Best Practice: Kommunen mit Vorbildcharakter

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Denzlingen

Auf dem Weg zur klimaneutralen Kommune bis 2035

Denzlingen ist als Preisträgerin mit ihren rund 14.000 Einwohnerinnen und Einwohnern in der Kategorie mit bis zu 20.000 Menschen ausgewählt worden. Die nur wenige Kilometer nördlich von Freiburg gelegene Gemeinde erhält ab 2024 für drei Jahre eine Förderung von insgesamt 500.000 Euro durch das Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg.

Mehr Photovoltaikausbau, ein Reallabor zu klimafreundlicher Mobilität und Wärmenetzausbau

Denzlingen will unter anderem den Photovoltaikausbau massiv vorantreiben. Auf drei denkmalgeschützten öffentlichen Gebäuden der als Storchenturmgemeinde bezeichneten Ortschaft sollen Photovoltaikanlagen installiert werden. An einem gemeindeeigenen Gebäude ist zudem eine Solarstromanlage an der Fassade angedacht. Auch Unternehmen sollen motiviert werden, Photovoltaikanlagen auf ihren Dächern, Fassaden und Parkplätzen zu realisieren. Die Gemeinde selbst plant, zwei Photovoltaik-Carports mit E-Ladesäulen über öffentlichen, zentral gelegenen Autostellplätzen zu errichten. Photovoltaikanlagen auf der Gemeinde gehörenden freien Flächen innerorts gehören ebenfalls zum Programm.

„Dass Denzlingen auserwählt wurde, bestätigt das weitreichende Engagement, unsere Gemeinde auf vielen Gebieten fit für die Zukunft zu machen. Es ist eine Bestätigung unserer gemeinsamen Arbeit, eine Anerkennung für unsere Vorstellungen und Visionen. Ein klarer Aufruf zum Weitermachen!“

Markus Hollemann, Bürgermeister

 

Eine Besonderheit ist das „Denzlinger Dachpachtmodell“. Ziel ist, mehr Photovoltaik auf die Dächer von Mehrfamilienhäusern, insbesondere Wohnungseigentümergemeinschaften (WEG), zu bringen. Der Grund: Viele scheuen den damit verbundenen Aufwand und haben Vorbehalte, das Dach an Investoren zu verpachten. Die Gemeinde bietet sich hier als Vermittlerin zwischen WEG und potenziellen Photovoltaik-Betreibern an und ist auch bereit, dafür das Dach zu pachten. Dienstleister wie lokale Bürgerenergiegenossenschaften übernehmen dann den Betrieb. Auch Agri-Photovoltaikanlagen und Solarparks sind Teil des Klimaneutralitätsplans. Für sie soll es eine eigene Bürgerbeteiligung geben.

Im Mobilitätssektor ist ein Maßnahmenmix vorgesehen: Sobald der Umbau der Bahnhofstraße in Denzlingen abgeschlossen ist, soll die Rosenstraße in der Ortsmitte für die Durchfahrt des Verkehrs temporär gesperrt werden. Die Beteiligten erhoffen sich dadurch eine bessere Lebensqualität vor Ort. Der Verkehrsfluss soll über die Bahnhofstraße umgeleitet werden. Am Ende des Verkehrsversuchs prüft die Gemeinde die Möglichkeit einer dauerhaften Sperrung. Um den Individualverkehr zu reduzieren, sind auch ein verstärkter Carsharing-Ausbau und eine erste Machbarkeitsbetrachtung für einen autonomen Ortsbus geplant.

Im Frühjahr 2024 wird in Denzlingen die kommunale Wärmeplanung abgeschlossen. Um die Wärmewende lokal voranzutreiben, koordiniert eine über den Wettbewerb geförderte Ansprechperson den Bau geplanter Wärmenetze. Daneben fungiert sie als Schnittstelle zu Unternehmen, Wohnungseigentümergemeinschaften, Bürgerinnen und Bürgern, um Wärmenetzanschlüsse zu realisieren.

„Der Gewinn des Förderwettbewerbs gibt uns noch mehr Schwung und Antrieb auf dem Weg zur Klimaneutralität. Die Rolle als Vorreiter-Kommune werden wir mit aller Kraft und Kreativität einnehmen.“

Diana Sträuber, Klimaschutzmanagerin

Folgende Maßnahmen werden in den nächsten drei Jahren umgesetzt:

  • Maßnahme 1: Rollout Photovoltaik Denzlingen

    Maßnahme 1.1 - Denzlinger Dachpachtmodell: Ziel ist es, mehr Photovoltaik auf die Dächer von Mehrfamilienhäusern zu bringen und hierfür eine Hürde zu beseitigen, die dem entgegensteht: Oftmals fehlt v. a. in Wohnungseigentümergemeinschaften (WEGs) das Vertrauen, einem externen Investor das eigene Dach für eine PV-Anlage zur Verfügung zu stellen. Die Gemeinde bietet sich als Vermittlerin zwischen WEG und potenziellen PV-Betreibern an und ist auch bereit, dafür die Rolle der vertrauenswürdigen Dachpächterin zu übernehmen.

    Maßnahme 1.2 - Realisierung von Photovoltaik auf drei denkmalgeschützten öffentlichen Gebäuden: Ziel ist es, dass die Gemeinde anhand von Vorbildprojekten zeigt, dass Denkmalschutz und Photovoltaik durch technische Weiterentwicklung mit neuartigen, farblich angepassten Modulen miteinander vereinbar sind und Ästhetikkriterien erfüllt werden können.

    Maßnahme 1.3 - Zwei kleine PV-Carports mit E-Ladesäule über öffentlichen zentral gelegenen Autostellplätzen: Ziel ist es, schnelle Sichtbarkeit und greifbaren Erfolg auf dem Weg zur Klimaneutralität zu realisieren. Daneben soll die Bevölkerung dafür sensibilisiert werden, dass die Umstellung auf Elektromobilität einhergehen muss mit mehr erneuerbarer Stromerzeugung und für das Erreichen von Klimaneutralität die Kopplung der Sektoren Strom und Mobilität notwendig ist.

    Maßnahme 1.4 - PV-Potentialermittlung für innerstädtische Freiflächen: Ziele sind die Vorbereitung der Erschließung ungenutzter PV-Potentiale zur Steigerung des PV-Zubaus und die Akzeptanzsteigerung von Agri- und Freiflächen-PV-Projekten.

    Maßnahme 1.5 - Agri-Photovoltaik und Solarparks: Auch Agri-Photovoltaikanlagen und Solarparks sind Teil des Klimaneutralitätsplans. Für sie soll es eine eigene Bürgerbeteiligung geben. Die Gemeinde tritt als Steuerer und Mittler auf, um Dritte zur Umsetzung der Anlagen zu motivieren. Grundlage hierfür ist eine bereits erstellte Potentialanalyse.

  • Maßnahme 2: Rollout Wärmenetz Denzlingen

    Im Frühjahr 2024 sollen die Ergebnisse der Wärmeplanung vorliegen. Darin werden die bereits vorliegenden Machbarkeitsstudien in eine zeitliche Abfolge für die Umsetzung gebracht. Die über den Wettbewerb geförderte Ansprechperson unterstützt bei der Motivation und Akquise von Unternehmen und Wohnungseigentümergemeinschaften (WEGs), um Wärmenetzanschlüsse zu realisieren. Außerdem fungiert sie bei der Koordination des Baus der geplanten Wärmenetze als Schnittstelle zu WEGs und Eigentümern. Daneben sollen Gebäudeeigentümerinnen und Gebäudeeigentümer in den entsprechenden Wärmenetzgebieten motiviert werden, sich an die Wärmenetze anzuschließen.

  • Maßnahme 3: Pop-up Fußgängerzone in der Ortsmitte

    Für den Sektor Mobilität zeigt dieses Pilotprojekt am praktischen Beispiel auf, wie die Aufenthaltsqualität in der Ortsmitte steigt, wenn weniger Autos präsent sind. Sobald der Umbau der Bahnhofstraße in Denzlingen abgeschlossen ist, soll zu diesem Zweck die Ortsmitte (Rosenstraße) für die Durchfahrt des Verkehrs temporär gesperrt und der Verkehr über die Bahnhofstraße umgeleitet werden. Die Sperrung wird vorerst testweise erfolgen und mit positiven, öffentlichkeitswirksamen Aktionen unter Einbeziehung der relevanten Akteure begleitet werden. Am Ende des Verkehrsversuchs soll die Möglichkeit einer dauerhaften Sperrung geprüft werden.

  • Maßnahme 4: Parkraummanagement

    Ziel dieses Projekt ist die Reduzierung des Parkraumangebots zugunsten des Umweltverbundes, von Entsiegelungsflächen oder anderer (kreativer) Nutzungen des öffentlichen Raumes. Unter Einbeziehung des Kompetenznetzes Klima Mobil und einem externen Dienstleister soll ein Konzept zum Parkraummanagement erstellt werden. Die Angebote des Kompetenznetzes Klima Mobil zur Einbindung relevanter Akteure (Park-PAD-Veranstaltungen) sollen hierfür genutzt werden. Wichtig für das Konzept ist es, von vorneherein perspektivisch neue E-Carsharing-Standorte, mögliche Parkplatz-PV-Überdachungen und möglicherweise Flächen für die Entsiegelung mitzudenken.

  • Maßnahme 5: Carsharing-Offensive

    Ziel dieser Maßnahme ist es, perspektivisch eine flächendeckende Versorgung mit E-Carsharing-Standorten über den ganzen Ort verteilt sicherzustellen, um eine echte Alternative zum eigenen Auto zu bieten. Idealerweise befindet sich in jeder Straße mindestens ein E-Carsharing-Stellplatz, bei langen Straßen mehrere. Im Zentrum des Projekts steht daher die Suche nach neuen Standorten mit intensiver Bürgerbeteiligung. Die Suche erfolgt in intensiver Abstimmung mit dem Bauamt und wird bei der Erstellung des Parkraummanagementkonzepts mitgedacht. Bei der Konzeptionierung unterstützen die Carsharing-Anbieter mit ihrer Erfahrung und Expertise. Erste Erfahrungen liegen auch schon innerhalb der Kommune vor, z. B., dass in den Gebieten mit vielen Mehrfamilienhäusern der Bedarf besonders hoch ist und dass bei der Auswahl der Plätze eine gute Ausleuchtung für das Sicherheitsgefühl der Nutzenden wichtig ist.

  • Maßnahme 6: Erste Machbarkeitsbetrachtung für einen autonomen Ortsbus

    Die Machbarkeitsbetrachtung soll zum einen eine Vision aufzeigen, wie Mobilität mit den neuen Möglichkeiten der Digitalisierung neu gedacht werden kann sowie ein attraktives Angebot schaffen, um innerorts ohne Auto mobil zu sein. Ein autonom fahrender Bus soll dabei in einer liegenden Acht alle Ortsteile kontinuierlich abfahren und so miteinander verbinden.

  • Maßnahme 7: Aktion "mobil ohne (eigenes) Auto"

    Ziel der Aktion ist es, eine nachhaltige Mobilität in der Gemeinde Denzlingen voranzubringen. Das Experiment bietet den Denzlinger Bürgerinnen und Bürgern dabei die Möglichkeit, verschiedene nachhaltige Mobilitätsalternativen zu erproben, indem sie einen Monat auf das Nutzen ihres eigenen Autos verzichten und stattdessen klimafreundlicher unterwegs sind.

  • Maßnahme 8: Klimaspaziergänge zur Sensibilisierung im Ort

    Ziel der Maßnahme ist es, die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf das Thema Klimaschutz zu lenken (über den Teilnehmerkreis hinaus durch Plakate, Presseberichte etc.). Im Rahmen von Klimaspaziergängen sollen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer sensibilisiert werden, wo die Auswirkungen des Klimawandels vor Ort spürbar und sichtbar sind. Dies soll einerseits die Akzeptanz für zukünftige Klimaschutzmaßnahmen (z. B. Pop-Up-Fußgängerzone) erhöhen und andererseits der Information der Teilnehmerinnen und Teilnehmer darüber dienen, wo konkrete Klimaschutzmaßnahmen im Ort bereits sichtbar sind und welche Angebote die Gemeinde für Einwohnerinnen und Einwohner bereitstellt. Nicht zuletzt sollen die Teilnehmenden motiviert werden, selbst für den Klimaschutz aktiv zu werden.

  • Maßnahme 9: Erstellung einer Zukunftsgrafik für Denzlingen

    Die Gemeinde Denzlingen lässt eine visionäre Zukunftsgrafik für das Jahr 2035 erstellen, um zu veranschaulichen, wie der Ort aussehen kann, wenn er klimaneutral geworden ist. Für die Erstellung der Zukunftsgrafik wird ein Stakeholder-Workshop organisiert, in den sowohl verwaltungsinterne als auch externe Akteure einbezogen werden.

Fortschritt

An dieser Stelle wird laufend über den Fortschritt der Umsetzung und Neuigkeiten im Kommunen-Wettbewerb berichtet. Schauen Sie gerne wieder vorbei!

 

 

Stand: April 2024

  • Kontakt

    Diana Sträuber
    Stabsstelle Steuerung, Koordination & Klimaschutz
    Gemeindeverwaltungsverband Denzlingen, Vörstetten und Reute
    Hauptstraße 110 | 79211 Denzlingen
    Tel: +49 (7666) 611-1743

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    Klimaschutz in Denzlingen