Calw als Impulsgeber im ländlichen Raum

Der ländlich geprägte Landkreis Calw versteht nachhaltige Mobilität als Gemeinschaftsaufgabe. Mit rund 160.000 Einwohnerinnen und Einwohnern, kleinstädtischer Struktur und viel Tourismus hat die Region besondere Bedingungen, die in die Mobilitätsplanung einfließen. Auch die Topografie des Schwarzwaldes trägt ihren Teil zu den Herausforderungen bei. Ob barrierefreie Busverbindungen, vernetzte Ladeinfrastruktur, früh eingeführtes E-Carsharing oder sichere Radwege für Alltag und Freizeit: Der Landkreis Calw denkt Mobilität integriert, klimafreundlich und inklusiv.
Der Landkreis Calw ist ein gutes Beispiel für:
- den konsequenten Ausbau des flächendeckenden ÖPNV-Angebots über Bedarfsverkehre,
- E-Carsharing, Shuttle und Ladeinfrastruktur in Calw als Motoren,
- nachhaltige Mobilität im Tourismus sowie
- die Einbindung nachhaltiger Mobilität in ein Gesamtkonzept zur Klimaneutralität.
ÖPNV in die Fläche bringen: Bedarfsgerechtigkeit und Barrierefreiheit
Die flächendeckende ÖPNV-Erschließung ist aufgrund der ländlichen Struktur des Landkreises eine besondere Herausforderung. Die Bedarfsverkehre im Landkreis ermöglichen hier die Abdeckung nachfrageschwacher Gebiete sowie der Tagesrandzeiten. Die entsprechenden Linien werden nur auf Abruf, entweder per Telefon oder App bedient. Im Einsatz sind hier Pkw oder Kleinbusse, teilweise auch normale Busse, je nach Linie. Insgesamt sind 15 Fahrzeuge im Einsatz, die 2024 über 100.000 Menschen genutzt haben. Der Landkreis hat das Angebot konsequent weiterentwickelt und berücksichtigt es bei der Fortschreibung des Nahverkehrsplans 2026. Ein stärkerer Fokus soll in Zukunft auf die Möglichkeiten der App-Buchung liegen, da der überwiegende Teil der Buchungen aktuell noch telefonisch erfolgt.
In den Abend- und Nachtstunden, außerhalb der Fahrzeiten des regulären ÖPNV, verkehrt das „Rufauto“ in den Bereichen Calw/Bad Liebenzell und Nagold/Altensteig. Es richtet sich insbesondere an junge Menschen. Abends fährt das Rufauto nach vorheriger Anmeldung in die Stadt und nachts wieder zurück in die Wohnorte.
Ein Meilenstein auf dem Weg zu einer besseren regionalen Anbindung ist die Reaktivierung der Hermann-Hesse-Bahn. Hierzu wurde die Strecke zwischen Calw und Weil der Stadt modernisiert und ausgebaut. Am 1. Februar 2026 startete der Regelbetrieb der Hermann-Hesse-Bahn zwischen Weil der Stadt und Calw. Ab dem 14. Juni 2026 folgten sowohl die Verlängerung nach Renningen als auch die Verdichtung auf einen Halbstundentakt. Die Bahnverbindung schließt eine zentrale Lücke im regionalen Schienenverkehr und stärkt Pendelverbindungen nach Stuttgart und Sindelfingen/Böblingen.
Auch das Thema Barrierefreiheit denkt der Landkreis mit. Unter dem Motto „Sicher im Bus - Mobilität für alle“ finden seit 2025 Veranstaltungen in mehreren Gemeinden statt. Menschen mit Mobilitätseinschränkungen können den ÖPNV in einer geschützten Umgebung praktisch erproben. Ziel ist es, Ängste abzubauen, Rücksichtnahme zu fördern und konkrete Verbesserungen aus den Erfahrungen der Teilnehmenden abzuleiten. Initiiert wurden die Veranstaltungen von den Stadtseniorenräten in Zusammenarbeit mit dem Landratsamt und der Verkehrsgemeinschaft Bäderkreis Calw (VGC). Die Busse stellen unterschiedlichen Busunternehmen bereit.
E-Carsharing, Shuttle und Ladeinfrastruktur in Calw als Motoren der Mobilitätswende
Der Landkreis Calw zeigt, wie er nachhaltige Mobilität auch im ländlichen Raum erfolgreich angeht. Mit einem Elektro-Anteil von 5,0 Prozent (Stand Anfang 2026) am Pkw-Bestand liegt der Landkreis Calw deutlich über dem Landesdurchschnitt und zählt damit zu den Vorreiterregionen Baden-Württembergs.
Ein zentraler Treiber dieser Entwicklung ist die deer GmbH, welche als Tochter der ENCW, einem Gemeinschaftsunternehmen aus den Stadtwerken Calw und der EnBW, in Calw ihren Ursprung hat. Das vollelektrische deer e-carsharing ermöglicht klimafreundliche Mobilität ohne eigenes Auto und schafft gleichzeitig Infrastruktur: Für jeden neuen Carsharing-Standort entstehen zwei zusätzliche Ladepunkte. Mittlerweile betreibt deer 64 Carsharing-Stationen und 413 Ladepunkte im gesamten Landkreis. Das so entstehende Netz trägt maßgeblich dazu bei, das öffentliche Ladeangebot zu verdichten und die Akzeptanz der Elektromobilität zu stärken.
Neben dem Carsharing-Angebot ergänzt das deer Shuttle seit Kurzem den ÖPNV um einen flexiblen On-Demand-Service im Calwer Stadtgebiet. Das deer-Shuttle erschließt die Halbhöhenlagen der Stadt Calw und ergänzt so den klassischen ÖPNV. Am Calwer ZOB entsteht außerdem ein Mobilitätshub, der viele Angebote (Bike & Ride, Paketstation, 24h-Lebensmittelmarkt) bündelt und die Calwer Stadtmitte positiv aufwerten soll.
Nachhaltiger Tourismus
Als touristisch geprägter Landkreis spielt auch der Freizeitverkehr eine große Rolle im Landkreis Calw. Der Nördliche Schwarzwald lockt mit seinen zahlreichen qualitativ hochwertigen Wanderwegen und unterschiedlichsten touristischen Highlights, wie beispielsweise dem größten Hochmoor Deutschlands oder den zahlreichen Thermen.
Die Tourismus GmbH Nördlicher Schwarzwald unterstützt im Landkreis Calw gezielt die Förderung nachhaltiger touristischer Mobilität im Kontext einer ganzheitlichen Positionierung und Zertifizierung als nachhaltiges Reiseziel. Touristische Angebote, wie beispielsweise Wanderwege werden gezielt mit Haltestellen des ÖPNV verknüpft und entsprechend beworben. Einzelne Bus- und Bahnlinien werden gezielt als Erlebnislinien beworben. Mit der Konus-Gästekarte lässt sich außerdem der ÖPNV im gesamten Schwarzwald kostenlos nutzen. Mit bwegt-plus erhalten Gäste vielfältige Rabatte bei teilnehmenden Partner, wenn Gäste ihr Deutschlandticket oder bwtarif-Ticket vorzeigen.
Die Tourismusregion Nördlicher Schwarzwald ist seit 2014 ein zertifiziertes Nachhaltiges Reiseziel. Als eine der Pilotdestinationen im Tourismus war die Tourismus GmbH Nördlicher Schwarzwald ein Initiator und Wegbereiter für das Thema Nachhaltigkeit im Tourismus und setzt aktiv mit ihren regionalen Partnern für eine nachhaltige Tourismusentwicklung in der Region ein. Die An- und Abreise, sowie die Mobilität des Gastes innerhalb der Region spielen eine zentrale Rolle wenn es um ein nachhaltiges Reiseerlebnis geht. Gleich mehrere Fernbahnhöfe sind in direkter Nähe zur Region erreichbar. Hierzu zählen die ICE-Bahnhöfe Stuttgart, Karlsruhe und Pforzheim. Von hier aus geht es mit S-Bahn oder Kulturbahn direkt ins Nagoldtal, nach Bad Wildbad oder Bad Herrenalb. Die nachhaltige Anreise hat im Tourismus den größten CO2-Faktor und hier kann enorm viel am klimaschädlichen Gas eingespart werden. Mit der Hermann-Hesse-Bahn ist die Tourismusregion seit Anfang 2026 auch auf der Schiene an den Großraum Stuttgart angebunden.
Auch die Mobilität innerhalb der Region ist mit Busverbindungen attraktiv. Es lassen sich eine Vielzahl an Ausflugszielen bequem mit dem ÖPNV erreichen. Hierzu gibt es speziell zusammengestellte Erlebnislinien, mit denen Gäste oder auch Bürger den Baumwipfelpfad, oder den Turm Himmelsglück und weitere Highlights der Region erreichen können. Zahlreiche Wandertouren können mit öffentlichen Verkehrsmitteln zum Teil sehr gut erreicht werden.
Falls der ÖPNV den Besucher einmal nicht an den gewünschten Ort bringen sollte, stehen in fast allen Gemeinden des Nördlichen Schwarzwalds mietbare Elektroautos zur Verfügung. Diese werden von dem E-Carsharing Anbieter Deer GmbH zur Verfügung gestellt und lassen sich nach Registrierung per App schnell vor Ort buchen.
Nachhaltige Mobilität im Wettbewerb „Auf dem Weg zur Klimaneutralität“
Der Landkreis Calw hat sich das Ziel gesetzt bis 2035 klimaneutral zu sein. Mit einem entsprechenden Konzept hat sich der Landkreis bei einem Förderwettbewerb des Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg erfolgreich beworben. Der Landkreis erhält Fördergelder für die Umsetzung von 21 Maßnahmen.
Hier zeigt der Landkreis, dass Klimaschutz und nachhaltige Mobilität Hand in Hand gehen. Im Rahmen des Wettbewerbs erarbeitet das Landratsamt ein Radverkehrskonzept. Dieses wird unter Beteiligung der Öffentlichkeit erarbeitet und speziell auf die Bedürfnisse und die Topographie des Landkreises zugeschnitten sein. Außerdem führt der Landkreis 2026 eine digitale Mitfahrplattform ein, um die Pkw-Besetzungsquote zu erhöhen und Fahrten einzusparen. Nicht nur das verstärkte Teilen des Privat-Pkws zum Pendeln, sondern auch die privaten Wallboxen stehen im Fokus. Eine Konzeptstudie soll untersuchen, inwieweit private Wallboxen nachbarschaftlich genutzt werden können. Der Wettbewerb läuft bis einschließlich 2026. Sowohl das Radverkehrskonzept als auch die Studie zu privaten Wallboxen werden 2026 abgeschlossen.
(Stand: Oktober 2026)
-
Kontakt
Simon Nugel
Koordinator für Mobilität und Klimaschutz
Landkreis Calw
-
ÖPNV-Angebot im Landkreis Calw
-
Rufauto im Landkreis Calw
-
Hermann-Hesse-Bahn
-
Sicher im Bus mit eingeschränkter Mobilität
-
deer Shuttle im Landkreis Calw
-
Tourismus GmbH Nördlicher Schwarzwald
-
Förderwettbewerb „Auf dem Weg zur Klimaneutralität“
-
Rufauto und Rufbus:
-
Stadtradeln Landkreis Calw
-
Radverkehrskonzept Landkreis Calw
-
GUTE BEISPIELE: VORBILDER FÜR NACHHALTIGE MOBILITÄT IN KOMMUNEN