach mobil"
    Klimaschutz einfach machen
    Photovoltaikkampagne – Dein Dach kann mehr
    Fernwärmestrategie Offenburg

    (Stand: Dezember 2019)