- Wohnsuffizenz
Wohnsuffizienz
Projekt „Kleiner wohnen, besser wohnen“ in Freiburg

Vielerorts ist der Wohnungsmarkt angespannt und ausreichend Wohnraum ein rares Gut. Dabei fällt auf, dass Wohnfläche nicht gleichmäßig aufgeteilt ist. Während die unter 25-Jährigen im Durchschnitt auf 45,4 Quadratmetern Wohnfläche pro Kopf leben, sind es bei den über 65-Jährigen mit 68,5 Quadratmetern über 50 Prozent mehr. Haushalte von 25- bis 44-Jährigen weisen mit 44,7 Quadratmetern pro Person die geringste Wohnfläche auf (Statistisches Bundesamt). Die in den vergangenen Jahrzehnten stetig gestiegene Wohnfläche pro Kopf verschärft nicht nur die Wohnungsnot, auch dem Klima schadet nicht effizient genutzter Wohnraum. Durch den höheren Wärmebedarf pro Person steigen die CO2-Emissionen für die Beheizung von Wohnflächen. Außerdem führen größere Wohnflächen dazu, dass mehr Wohnungen gebaut werden müssen. Dies führt zur Flächenversiegelung und bedeutet einen hohen Verbrauch von Energie und Ressourcen.
Im Kampf gegen die Wohnungsnot sah die Stadt Freiburg mit ihrer Energieagentur in dieser Thematik eine Chance. Das von der Energieagentur Regio Freiburg initiierte Projekt „Kleiner wohnen, besser wohnen“ versucht, neuen Wohnraum zu schaffen. Sobald die Kinder ausgezogen sind, ist die Wohnung auf einmal zu groß und macht viel Arbeit. Vor allem nicht vorhandene Barrierefreiheit und Einsamkeit macht älteren Menschen zu schaffen. Kleiner wohnen ist hier eine effiziente Lösungsstrategie mit mehr Lebensqualität auf weniger Quadratmetern. Dafür können Fachleute zur Beratung herangezogen werden. Diese beraten Menschen die nachhaltiger und kleiner wohnen möchten individuell, ihren Wohnraum bedürfnisgerechter zu nutzen. Die Fachleute beraten kostenfrei zu den Themenschwerpunkten:
- Einbau von Einliegerwohnungen in Einfamilienhäusern
- Dachgeschoßausbau
- Wohnraumteilung durch bauliche Veränderung
- Baurechtliche & finanzielle Fragen
Für die Eigentümerinnen und Eigentümer ergeben sich viele Vorteile. Durch Wohnungsteilung und den Um- oder Ausbau wird neuer Wohnraum geschaffen, welcher untervermietet werden kann oder Platz schafft für Angehörige, Freunde oder Pflegekräfte. So können Menschen in ihren „eigenen vier Wänden“ bleiben und zusätzlich bringt es einen finanziellen sowie sozialen Mehrwert. Auch der Wohnungsnot der nachfolgenden Generation wird damit entgegengewirkt. Weitere Aspekte sind die Barrierefreiheit und die Sicherheit durch mehrere Personen im Haus. Die Palette der baulichen Möglichkeiten ist breit und einige Beispiele können hier eingesehen werden.
„Seit dem Auszug der Kinder ist unser Haus viel zu groß für meine Bedürfnisse geworden. Ich bin sehr gespannt, wie der Wohnraum besser aufgeteilt werden kann. Dass ich nebenbei noch etwas für den Klimaschutz tue und vielleicht sogar andere bewege, es auch zu tun, motiviert mich besonders.“ Hanna Wagener aus Freiburg
Das Programm „Wohnen für Hilfe“ bietet eine weitere Form des gemeinsamen Wohnens an. Wohnraum wird von Familien oder Seniorinnen und Senioren zur Verfügung gestellt und im Gegenzug erhalten diese Unterstützung im Alltag. Die „Wohnpartner“ leisten diese Unterstützung und wohnen dafür vergünstigt oder mietfrei. Die Wohnungstauschbörse der Stadt fördert bedarfsgerechtes Wohnen. So können zu groß gewordene Wohnungen für barrierearme, moderne, komfortable und energieeffiziente Wohnungen eingetauscht werden. Die Tauschwilligen, die bereit sind, ihre Wohnungen von einer größeren in eine kleinere Wohnung zu tauschen, erhalten eine Umzugskostenpauschale von 2.000 Euro. Eine weitere Möglichkeit, um kleiner und besser zu wohnen, ist das gemeinschaftliche Wohnen. Dies kann im eigenen Haus oder durch den Umzug in ein bestehendes Projekt stattfinden. Ein großer Zugewinn ist hierbei die Gesellschaft und der Zugang zu vielfältigen Räumen wie beispielsweise einer gemeinsamen Gästewohnung. Für all diese Projekte gibt es eine Vielzahl an Fördermöglichkeiten. So fördert unter anderem das Land Baden-Württemberg sozialen Wohnungsbau oder fördert mit zinsverbilligten G15-Darlehen oder Zuschüssen, wenn Personen Mitglied einer Wohnungsgenossenschaft werden.