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Suffizienz im Verkehrssektor

Carsharing Landkreis Karlsruhe – Teilen ist das neue Haben

Das Thema Suffizienz wird im Verkehrssektor bisher zu wenig thematisiert. Stattdessen liegt der Fokus oft auf der sogenannten Antriebswende, also dem Ersetzen von Verbrennungs- durch Elektromotoren. Einer der Gründe hierfür liegt darin, dass Veränderungen des Mobilitätsverhaltens, welche auf Nachhaltigkeit ausgerichtet sind, häufig mit Verboten und Einschränkungen assoziiert werden. Dadurch gelten einschlägige Maßnahmen als konfliktgeladen und nur schwer umsetzbar. Der Verkehrssektor ist für rund ein Fünftel der Treibhausgasemissionen in Deutschland verantwortlich (Statistisches Bundesamt) und stagniert in seiner Transformation zur Klimaneutralität auf hohem Niveau. Suffizienzansätze stellen angesichts unbefriedigender Absatzzahlen von Elektrofahrzeugen eine notwendige Ergänzung zur Erreichung von Klimazielen dar. Durch ein autofreies Leben können z. B. im Mittel zwei Tonnen weniger Treibhausgase pro Kopf ausgestoßen werden (Ivanova et al., 2020), was den individuellen Treibhausgasfußabdruck um gut 20 Prozent reduziert. Doch die PKW-Dichte in Deutschland ist unvermindert hoch und es werden größere, schwerere und leistungsstärkere Pkw angeschafft. Verbunden mit zunehmender Verkehrsleistung bleibt der Energieverbrauch im Verkehr also hoch, was mit zukünftiger Elektrifizierung einen erheblichen Druck auf den Ausbau erneuerbarer Energien zur Folge hat. Zusätzlich verfügen viele Haushalte über mehr als ein Fahrzeug. Dabei werden Privatfahrzeuge durchschnittlich nur eine Stunde pro Tag bewegt und stehen die restlichen 23 Stunden unbenutzt herum. Ein suffizienter Lebensstil bedeutet die intensivere Nutzung oder der gemeinschaftliche Gebrauch von Gütern auch beispielsweise in Hinblick auf den Pkw. Eine Maßnahme hierfür ist das Carsharing.

Vorteile von Carsharing 

Es gibt viele gute Gründe für Kommunen, an dem Ausbau des Carsharing-Angebotes aktiv mitzuwirken. Carsharing erweitert das Mobilitätsangebot in Kommunen und führt langfristig zur Steigerung der Lebens- und Aufenthaltsqualität in Städten und Gemeinden. Ein Carsharing-Fahrzeug hat dabei das Potenzial, bis zu 16 private Autos zu ersetzen und den öffentlichen Raum dadurch erheblich zu entlasten. Auch für die Nutzerinnen und Nutzer gibt es viele Vorteile, verglichen mit dem Besitz eines eigenen Autos. Mit Carsharing gelingt es, die Abhängigkeit vom Auto zu reduzieren und trotzdem in jeder Situation flexibel und mobil zu bleiben. Des Weiteren entfallen die Anschaffungs- und Unterhaltskosten. Carsharing ist im Vergleich zum Besitz eines eigenen Autos bis zu einer Fahrleistung von 14.000 km/Jahr günstiger!

Karlsruhe gilt als die deutsche Carsharing-Hauptstadt. „Stadtmobil“ bietet dort die höchste Car-Sharing-Dichte aller deutschen Großstädte an. Das Angebot ist seit vielen Jahren vorhanden und wird stets erweitert. Doch nicht nur im urbanen Raum ist Carsharing eine Alternative, auch im ländlichen Raum gibt es die Möglichkeit, ohne eigenes Auto CO2-frei unterwegs zu sein. Das zeigt der Landkreis Karlsruhe. Das Projekt „zeozweifrei unterwegs“ war das bundesweit erste ausschließlich elektro-mobile Carsharing-Projekt, welches im ländlichen Raum mindestens je ein Elektrofahrzeug in 14 Landkreisgemeinden vorhält. Nach fünf Jahren erforderte die große Nachfrage eine Erweiterung auf 18 Kommunen und 72 Fahrzeuge. Aus „zeozweifrei unterwegs“ wurde „ZEO Carsharing“. Das Portfolio an Fahrzeugen wurde erweitert und nun stehen Fahrzeuge mit einer größeren Reichweite zur Verfügung. Außerdem konnte durch das Projekt die Ladeinfrastruktur ausgebaut werden. Mit den 72 Doppelladestationen wurden auch 72 Lademöglichkeiten für die Öffentlichkeit geschaffen. 

„Mit E-Carsharing ist man umweltfreundlicher im Alltagsverkehr unterwegs und ZEO Carsharing ist daher ein Baustein für die Mobilitätswende.“ Birgit Schwegle, Geschäftsführerin Umwelt- und Energieagentur Landkreis Karlsruhe

Das Prinzip von „ZEO Carsharing“ ist simpel: Die Elektrofahrzeuge werden von Unternehmen, Vereinen oder Kommunen angeschafft und tagsüber als Firmen- oder Dienstfahrzeuge genutzt. Nach Feierabend, an Wochenenden und Feiertagen stehen die Fahrzeuge im Carsharing-System allen Bürgerinnen und Bürgern zur Verfügung. Inzwischen wird ein Großteil der Fahrzeuge rund um die Uhr im Rahmen des Carsharing-Konzepts angeboten. Die durchschnittliche Nutzungsdauer von Kleinwagen im klassischen Carsharingbetrieb beträgt etwa vier bis fünf Stunden. Dadurch stellen sie in ländlichen Regionen eine attraktive Option für Personen dar, die ein Zweit- oder Drittfahrzeug ersetzen möchten. Die beliebten Kleinbusse sowie Hochdachkombis und Transporter werden für Sonderfahrten und Gruppenunternehmungen genutzt.

Im Jahr 2021 konnte durch die Nutzung eines ZEO im Durchschnitt eine Einsparung von etwa einer Tonne CO₂ gegenüber einem vergleichbaren Verbrennerauto erzielt werden. Carsharing verringert den C02-Ausstoß somit erheblich und senkt die Anzahl der Privatfahrzeuge auf der Straße.