Best Practice: Kommunen mit Vorbildcharakter

Badge mit Text: Klimaschutzgesetz: Wir helfen Kommunen bei der Erfüllung
Link zur Startseite

THEMEN

Konstanz

Schneller zum Ziel mit dem Klimanotstand und einer Taskforce Klimaschutz

Im Mai 2019 folgte die Stadt Konstanz dem Impuls von Fridays for Future und rief als erste Kommune in Deutschland den Klimanotstand aus. Seitdem soll dem Klimaschutz dort „höchste Priorität“ eingeräumt werden. Laut Oberbürgermeister Uli Burchardt „ein wichtiges Symbol für einen bevorstehenden Kurswechsel und […] Aufbruch“. Damit es aber nicht bei einem symbolischen Akt blieb, beschloss der Gemeinderat neben der Gründung einer stadtinternen „Taskforce“ die Erarbeitung einer Klimaschutzstrategie. Diese sieht eine überaus schnelle Absenkung der lokalen Treibhausgasemissionen bis 2035 vor.  

 

Die Stadt erarbeitet mithilfe des ifeu-Instituts einen konkreten Plan

Die Klimaneutralität zu erreichen, ist ein extrem ambitioniertes Ziel – in Anbetracht der Tatsache, dass die Konstanzer gemäß deutschem Durchschnitt noch bei etwa 11 Tonnen CO2-Ausstoß pro Person und Jahr liegen dürften, wovon im Stadtgebiet etwa 45 Prozent verursacht werden. Wie genau der Weg zur Klimaneutralität aussehen könnte und welche Auswirkungen das auf die Stadt und ihre Bewohner hätte, ist Gegenstand der in Erarbeitung befindlichen Klimaschutzstrategie. Die Stadt arbeitet an dieser Stelle mit dem renommierten ifeu-Institut aus Heidelberg zusammen.  

„Wir müssen den Bürgerinnen und Bürgern ganz genau zeigen, was auf sie zukommt. Was bedeutet es, wenn wir dieses Ziel gemeinsam erreichen wollen? Diesen Weg müssen wir in Meilensteilen und mit Jahreszahlen beschreiben, und dafür brauchen wir Expertinnen und Experten.“

Uli Burchardt, Oberbürgermeister der Stadt Konstanz

Foto zeigt eine Nahaufnahme von vier liegenden, noch blätterlosen, jungen Bäumen, welche ein Band mit der Aufschrift: "Konstanz verschenkt 1000 Klimabäume" tragen..
"Aktion Klimabäume": Bei dieser Aktion hat die Stadt im Frühjahr 2020 und zum Jahresanfang 2021 rund 1.100 Jungbäume an die Konstanzerinnen und Konstanzer verschenkt und klimafreundlich per Lastenrad ausgeliefert. Quelle: Stadt Konstanz
Foto zeigt zwei Lastenräder welche die Aufschrift "Stadtwandel. Konstanz fürs Klima" tragen.
„Lastenräder“: Die IT und der Botendienst der Stadtverwaltung haben Anfang 2020 zwei neue Lastenräder in Betrieb genommen, die von beiden Abteilungen gemeinsam genutzt werden. Dafür konnte ein Dienstwagen abgeschafft und ein Beitrag in Sachen CO2-Ersparnis geleistet werden. Quelle: Stadt Konstanz
Foto einer Photovoltaik Anlage auf der Konstanzer Berchenschule.
"PV-Anlage“: Stellvertretend für den generellen Fortschritt beim Ausbau von Photovoltaikanlagen auf städtischen Gebäuden ist hier die Anlage auf dem Dach der Konstanzer Berchenschule zu sehen. Von den städtischen Gebäuden sind bereits etwa 80 Prozent der bislang als geeignet betrachteten Gebäude mit einer PV-Anlage ausgestattet, und der Ausbau schreitet weiter voran. Quelle: Stadt Konstanz
Foto des sanierten Kinderkulturzentrums aufgenommen aus der Vogelperspektive.
„Kinderkulturzentrum (KiKuZ)“: Stellvertretend für den Fortschritt bei der energetischen Sanierung der städtischen Gebäude ist hier das Kinderkulturzentrum zu sehen. Die Sanierung des Gebäudes leistet einen beispielhaften Beitrag zum Klimaschutz: Durch die energetische Sanierung kann zukünftig das 13-fache an Energie eingespart werden. Quelle: Stadt Konstanz
Bild zeigt eine Infostele in Konstanz. Sie trägt die Aufschrift "Stadtwandel – Konstanz fürs Klima" und enthält Informationen zur Kampagne.
„Infostele“: Unter dem Motto „Stadtwandel – Konstanz fürs Klima“ stehen seit dem 29. September 2021 fünf Infostelen an verschiedenen Orten in der Konstanzer Altstadt. Inhaltlich aufgeteilt in die fünf Handlungsfelder „Gebäude und Energieversorgung“, „Stadtplanung und Mobilität“, „Ernährung“, „Bildung und Konsum“ sowie „Müll und Entsorgung“, informieren die Aufsteller zum Thema Klimaschutz in Konstanz und zeigen auf, wie sich der eigene CO2-Fußabdruck in den unterschiedlichen Lebensbereichen verringern lässt. Quelle: Stadt Konstanz

Effizienter vorankommen mit der „Taskforce Klimaschutz“

Um die notwendigen Maßnahmen möglichst schnell umsetzen zu können, wurde die „Taskforce Klimaschutz“ ins Leben gerufen. Hier arbeiten Stadtverwaltung, städtische Wohnungsbaugesellschaft, Stadtwerke und Entsorgungsbetriebe zusammen. Das laufe in der Welt der klassischen Ämter-Hierarchien zwar nicht immer spannungsfrei. Aber es gestalte die gemeinsame Arbeit am Klimaschutz insgesamt deutlich effizienter, berichtet Lorenz Heublein von der Stabsstelle Klimaschutz der Stadt Konstanz.
 

Fördergelder für die Schaffung von Personalstellen beantragen

Um den Klimaschutz tatsächlich mit höchster Priorität zu bearbeiten, werden vor allem Menschen gebraucht, die die empfohlenen Maßnahmen umsetzen – und ein entsprechendes Budget. Die Stadt wird voraussichtlich auch 2021 neue Personalstellen im Klimaschutz schaffen: unter anderem für den Schwerpunkt „klimaneutrale Kommunalverwaltung“ und das Sanierungsmanagement. Dafür kann sie auf Fördermittel vom Land (Förderprogramm Klimaschutz-Plus) und der KfW zurückgreifen. Die Stelle zum Klimaschutzmanagement im Bereich Stadtplanung und Umwelt wird zudem seit 2018 im Rahmen der Kommunalrichtlinie gefördert. 
 

Sofort-Maßnahme: Gründung eines Klima-Bürgerrats mit Klima-Budget

Um auch die Bevölkerung an der Umsetzung zu beteiligen, wurde ein Klima-Bürgerrat ins Leben gerufen. Dieser erhielt im Jahr 2020 von der Stadt ein Klima-Budget in Höhe von 30.000 Euro. Die 20 Mitglieder wählten selbst aus, welche Projekte aus der Bürgerschaft sie damit unterstützen möchten. 2020 förderten sie neun Projekte, darunter ein durch die Tretkraft von Fahrrädern angetriebenes Open-Air-Kino.
 

Klimafreundliche Energieversorgung, Gebäudesanierung und Mobilitätswende strategisch vorantreiben

Zu den konkreten Projekten der Stadt zählen zum Beispiel:

  • die Erstellung eines Energienutzungsplans, der aufzeigt,wie viel Energie sämtliche Gebäude auf dem Stadtgebiet derzeit benötigen und wie sich Energiebedarf und -erzeugung für die Zukunft klimafreundlicher gestalten lassen. Dieses Werkzeug aus 2018 erfüllt bereits weitgehend die Vorgaben an die inzwischen in Baden-Württemberg verpflichtende kommunale Wärmeplanung.

  • die energetische Sanierung mehrerer Schulen und Kitas, teils auch im Contracting-Modell. Dass bei Letzterem ein externer Dienstleister einen Großteil der Investitions- und Planungskosten übernimmt, ermöglicht schnelleres Voranschreiten.

  • eine gemeinsame Solaroffensive mit den Stadtwerken, bei der Eigentümerinnen und Eigentümer auf die Vorteile einer Photovoltaikanlage hingewiesen werden und Beratung vom Erstinteresse bis hin zur Umsetzung angeboten bekommen.

  • die Mobilitätsstrategie „Autofreie Innenstadt“ mit vier Bausteinen: Parkraummanagement, Verkehrsmanagement, Optimierung des öffentlichen Verkehrs sowie Entwicklung nachhaltiger Verkehrsangebote (Carsharing, Mietsysteme)

 

 

Bezahlbarer Wohnraum als größter Interessenkonflikt                      

Damit bei einer Priorisierung des Klimaschutzes nicht andere wichtige Themen zurückbleiben, sei ein offener Diskurs wichtig, so Oberbürgermeister Burchardt. Den größten Interessenkonflikt sieht er bei der Bereitstellung von günstigem Wohnraum und Flächenverbrauch.

„Bauen hat an sich schon einen hohen CO2-Fußabdruck. Da werden wir interessante Diskussionen führen, wie wir anders und trotzdem kostengünstig bauen können.“

Oberbürgermeister Uli Burchard


Erste Ansätze bietet das Projekt „Zukunftsstadt: Smart wachsen – Qualität statt Quadratmeter“, mit dem die Stadt versucht, den Flächenverbrauch pro Kopf im Neubau zu minimieren.

Klimaschutz wirtschaftlich machen mit einem eigenen CO2-Preis

Klar ist: Um klimaschutzkonforme Investitionen zum Beispiel bei der Schaffung bezahlbaren Wohnraums attraktiver zu machen, ist eine CO2-Bepreisung unabdingbar. Mit 25 Euro pro Tonne ist der CO2-Preis der Bundesregierung jedoch noch weit von den vom Umweltbundesamt empfohlenen 195 Euro pro Tonne entfernt. Die Stadt Konstanz plant nun einen eigenen CO2-Preis für Wirtschaftlichkeitsberechnungen des Hochbauamts in Höhe von 115 Euro pro Tonne. Denn, so ist sich auch Lorenz Heublein sicher:

„Allein über Apelle an die intrinsische Motivation sind die Ziele nicht zu erreichen.“

Lorenz Heublein, Stabsstelle Klimaschutz