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Wie gelingt die Elektrifizierung des Fuhrparks?

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9 Schritte zur Umstellung auf Elektro-Lkw

Der Umstieg auf Elektromobilität bietet für Speditionen eine Reihe ökologischer, strategischer und ökonomischer Vorteile. Auch das Unternehmensimage profitiert und die Wettbewerbsfähigkeit wird im sich wandelnden Logistikmarkt gestärkt. Diese Seite gibt eine kompakte Orientierungshilfe für den Übergang zu batterieelektrisch angetriebenen Lkw.

1. Fuhrpark analysieren

Am Anfang steht eine detaillierte Bestandsaufnahme. Analysieren Sie Ihren Fuhrpark und erfassen Sie für jedes Fahrzeug die tägliche Fahrleistung, Stand- und Rückkehrzeiten sowie die typischen Einsatzprofile. Das Tool „My eRoads“ liefert auf dieser Grundlage erste Prognosen für die Umstellung.

Besonders gut eignen sich E-Lkw bereits heute für kurze und mittlere, depotgebundene Strecken im Werks- und Verteilerverkehr. Sie können meist über Nacht oder während des Be- und Entladens geladen werden. Im Fernverkehr sind die Anforderungen an Routenplanung und öffentliche Ladeinfrastruktur höher. Aufgrund der höheren jährlichen Fahrleistung können die Kosten pro Kilometer dort dennoch häufig günstiger ausfallen als im Regionalverkehr.

Prüfen Sie außerdem frühzeitig die vorhandene Netzanschlussleistung Ihres Depots. So lässt sich feststellen, ob der Anschluss für die geplante Umstellung ausreicht oder erweitert werden muss.

Bei Beginn der Fuhrparkumstellung sollte die Anzahl der E-Lkw nicht zu klein sein, um realitätsnahe Abläufe durchführen zu können und dadurch ausreichend Praxiserfahrung zu sammeln. Ebenso kann eine zu schnelle Umstellung zu Störungen im Betriebsablauf führen.

2. Passende Fahrzeuge auswählen

Starten Sie mit einer überschaubaren Anzahl an E-Lkw. So können Sie Betriebsabläufe und Ladekonzepte zunächst in der Praxis erproben und erste Erfahrungen mit den Mitarbeitenden sammeln. Eine zu kleine Flotte liefert möglicherweise zu wenige Erfahrungswerte, während eine zu schnelle Skalierung zu Verzögerungen im Betrieb führen kann.

Bei der Fahrzeugauswahl sind vor allem zwei Kriterien entscheidend: die benötigte Reichweite und die zulässige Nutzlast. Die Reichweite wird häufig überschätzt. Eine größere Batterie erhöht das Fahrzeuggewicht und kann dadurch die Nutzlast und die Wirtschaftlichkeit verringern.

3. Ladeinfrastruktur dimensionieren

Beim Depotladen gehören die technische Planung und der Bau der Ladeinfrastruktur zu den zeitaufwendigsten Schritten. Ermitteln Sie zunächst, wann die Fahrzeuge tatsächlich stehen und welche Strecke sie täglich zurücklegen. Aus den verfügbaren Ladefenstern und der erforderlichen Reichweite ergibt sich die notwendige Ladeleistung.

Die Zahl der benötigten Ladepunkte hängt von der Größe der E-Lkw-Flotte und davon ab, wie viele Fahrzeuge gleichzeitig laden müssen. Für längere Standzeiten sind Ladeleistungen von etwa 50 bis 200 kW in vielen Fällen praktikabel. Höhere Ladeleistungen verkürzen zwar die Ladezeit, erfordern aber einen leistungsfähigeren Netzanschluss und können höhere Kosten verursachen. Planen Sie außerdem mögliche Erweiterungen der Flotte von Anfang an bei der Ladeinfrastrukturplanung mit ein.
 

4. Netzanschluss frühzeitig klären

Die erforderliche Netzanschlussleistung wird anhand der Ladeleistung, der Anzahl der Ladepunkte und der geplanten Erweiterungen bestimmt. Stimmen Sie sich deshalb frühzeitig mit dem örtlichen Netzbetreiber ab. Eine Erweiterung des Anschlusses kann die Projektkosten und die Umsetzungsdauer erheblich beeinflussen.

Je nach verfügbarer Restkapazität kann der bestehende Anschluss ausreichen. Intelligentes Last- und Lademanagement, Pufferspeicher oder eigene Stromerzeugung können Lastspitzen reduzieren und die notwendige Netzerweiterung begrenzen. Reicht die Leistung nicht aus, sollten Sie frühzeitig eine Erhöhung der Netzanschlussleistung beantragen. Bei einem deutlich höheren Leistungsbedarf kann ein Anschluss an eine höhere Spannungsebene erforderlich sein.

5. Ladeflächen am Depot planen

Legen Sie frühzeitig fest, wo die Fahrzeuge auf dem Betriebshof geladen werden sollen. Die ermittelten Ladefenster haben großen Einfluss auf die Platzierung der Ladepunkte. Idealerweise laden die E-Lkw dort, wo sie bereits heute regelmäßig stehen.

Berücksichtigen Sie neben den Ladepunkten auch Rangierflächen, die Entfernung zum Netzanschluss sowie den Platzbedarf für Trafostation, Pufferspeicher und weitere technische Anlagen. Ziel ist es, die Kabelwege möglichst kurz zu halten. Satelliten-Ladeeinheiten können den Flächenbedarf und den erforderlichen Aufwand für Erdarbeiten unter Umständen verringern.

Planen Sie ausreichend Flächen und Leerrohre für spätere Erweiterungen ein. Das reduziert den Aufwand für nachträgliche Umbaumaßnahmen.

6. Genehmigungen prüfen

In Baden-Württemberg gelten die Errichtung von Ladesäulen und damit verbundene technische Nebenanlagen, zum Beispiel Trafostationen, nach § 50 Absatz 1 Landesbauordnung für Baden-Württemberg (LBO BW) grundsätzlich als verfahrensfrei. Je nach Standort und Umfang des Vorhabens können jedoch weitere bauplanungsrechtliche Vorgaben gelten.

Insbesondere bei größeren Projekten im öffentlichen Bereich empfiehlt sich daher eine frühzeitige Abstimmung mit der zuständigen Gemeinde und eine Prüfung der baurechtlichen Zulässigkeit.

7. Finanzierung sichern

Sobald der Bedarf und die erforderlichen Baumaßnahmen feststehen, können Sie die voraussichtlichen Projektkosten berechnen. Prüfen Sie frühzeitig, ob Förderprogramme für die Fahrzeuge, die Ladeinfrastruktur oder den Netzausbau infrage kommen. Die KEA-BW bietet hierfür eine Förderprogrammsuche an.

8. Betriebsorganisation anpassen

Nutzen Sie die Zeit während der Finanzierung und der Bauphase, um Ihre Betriebsabläufe auf die neue Technologie vorzubereiten. Insbesondere die Ladezeiten müssen in die Routen- und Standzeitplanung integriert werden.

Ein Energiemanagementsystem hilft dabei, den Energieverbrauch zu steuern, Ladevorgänge zu koordinieren und Lastspitzen im Depot zu vermeiden.

9. Mitarbeitende einbeziehen

Eine frühzeitige und transparente Kommunikation ist entscheidend für die erfolgreiche Umstellung. Mitarbeitende auf dem Betriebshof profitieren von weniger Abgasen und Lärm. Berufskraftfahrerinnen und Berufskraftfahrer erleben zudem weniger Vibrationen und müssen dank der Rekuperation seltener bremsen. Das kann zu einem entspannteren Fahren beitragen.

Schulungen vermitteln den sicheren und effizienten Umgang mit den E-Lkw und der Ladeinfrastruktur. So können Mitarbeitende Erfahrungen sammeln und die neue Technik sicher in den Arbeitsalltag integrieren.

Weiterführende Informationen

Eine ausführliche Beschreibung des praktischen Vorgehens bietet der „Leitfaden für den Aufbau von Ladeinfrastruktur für schwere Nutzfahrzeuge“ der Nationalen Leitstelle Ladeinfrastruktur.