Best Practice: Kommunen mit Vorbildcharakter

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Freiburg

Auf dem Weg zur klimaneutralen Kommune bis 2035

Freiburg hat sich ein ehrgeiziges Ziel gesetzt: Bis 2035 will die Stadt klimaneutrale Kommune sein. Im Kommunen-Wettbewerb siegte sie in der Größenklasse über 100.000 Einwohnenden. Die Großstadt in Südbaden mit ihren 230.000 Bürgerinnen und Bürgern erhält für die Umsetzung von sieben ausgewählten Klimaschutzprojekten ab 2024 für drei Jahre eine Förderung von vier Millionen Euro durch das Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg.

Aquiferspeicher für den Wärmenetzverbund, Windenergie im Gewerbe, zukunftsfähige Ernährung und Agrikultur

Die Stadt Freiburg will die Klimaneutralität mit insgesamt sieben ausgewählten Maßnahmen bis 2035 nachhaltig beschleunigen. Die Breisgaumetropole plant unter anderem Wärmenetze auszubauen und vermehrt erneuerbare Energien einzusetzen. Dazu gehört insbesondere geothermische Wärme.

Geplant ist, die im Sommer nicht benötigte Wärme zeitversetzt im Winter zur Verfügung zu stellen. Für solch lange Zeiten und große Wärmemengen kommen Erdwärmespeicher in Frage. In die Freiburger Energieversorgung soll deshalb ein Aquiferspeicher eingebunden werden. Hierbei handelt es sich um einen unterirdischen, natürlichen Speicher, bei dem die Wärme in 400 bis 1.000 Meter tiefen Grundwasserleitern (sogenannten Aquiferen) gespeichert wird. Ein zusätzlicher Vorteil: Der Speicher benötigt nur wenig oberirdische Fläche. Mit dem Aquiferspeicher lässt sich überschüssige erneuerbare Wärme, Abwärme oder Kälte über Monate hinweg speichern und bei Bedarf wieder entnehmen. Aquiferspeicher wurden in Deutschland bislang noch kaum realisiert. Ein Beispielprojekt befindet sich unter dem Reichstagsgebäude des Deutschen Bundestages in Berlin. Um das Projekt vorzubereiten, plant Freiburg in dem Förderzeitraum geologische Voruntersuchungen durchzuführen.

In Freiburg vorgesehen ist außerdem die verstärkte Nutzung der Windenergie auch in Industrie- und Gewerbegebieten. In Baden-Württemberg gibt es bislang nur wenige derartige Anlagen, ihre Errichtung ist aber durch die neue Bundesgesetzgebung wesentlich leichter geworden, sodass es keiner Flächennutzungsplanänderung bedarf. Anders als bei den kommunalen Windeignungsgebieten außerhalb der Gewerbeflächen, die auch zum Großteil nicht bei der landesweiten Ausweisung über die Regionalverbände Berücksichtigung finden. Zur Ausweisung dieser neuen, in der Regel derzeit im Außenbereich liegenden Flächen, plant die Stadt im Gegensatz zu den Standorten in Gewerbegebieten, punktuelle Fortschreibungen des Flächennutzungsplans als Instrument der kommunalen Bauleitplanung. Von beiden Erfahrungen aus diesem Vorgehen könnten auch andere Kommunen im Land profitieren. Genauso wie von dem geplanten übergeordneten Kommunikationskonzept für Erneuerbare Energien, insbesondere der vereinzelt noch kontrovers diskutierte Windenergie.

Ein weiterer Schritt auf dem Weg zur schnellen Klimaneutralität ist eine nachhaltige Lebensmittelversorgung. Ein HoF für Ernährung und Agrikultur soll sich in enger Zusammenarbeit mit dem Freiburger Ernährungsrat als Begegnungs-, Experimentier- und Lernort einer zukunftsfähigen regionalen Ernährung und Landwirtschaft widmen.  

 

Folgende Maßnahmen werden in den nächsten drei Jahren umgesetzt:

  • Maßnahme 1: Kommunikation Masterplan Erneuerbare Energien – Schwerpunkt Wind im Gewerbegebiet

    Die Gewinnung von elektrischer Energie aus Erneuerbaren Energien ist der Schlüssel zur Erreichung der Klimaneutralität. Vor allem der Ausbau der Windenergie ermöglicht hier schnelle Fortschritte. Ergänzend zur Flächenausweisung durch die Regionalverbände, muss die kommunale Bauleitplanung zur Ausweisung weiterer Flächen stattfinden, was für die Kommune kosten- und personalintensiv ist. Zudem muss dieser Prozess kommunikativ begleitet werden, sodass keine Verweige­rungshaltung entsteht bzw. bestehen kann. Freiburg hat sehr gute Erfahrungen in der kommunikativen Beglei­tung zum Ausbau der Tiefengeothermie gemacht und möchte diese Prozess auf den Windausbau übertragen. Zur Ausweisung von Windstandorten in Freiburg sollen punktuelle Flächennutzungsplanfortschreibungen als In­strument der kommunalen Bauleitplanung genutzt werden, was bis dato noch nicht praktiziert wurde. Zudem ermöglicht die neue Gesetzgebung zur Flächenausweisung auf Bundesebene zusätzliche Verfahren, insbesondere für industrienahe Standorte.

    Bisher gibt es in Baden-Württemberg erst drei Windkraftanlagen in Industrie- bzw. Gewerbege­bieten (Stand: Februar 2024), sodass dies innerhalb des Gesamtprojektes ein weiteres Novum im Green ln­dustry Park darstellt. Daneben stehen im Verfahren der rechtssicheren Auswei­sung von potentiellen Standorten die Vergabe der naturschutzfachlichen Gutachten für die unterschiedlichen Suchräume und in einem nächsten Schritt die kommunika­tive Begleitung im Fokus.

  • Maßnahme 2: Wärmespeicher (Aquifer)

    Die Gewinnung von thermischer Energie aus Erneuerbaren Energien für das Wärme­system ist, ähnlich wie für die Stromerzeugung, nur bedingt steuerbar und muss mit zusätzlichen Maßnahmen an den Bedarf angepasst werden. Dies gilt insbesondere im saisonalen Verlauf, da der Wärmebedarf im Sommer sehr viel geringer ist. Erneuerbare Grundlast, wie bspw. durch Geothermie, wird in Freiburg im Sommer perspektivisch häufig über der benötigten Grundlast liegen. Die Erzeugungskurve von solarthermischen Anlagen verläuft gegenläufig zum winterlichen Wärmebedarf, so dass im Sommer Überschüsse erzielt werden. Durch saisonale Wärmespeicherung kann diese überschüssige Energie im Winter verfügbar gemacht werden. Dadurch kann sowohl fossile Erzeugung verdrängt wer­den als auch die Ausbeute erneuerbarer Wärmeerzeuger gesteigert werden. Aufgrund der knappen Verfügbarkeit großer erneuerbarer Wärmeerzeuger im Freibur­ger Raum ist die maximale Ausnutzung dieser Quellen mittels saisonaler Wärmespei­cherung für die Dekarbonisierung der Wärmeversorgung essenziell. Ein solcher Wär­mespeicher sollte hydraulisch im Freiburger Wärme-Verteilnetz eingebunden sein, um Wärmeverluste zu vermeiden. Aufgrund der geringen Flächenverfügbarkeit im Stadt­gebiet und des hohen Grundwasserstands sind übliche Erdbeckenspeicher für Frei­burg vordergründig nicht geeignet. Hier bietet sich ein Aquiferspeicher an, bei dem die Wärme in 400 bis 1000 m tiefen Grundwasserleitern (sog. Aquiferen) gespeichert wird und nur wenig oberirdische Fläche benötigt wird. Solche Aquiferspeicher wurden in Deutschland bislang noch kaum realisiert (Stand Februar 2024: einziges Beispiel am Bundestag in Berlin).

    Die Planung von Aquiferspeichern ist deutlich aufwändiger, da geologische Strukturen detailreich untersucht werden müssen. Erste Vorstudien des regionalen Energiever­sorgers zeigen, dass die geologische Struktur unter Freiburg grundsätzlich für diese Speichertechnologie in Frage kommt, es wurden jedoch noch keine geeigneten Reservoire identifiziert. Mit geologischen Voruntersuchungen kann die Stadt Freiburg gezielt die Umsetzung von saisonalen Wärmespeichern vorantreiben und steuern. Durch die Vergabe und Durchführung von (noch näher zu definierenden) Prospektionsmessungen und die In­tegration der neu gewonnen Daten in ein Untergrundmodell will die Stadt eine wich­tige Basis für konkrete Projekte bereitstellen. Außerdem ist das Ziel der Voruntersu­chungen die städtische Ausweisung konkreter, begrenzter Untersuchungsgebiete für saisonale Aquifer-Speichersysteme.

  • Maßnahme 3: Gebäudeseitige Temperaturabsenkung in Wärmenetzen

    Vor- und Rücklauftemperaturen in bestehenden Wärmenetzen müssen gesenkt wer­den, um Wärmeverluste zu minimieren und die Einbindung von erneuerbaren Quellen und Ab­wärme zu ermöglichen. Wärmenetzbetreiber ergreifen hierfür netzseitige Maßnah­men. Dies ist jedoch nicht ausreichend beziehungsweise kommt an eine Grenze, wenn an das Wärmenetz Gebäude angeschlossen sind, die weiterhin hohe Temperaturanforderungen (Vorlauf) an die Wärmeversorgung haben und/oder das Tempera­turdargebot nicht ausreichend nutzen (zu hohe Rücklauftemperaturen). In solchen Fällen hängt die Transformation des gesamten Wärmenetzes von gebäudeseitigen Anpassungen einzelner Akteure ab.

    Ziel des Projektes ist es, in ausgewählten bestehenden Wärmenetzen in Freiburg sol­che Fälle zu identifizieren und mit Unterstützung eines Fachplanungsbüros die jeweils notwendigen gebäudeseitigen Maßnahmen zu definieren. Mit diesem Projekt soll das Bewusstsein dafür geschärft werden, dass bei bereits an Wärmenetze angeschlossenen Gebäuden die Absenkung der Vor- und Rücklauftem­peraturen eine ausschlaggebende Rolle für die Transformation des gesamten Netzes spielen kann. In drei ausgewählten Gebäuden (Geschosswohnbau/Mehrfamilienhäu­ser) sollen entsprechende Maßnahmen auf den Weg gebracht werden. Da dies nicht in die Zuständigkeit des Wärmenetzbetreibers fällt, sind hier die Gebäu­deeigentümer gefragt. Die technischen Lösungsansätze sind bekannt; bislang fehlen allerdings noch (starke) Anreize für sie, ihre gebäudetechnische Ausrüstung auf nied­rigere Temperaturen umzustellen, wenn nicht gerade eine Vollsanierung durchgeführt wird. Begleitet durch ein breit aufgestelltes Fachplanungsbüro oder Forschungsinstitut (Be­reich Wärmewende) sollen die Anforderungen der Wärmenetzbetreiber wie auch der Kunden/Gebäudebesitzer in Bezug auf die Wärmeversorgung zusammengestellt wer­den. Basierend darauf werden drei Gebäude ausgewählt, denen im jeweiligen Wärmenetz eine besondere Bedeutung hinsichtlich des Temperaturniveaus zukommt.

    Durch eine geförderte Fachplanung und -beratung werden die für das Projekt ausge­wählten Gebäudebesitzerinnen und -besitzer dazu motiviert, die entsprechenden Maßnahmen im Anschluss zu ergreifen. In der Folge ist die Verbreitung der gewonnen Erkenntnisse aus Planung und ggf. Realisierung unter weiteren (größeren) Akteuren der Wohnungswirtschaft in Freiburg sowie Wärmeversorgern geplant. Diese sind nicht nur für Mehrfamilienhäuser in Wärmenetzen (und solche mit Interesse an einem Anschluss) rele­vant, sondern auch für große Wohngebäude, die „EE-ready" für den Einsatz von Wär­mepumpen gemacht werden sollen.

  • Maßnahme 4: Hof für Ernährung und Agrikultur

    Der Hof für Ernährung und Agrikultur ist als Kristallisationspunkt konzipiert, der sich der Innovationsförderung, dem Austausch und der Generierung von Wissen sowie dem Ausbau von Netzwerken für eine zukunftsfähige Ernährung und Landwirtschaft widmet. Er ist eine niederschwellige Plattform für alle Akteure der Lebensmittel­wertschöpfungskette, von der Produktion bis hin zu Weiterverarbeitung und Konsum. Fragen zur nachhaltigen Lebensmittelversorgung der Bürgerinnen und Bürger, zur strukturellen Anpassung der Landwirtschaft an Umweltziele und zur Erreichung der Klimaneutralität im Bereich Ernährung werden im Hof für Ernährung und Agrikultur mit verschiedens­ten Akteuren bearbeitet und für die Praxis aufbereitet. Als Begegnungs- und Lernort fördert der Hof für Ernährung und Agrikultur das Wissen und die Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger in Bezug auf eine nachhaltige und zukunftsfä­hige Ernährung und Lebensmittelversorgung und verbindet dabei Stadt und Land. Im Rahmen der öffentlichkeitswirksamen Kampagne zum Thema „Klima und Ernährung" werden Bedarfe und Kapazitätslücken in der Bildungsarbeit identifiziert, neue Kon­zepte entwickelt und umgesetzt und der Hof als Kompetenzzentrum im Bereich Er­nährungsbildung etabliert.

    Im Rahmen der Kampagne zur Stadt-Land-Vernetzung wird an die bereits bestehen­den Vernetzungsinitiativen angeknüpft (z. B. Netzwerk der Lebensmittelpunkte, KO­POS Großmarktprojekt, Pilotphase der Online-Handelsplattform nearbuy) und diese weiter vertieft. Hierdurch werden zum einen Bedarfe und Lücken identifiziert und innovative Konzepte der Zusammenarbeit entwickelt und umgesetzt. Zum anderen wird der Hof für Ernährung und Agrikultur Anlaufstelle und Austauschplattform für Ak­teure aus der Landwirtschaft, der Gemeinschaftsverpflegung, der Gastronomie und des Einzelhandels. Der Hof für Ernährung und Agrikultur soll an einem festen Ort in Freiburg etabliert werden. Auf dem Weg dorthin soll der Hof für Ernährung und Agrikultur im Rahmen einer Zwischennutzung als Ort erlebbar gemacht werden. An einem temporären Standort wird ein Teilbereich des Hof-Konzepts umgesetzt und zugänglich gemacht. Dies könnte beispielsweise eine Laborküche für (Weiter)Bildungsangebote für Bürgerinnen und Bürger sowie Küchenleitungen/-personal oder ein pädagogischer Garten mit Angeboten zur Ernährungsbildung sein.

  • Maßnahme 5: Klimaquartiere

    Bestehende Stadtquartiere werden in diesem Projekt zu Klimaquartieren. Es soll in den einzelnen Kli­maquartieren eine Klimaschutzkultur etabliert werden - ein Kilmaschutz-Mainstreaming entsteht. Ziel des Projekts ist es, (mehr) Verständnis für den not­wendigen Klimaschutz im Alltag herzustellen, Lust auf die notwendigen Verän­derungen zu machen, Hilfestellungen zu geben und die Selbstwirksamkeit zu fördern. Der Fokus liegt dabei auf den Themen Energie und Konsum.

    Eine wichtige Maßnahme sind hierbei Quartiersenergiegespräche. Sie klären auf, wie eine klimaneutrale Energieversorgung im jeweiligen Quartier erreicht werden kann und was dies für die Eigentümerinnen und Bewohner bedeutet. Auch wird darüber informiert, welche Maßnahmen zur Erreichung der Klimaneutralität selbst ergriffen werden können und welche Unterstützung es hierfür gibt. Energieex­pertinnen und -experten aus Wissenschaft, Stadtverwaltung und Energieversorgern kommen mit Bürgerinnen und Bürgern zu diesen Fragen ins Gespräch und geben Antworten. Ziel ist es, die Bürgerinnen und Bürger über Rahmenbedingungen zu informieren, ihnen Handlungs­spielräume aufzuzeigen und Unterstützungsangebote zu vermitteln.

    Ein weiteres wichtiges Element im Klimaquartier sind Sanierungsbesichtigungen. Hierbei handelt es sich um ein Format, bei dem der Erfahrungsaustausch von Peer­-to-Peer im Fokus steht. Eigenheimbesitzerinnen und -besitzer, die bereits energetisch moderni­siert haben, öffnen ihre Türen und zeigen ihren sanierten Wohnraum. So bekommen in­teressierte Eigentümerinnen und -eigentümer, die noch vor dieser Aufgabe stehen, praktisch gezeigt, wie eine energetische Modernisierung bzw. Sanierung in einem Bestandsgebäude vonstattengehen kann. Sie erhalten wertvolle Tipps und Kontakte zu Gleichgesinnten in ihrer Nachbarschaft, die den Weg bereits gegangen sind. Das be­stärkt sie wiederum darin, ihr eigenes Vorhaben anzugehen und umzusetzen.

    Das Klimaquartier richtet sich auch an Mieterinnen und Mieter, etwa mit DIY- Balkonsolar-Workshops. Bei diesen Workshops wird Wis­sen rund um das Gewinnen solarer Energie und Einspeisen dieser in den häuslichen Stromkreislauf vermittelt. Die Teilnehmenden lernen im Anschluss, aus alten Solarmo­dulen Balkonsolar-Kraftwerke zu bauen. Als neue Zielgruppe sollen u.a. einkommens­schwache Haushalte angesprochen werden.

    Das Thema Konsum wird vor allem von Kooperationspartnern wie dem Freiburger Jugendbüro, Ökostation etc. gestaltet und ausgearbeitet.

  • Maßnahme 6: Fortschreibung und Feinjustierung Maßnahmenkatalog Klimaschutzkonzept inkl. Kommunikation

    Das Klimaschutzkonzept Freiburg von 2019 zeigt der Stadt den Weg zur Kli­maneutraltät bis 2050 auf. Seitdem hat der Freiburger Gemeinderat zweimal das Ziel­jahr für die Klimaneutralität angepasst, erst auf 2038 und aktuell auf 2035. Das be­deutet eine wesentlich schnellere Umsetzung der Maßnahmen in allen Handlungsfel­dern. Um hier zielgerichtet und effizient vorgehen zu können, sollen die bestehenden und geplanten Maßnahmen bis zum Jahr 2035 in einen angepassten Zeit- und Ablaufplan gegossen wer­den. Zugleich soll ein begleitendes Kommunikationskonzept für die Umsetzung der Maßnahmen mitgedacht werden. Denn mit zunehmender Geschwindigkeit wird die Kommunikation anspruchsvoller, vor allem wenn es darum geht, Menschen aus ihrer Komfortzone zu holen und für die kommenden Veränderungen zu sensibilisieren und mitzunehmen. Bei der Feinjustierung des Maßnahmenkatalogs werden u. a. die Ergebnisse des Pro­zesses des European Energy Award (eea) mit einbezogen. Dieses Managementtool sorgt dafür, dass der Prozess der Maßnahmenfortschreibung und -umsetzung ein kontinuierlicher bleibt und auch eine regelmäßige Evaluation, gemessen an den vorge­sehenen Zielen, erfolgt. Im schon laufenden Verfahren wird hierfür zusätzlich eine CO2-Bilanz für die vorgesehenen Maßnahmen neu beauftragt.

    Masterplan Sonne: Dem wichtigen Thema Ausbau der Erneuerbaren Energien wird mit einem gesonder­ten Konzept zum Thema Sonne ein besonderer Schwerpunkt gewidmet. Ziel ist es, gerade in diesem wichtigen Bereich nochmals eine massive Beschleunigung des Ausbaus zu erreichen. Für einen Freiburger „Masterplan Sonne" bildet das Solarkataster des Landes die Datenbasis für die Solarpotentialanalyse. Mit einem Akteurskataster wird identifiziert, bei welchen Maßnahmen welche Akteure eingebunden werden können und müssen. Weiterhin ist eine Hemmnisanalyse vorgesehen. Auf dieser Basis wird dann eine Priorisierung der Handlungsoptionen nach Wirkungstiefe und Effekt für den PV-Ausbau erfolgen. Auch soll eine Kostenabschätzung für die einzelnen Hand­lungsoptionen durchgeführt werden, sowie eine Prüfung von Fördermöglichkeiten o­der Pilotanwendungen (auch Verfahren).

    Übergreifendes Kommunikationskonzept: Dieses Projekt zu einer ganzheitlichen Klimakommunikation soll den Mitarbeiterin­nen und Mitarbeitern sowie Bürgerinnen und Bürgern deutlich machen, wo Veränderungen stattfinden müssen, welche Zielbilder verfolgt werden, welche positiven Auswirkungen die Veränderungen sowohl gesamtstädtisch als auch individuell haben werden und wie sie selbst zur Ziel­erreichung beitragen können. Das methodische Vorgehen beinhaltet zum einen Zielgruppenspezifität: Botschaften, die Verhaltensänderung bzw. Handlungen nach sich ziehen sollen, werden zielgrup­penspezifisch aufbereitet und verbreitet, so dass die Menschen in ihren jewei­ligen Lebenswelten mit ihren unterschiedlichen Wertvorstellungen erreicht und be­wegt werden. Die Maßnahmen der Klimakommunikation sollen kontinuierlich evaluiert werden, um sie anhand der gewonnenen Erkenntnisse stetig verbessern zu können.

  • Maßnahme 7: Netzanschlusserweiterung

    Mit dem Projekt soll ein bedeutendes Ausbauhemmnis bei der Photovoltaik adressiert werden. Je nach Lage des Gebäudes und Situation des Verteilnetzes können für den Netzanschluss einer Anlage größer als 29 kWp erhebliche Kosten entstehen. Durch die Übernahme dieser Kosten aus Fördermitteln soll der Ausbau der Photovol­taik auf Liegenschaften der Stadt und der städtischen Beteiligungen erheblich be­schleunigt und damit ein Beitrag zum Erreichen der Klimaneutralität geleistet werden. Entscheidend für den raschen Ausbau der Kapazitäten ist vor allem die möglichst voll­ständige Belegung großer Dachflächen. Ein Problem, was hierbei auftreten kann, sind die Kosten für den Netzanschluss. Denn während kleinere PV Anlagen bis zu einer Leistung von 29 kWp ohne Kosten für den Betreiber an das Stromnetz angeschlossen werden müssen, können bei größeren Anlagen je nach Lage des vom Netzbetreiber benannten Netzverknüpfungspunkts erhebliche Kosten auf den Betreiber der Anlage zukommen.

    Dies kann im Einzelfall dazu führen, dass auch bei Anlagen, die von städtischen Äm­tern oder Gesellschaften geplant werden, die Größe und Leistung verkleinert wird o­der schlimmstenfalls die Anlage gar nicht realisiert wird. Um dieses Hemmnis aktiv anzugehen, wird ein Teil der Fördermittel des Landes dafür genutzt, große PV-Anlagen bei städtischen Dienststellen oder Beteiligungen zu ermöglichen, indem ein Teil der Netzverknüpfungskosten daraus finanziert wird. Mit dem § 22 des Klimaschutzgesetzes Baden-Württemberg wird deutlich, dass der Ausbau und die Ertüchtigung der Stromnetze im Sinne einer möglichst großen Ein­speisung von erneuerbarem Strom ausdrücklich im öffentlichen Interesse liegen. Den­noch führen die Regelungen des § 8 EEG im Einzelfall zu erheblichen Härten und In­vestitionshemmnissen. Dieses Projekt schließt daher eine aktuell bestehende regula­torische Lücke, indem mit Verweis auf das öffentliche Interesse ein Ausgleich für evt. Netzanschlusskosten zur Seite gestellt wird. Der Betreiber einer neuen größeren PV-Anlage hat neben den Investitionen in die Anlage selbst und die Montage bereits erheblichen weiteren Aufwand zu leisten. Dies umfasst die erforderliche Zertifizierung, die steuerlichen Anforderungen oder die Re­gistrierung der Anlage. Die möglicherweise erheblichen zusätzlichen Kosten für den Netzanschluss stellen daher ein reales Risiko für die Erschließung der PV-Potentiale in der Stadt dar.

Fortschritt

An dieser Stelle wird laufend über den Fortschritt der Umsetzung und Neuigkeiten im Kommunen-Wettbewerb berichtet. Schauen Sie gerne wieder vorbei!

 

 

Stand: April 2024

  • Kontakt

    Sabine Wirtz
    Stadt Freiburg im Breisgau
    Umweltschutzamt
    Abt. Klimaschutz und Luftreinhaltung
    Fehrenbachallee 12 | 79106 Freiburg
    Tel.: 0761/201-6148

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