Best Practice: Kommunen mit Vorbildcharakter

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Ludwigsburg

Auf dem Weg zur klimaneutralen Kommune bis 2035

Preisträgerin des Kommunen-Wettbewerbs in der Kategorie Städte mit 20.000 bis 100.000 Einwohnerinnen und Einwohnern ist die Stadt Ludwigsburg. Die Stadt nördlich von Stuttgart mit rund 93.000 Einwohnenden erhält ab 2024 für drei Jahre eine Förderung von zwei Millionen Euro durch das Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg.

Große Klimakampagne, digitale Tools, Solar Partys, KlimaBonus und vieles mehr

Kernelement in Ludwigsburg, der Stadt in der Kategorie mit 20.000 bis 100.000 Einwohnerinnen und Einwohnern, ist eine großangelegte Kommunikations-Kampagne. Diese soll alle Akteur*innen der Stadtgesellschaft in Ludwigsburg ansprechen, informieren, motivieren und befähigen, aktiv und wirkungsvoll zum Klimaneutralitätsziel beizutragen. Dabei werden verschiedene Kommunikationsmaßnahmen umgesetzt, um konkrete Handlungsempfehlungen zu vermitteln: Von Plakaten und Flyern, über Anzeigen in Social Media, bis hin zu Events, Dialogveranstaltungen und persönlichen sowie digitalen Analyse- und Beratungsangeboten, die Informationen zu energetischen Sanierungsmöglichkeiten des eigenen Hauses oder dem Photovoltaikpotenzial auf dem Dach bieten. Hierbei setzt die Stadt Ludwigsburg unter anderem auf sogenannte Solarpartys. Dabei bringen Ehrenamtliche, die von der Stadt zu Solarbotschafter*innen ausgebildet werden, Informationen zur Sonnenenergie in ihre Nachbarschaft.

Alle Kontaktpunkte der Bürgerschaft mit den Kommunikationsmitteln der Kampagne sollen stets einfach und niederschwellig sein. Dies soll die Umsetzung von Klimaschutzmaßnahmen in der Wirtschaft und Zivilgesellschaft vorantreiben und Hürden abbauen, die Privatleute und Unternehmen bislang davon abhielten, konkrete Maßnahmen zu ergreifen.

"Den Kommunen kommt eine besondere Bedeutung zu. Denn einerseits wird ein großer Teil der klimarelevanten Emissionen in Kommunen durch Wohnen, Industrie oder Verkehr erzeugt. Andererseits haben sie mit ihren vielfältigen Funktionen als Vorbild, Eigentümerin und größte öffentliche Auftraggeberin weitreichende Handlungschancen, um den Klimaschutz vor Ort voranzubringen."

Dr. Matthias Knecht, Oberbürgermeister Stadt Ludwigsburg

 

Auch bei der Umsetzung will die nördlich von Stuttgart gelegene Stadt unter die Arme greifen und unterstützt mit dem Ludwigsburger KlimaBonus Bürgerinnen und Bürger im Stadtgebiet dabei, das eigene Zuhause klimafreundlicher zu machen. Die Stadt will damit erreichen, dass mehr Bürger*innen die energetische Qualität ihrer Gebäudehülle verbessern, Photovoltaikanlagen installieren oder Wärmenetze nutzen. Die Kommune geht hier selbst als Vorbild voran: Ein Aktionsplan für den klimafreundlichen Gebäudebetrieb soll erstellt und umgesetzt werden. Der Fokus hierbei liegt auf der energetischen Sanierung von Gebäuden, dem weiteren Ausbau der Photovoltaik auf städtischen Dachflächen sowie der kontinuierlichen Umstellung auf erneuerbare Wärmeversorgung.

Hinzu kommt: Im Verkehrssektor ist Ludwigsburg auf dem Weg zur 15-Minuten-Stadt. Sämtliche Bedürfnisse des täglichen Bedarfs sollen künftig zu Fuß oder mit dem Fahrrad innerhalb von 15 Minuten zu erledigen sein. Das würde das Pkw-Aufkommen in der Stadt verringern.

„Um die Auswirkungen des Klimawandels zu begrenzen, ist es unsere Aufgabe, alle möglichen Hebel in Bewegung zu setzen. Wir sind bereit, den Weg zur Klimaneutralität weiter und vor allen Dingen beschleunigt zu beschreiten.“

Andrea Schwarz, Bürgermeisterin  für Planen, Bauen und Liegenschaften

Folgende Maßnahmen werden in den nächsten drei Jahren umgesetzt:

  • Maßnahme 1: Citizen Journey Klimaschutz

    Ziel der „Citizen Journey“, also der erlebten Interaktion zwischen Bürger*innen und Behörde ist es, den Bürger*innen ein nahtloses und effizientes Erleben vom ersten Kontakt mit der Stadt Verwaltung bis hin zur Erfüllung ihrer Anliegen zu bieten.

    Im Kontext des Klimaschutzes geht es bei der „Citizen Journey“ darum, die Bürger*innen auf ihrem Weg bzw. ihrer Verhaltensänderung hin zu mehr Klimaschutz optimal zu begleiten – vom ersten Erfahren der Thematik („Anteasern") bis hin zum bspw. fertig sanierten Gebäude.

    Dafür müssen alle Kontaktpunkte zwischen der Stadt Ludwigsburg und seinen Bürger*innen, sowie alle Bedürfnisse und mögliche Hemmschwellen identifiziert und optimal gestaltet werden, um die einzelnen Zielgruppen bestmöglich abzuholen und klimafreundliches Verhalten effektiv anregen und fördern zu können. Für die Umsetzung bedarf es mehr personelle Kapazitäten.

    Die Citizen Journey Klimaschutz soll maßgeblich zur Erreichung der Klimaneutralität im Jahr 2035 beitragen.

  • Maßnahme 2: Öffentlichkeitsarbeit Klimaschutz – Klimakampagne mit neuer Dachmarke

    Kernelement ist eine großangelegte Kommunikations-Kampagne. Diese soll alle Akteur*innen der Stadtgesellschaft in Ludwigsburg ansprechen, informieren, motivieren und befähigen, aktiv und wirkungsvoll zum Klimaneutralitätsziel beizutragen. Dabei werden verschiedene Kommunikationsmaßnahmen umgesetzt, um konkrete Handlungsempfehlungen zu vermitteln: Von Plakaten und Flyern, über Anzeigen in Social Media, bis hin zu Events, Dialogveranstaltungen und persönlichen sowie digitalen Analyse- und Beratungsangeboten, die Informationen zu energetischen Sanierungsmöglichkeiten des eigenen Hauses oder dem Photovoltaikpotenzial auf dem Dach bieten.

    Bedeutend für diesen großen Transformationsprozess ist es, das Thema „Klimaschutz“ und die nötigen Verhaltensänderungen zum – positiv besetzten – Stadtgespräch zu etablieren und bei den Einwohner*innen eine aktivierende Haltung zu schaffen. Anspruch ist die Vermittlung einer positiven Zukunftsvision, in der sich die Menschen in Ludwigsburg wiederfinden.

    Der Kampagnenlaunch ist für die erste Jahreshälfte 2024 vorgesehen und soll eine besonders hohe Aufmerksamkeit generieren.

    Ausgehend von den oben beschriebenen Zielen braucht es für die Öffentlichkeitsarbeit der Stadt Ludwigsburg eine neue Dachmarke mit Gestaltungslinie sowie verschiedene Kommunikationsmaßnahmen, die verschiedene Themen und Zielgruppen bespielen.

  • Maßnahme 3: Digitale Anwendungen zur energetischen Optimierung von Gebäuden

    Die Sanierungsraten in Deutschland und entsprechend auch in Ludwigsburg sind deutlich zu gering. Sanierungsmaßnahmen sind in der Regel mit hohen Kosten und ei­nem erheblichen zeitlichen Aufwand verbunden. Auch das Solar-Potenzial ist bei weitem noch nicht ausgeschöpft. Aufklärung und Sensibilisierung sind hier der Schlüssel zum Erfolg. Ziel ist es, ein niederschwelliges, grafisch ansprechendes und möglichst informationsreiches digita­les Tool zur Verfügung zu stellen, so dass die Hemmschwelle bei Bürgerinnen und Bürger so gering wie möglich ist, dieses zu nutzen und sich mit den energetischen Gegebenheiten ihrer Immo­bilie auseinanderzusetzen. Neben der Sanierung muss im zweiten Schritt die Umstellung auf erneuerbare Energien angesto­ßen werden. Welche Potenziale und Möglichkeiten Bürgerinnen und Bürger haben, soll in einer digitalen Anwendung zur energetischen Optimierung von Gebäuden abgebildet werden. Dieses Ange­bot soll der erste Einstieg sein und muss ideal an eine Beratung, die im Anschluss erfolgen sollte, gekoppelt sein.

  • Maßnahme 4: Beratungsstellen zu Energieeffizienz, Dachaufstockung und erneuerbare Energien

    Ziel ist es, Beratungsstellen bei der Stadt Ludwigsburg aufzubauen, die über alle Anliegen rund um Sanierungen, Dachaufstockung, Energieeffizienz und erneuerbare Energien konkret für das Stadtgebiet Ludwigsburg beraten.

    Bei der Stadt Ludwigsburg gibt es bereits die Bauberatung, die alle rechtlichen Fragestellungen bei geplanten Bauvorhaben behandelt. Es gibt aktuell jedoch noch keine zentrale Ansprechperson bei der Stadt Ludwigsburg zu den Themen Energieeffizienz, Dachaufstockung und erneuerbare Energien. Diese Beratungsstelle ist essenziell, um Neubauten zu reduzieren und bestehenden Wohnraum effizient zu nutzen. Die Beratungsstelle nutzt idealerweise die zuvor eingeführte digitale Anwendung zur energetischen Optimierung, stellt Infomaterialien für Bürgerinnen und Bürger zusammen und unterstützt bei der Beantragung von Fördermitteln aus dem kommunalen Förderprogramm KlimaBonus und weiteren Förderprogrammen.

  • Maßnahme 5: Klimabonus - Optimierung des kommunalen Förderprogramms

    Das kommunale Förderprogramm "KlimaBonus" läuft seit März 2022 und fokussiert sich aktuell auf Eigentümerinnen und Eigentümer sowie Mieterinnen und Mieter von Wohngebäuden im Stadtgebiet Ludwigsburg. Gefördert werden Maßnahmen zur Beratung, zur Strom- und Wärmeversorgung sowie zu Dämmmaßnahmen. Eine erhöhte Förderung erhalten einkommensschwache Haushalte bei der Anschaffung eines Kühlgerätes sowie eines Steckersolargerätes.

    Ziel ist es, das bestehende kommunale Förderprogramm "KlimaBonus" zu evaluieren, um mögliche Verbesserungspotenziale zu erkennen. Das Antragsverfahren soll deutlich vereinfacht und digitalisiert werden.

  • Maßnahme 6: Umsetzung der kommunalen Wärmeplanung

    Die Wärmewende hin zu einer klimaneutralen Wärmeversorgung ist ein entscheidender Baustein auf dem Weg zur Klimaneutralität 2035. Sie erfordert eine Transformation in zwei Bereichen: Zum einen muss der Wärmebedarf deutlich reduziert werden, Gebäude und Geräte müssen energieeffizient werden. Zum anderen muss der noch verbleibende Wärmebedarf klimaneutral durch den Einsatz Erneuerbarer Energien gedeckt werden. Diese Transformation bedarf einer konkreten Strategie, einer kommunalen Wärmeplanung, welche an die lokalen Gegebenheiten angepasst ist und dabei die lokalen Potenziale berücksichtigt.

    Die kommunale Wärmeplanung wurde unter Beteiligung des lokalen Energieversorgungsunternehmens und der lokalen Energieagentur erstellt. Ziel der Maßnahme ist die intensive und konsequente Umsetzung der kommunalen Wärmeplanung. Dabei ist nicht nur die Umsetzung der Maßnahmen aus der kommunalen Wärmeplanung von zentraler Bedeutung, sondern auch die Weitergabe an Informationen an die Bürgerschaft etwa zum Thema Fernwärme, sowie die Etablierung von internen Abstimmungsformaten. Außerdem soll die Umsetzung der kommunalen Wärmeplanung dokumentiert werden, sodass bei der nächsten Überarbeitung der Wärmeplanung auf diese Informationen zurückgegriffen werden kann.

  • Maßnahme 7: Aktionsplan „Klimaneutraler öffentlicher Gebäudebetrieb“

    Die energetische Sanierung der öffentlichen Gebäude gehört zu den wirkungs­stärksten Maßnahmen zur Erreichung des Ziels der Klimaneutralität im städtischen Gebäude­betrieb. Gleichzeitig ist die Umsetzung dieser Maßnahme mit einem hohen Kapital- und Per­sonalaufwand verbunden. Ein Aktionsplan soll den effektivsten Weg zur Erreichung der Klimaneutralität bis 2035 im städtischen Gebäudebetrieb konkret aufzeigen und darlegen, wel­che finanziellen Mittel und Personalmittel hierzu benötigt werden. Die wesentlichen Bausteine zur Erlangung des Ziels sind:

    1. Energiecontrolling und Betriebsoptimierung,
    2. Gebäudesanierung,
    3. Bau von Photovoltaikanlagen und
    4. die Umstellung der Wärmeversorgung auf erneuerbare Energien.

    Der Fokus des Aktionsplans liegt auf den Bausteinen Gebäudesanierung und Umstellung der Wärmeversorgung. Bei dieser stellt sich z. B. die Frage, wie ca. 185 aktuell fossil betriebene Heizungsanlagen bis 2035 auf erneuerbare Wärmebereitstellungstechniken umgestellt werden können.

  • Maßnahme 8: Solaranlagen auf städtischen Gebäuden

    Ziel ist die Beschleunigung des Ausbaus von Photovoltaikanlagen auf städtischen Gebäuden. Eine Analyse zum Photovoltaik-Potenzial auf städtischen Dachflächen liegt vor. Anfang 2023 hat die Stadt Ludwigsburg ein entsprechendes Realisierungsprogramm gestartet. Um das Potenzial bis 2035 auszuschöpfen, sind zusätzliche Personalkapazitäten zur Planung und Baubegleitung von Solaranlagen notwendig, d. h. eine entsprechende Personalstelle soll mithilfe dieses Förderprogramms finanziert werden.

  • Maßnahme 9: Ehrenamtliche Solarberatungen in der Nachbarschaft

    Angelehnt am Konzept der „Tupperparty“ will die Stadt Ludwigsburg auf sogenannte „Solarpartys“ setzen. Dabei bietet die Stadt Ludwigsburg kostenfreie Fortbildungen an, bei denen sich Ehrenamtliche zu  Solar-Botschafter*innen ausbilden lassen können und anschließend Informationen zur Sonnenenergie bei „Solarpartys“ in ihre Nachbarschaft bringen. Dort haben alle Interessierten die Gelegenheit, Solaranlagen hautnah anzuschauen und sich über nachhaltige Energiegewinnung mit Sonnenenergie zu informieren.

    Hintergrund ist, dass mehrere Studien zeigen, dass Solaranlagen im positiven Sinne „ansteckend“ sind und die Wahrscheinlichkeit, sich eine Solaranlage auf dem eigenen Dach installieren zu lassen stark mit der Sichtbarkeit vorhandener Solaranlagen im direkten Umfeld einhergeht.

    Konkret sieht das so aus: Freiwillige Gastgeber*innen laden ihre Bekannten und Nachbar*innen zu einem Abend zu sich nach Hause ein. Ehrenamtliche Solarberater*innen vermitteln dann in gemütlicher Runde Basiswissen zu PV auf dem Eigenheim. Sofern die Gastgeber*innen selbst eine PV-Anlage besitzen, kann diese besichtigt werden. In den eher kleinen Runden von 10 - 20 Personen können alle Fragen gestellt werden und der offene Austausch wird ermöglicht. Sorgen können abgebaut werden und die Motivation steigt in der Gruppe. Die Solarberater*innen werden als Ehrenamtliche akquiriert und durchlaufen kostenfreie Fortbildungen. Sie werden kontinuierlich betreut, um die Qualität und Aktualität der Informationen zu gewährleisten. 

  • Maßnahme 10: Ludwigsburg auf dem Weg zur 15-Minuten-Stadt - mit Stadtteilarbeit und Datenmodellierung den CO2-armen Verkehr gestalten

    Das Ziel der Maßnahme ist es, durch die konsequente Umsetzung der 15-Minuten-Stadt dafür zu sorgen, dass Wege innerhalb der Stadt möglichst vermieden werden, möglichst kurz sind und/oder klimaneutral zurückgelegt werden.

    Ludwigsburg ist durch seine geographische Lage bereits eine Stadt mit relativ kurzen Wegen. Dieser Standortvorteil zur 15-Minuten-Stadt soll genutzt werden.

    Gemeinsam mit den Stadtteilausschüssen und Bürgervereinen soll die 15-Minuten-Stadt als erlebbares und erreichbares Zielkonzept ausarbeitet werden. Die gute Stadtteilarbeit ist eine wichtige Basis für die nachhaltige Stadtgesellschaft und die Einbindung der Bürgerschaft fördert den Erfolg und die Akzeptanz der Maßnahmen.

    Aufbauend auf Beteiligungsworkshops wird jeweils eine Analyse der Ist-Situation des Mobilitätsangebotes und der Infrastruktur in den jeweiligen Stadtteilen durchgeführt. Aufbauend darauf wird ein digitales Modell der 15-Minuten-Stadt erarbeitet. Das Modell soll Lücken zum 15-Minuten-Ziel aufzeigen und kann (gestützt auf ein Dashboard) die Wirkung von Maßnahmen visualisieren. Auf Basis der Workshops in den Stadtteilen und der Datenanalyse sol­len im Rahmen des Programms auf der einen Seite größere Investitionsentscheidungen der Stadt zielgerichtet vorbereitet werden. Auf der anderen Seite sollen unmittelbar durch Pro­grammmittel kleinere Maßnahmen sofort umgesetzt werden. Eine Wirksamkeitsanalyse schließt das Projekt ab.

Fortschritt

An dieser Stelle wird laufend über den Fortschritt der Umsetzung und Neuigkeiten im Kommunen-Wettbewerb berichtet. Schauen Sie gerne wieder vorbei!

 

 

Stand: April 2024

  • Kontakt

    Lena Völlinger
    Stadt Ludwigsburg
    Referat Stadtentwicklung, Klima und Internationales
    Wilhelmstraße 1 | 71638 Ludwigsburg

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