Die Stadt Ravensburg ist ein gutes Beispiel für:
- emissionsfreien, barrierefreien Nahverkehr,
- das On-Demand-Pilotprojekt MOBI,
- strategisch geplante Ladeinfrastruktur für E-Mobilität,
- den Ausbau fahrradfreundlicher Infrastruktur und Grünflächen am Bahnhof,
- wachsendes E-Carsharing in enger Verknüpfung mit anderen Verkehrsmitteln,
- die Förderung von nachhaltiger Mobilität durch Digitalisierung sowie
- eine gelebte Mobilitätskultur mit Veranstaltungen und Bürgerbeteiligung.
Öffentlicher Nahverkehr: barrierefrei, elektrisch, interkommunal
Ravensburg investiert gezielt in einen modernen, zugänglichen Nahverkehr. 2023 wurden drei Bushaltestellen vollständig barrierefrei umgestaltet: Mit erhöhten Bordsteinen, taktilen Leitsystemen und überdachten Wartebereichen. Das erleichtert nicht nur Menschen mit Mobilitätseinschränkungen den Zugang, sondern erhöht den Komfort für alle Fahrgäste. Gleichzeitig hat die Stadt den Umstieg auf emissionsfreie Antriebe eingeleitet: Seit Ende 2023 fahren fünf neue Elektrobusse im Linienbetrieb zwischen Ravensburg, Weingarten und den umliegenden Gemeinden. Mit 100 Prozent Ökostrom betrieben, einer Reichweite von über 350 Kilometern und Platz für rund 90 Fahrgäste vermeiden sie jährlich schätzungsweise 300 Tonnen CO₂-Emissionen. Sechs neue Ladepunkte wurden auf dem Busbetriebsgelände in der Nähe des Bahnhofs errichtet.
Das On-Demand-Angebot „MOBI“, ein dreijähriges Pilotprojekt in Ravensburg und Weingarten, ergänzt das Standard-Busangebot. Die barrierearmen Kleinbusse können ganz einfach über eine App gebucht werden, ohne festen Fahrplan und unabhängig von klassischen Linienwegen. Ziel ist es, das bedarfsorientierte Nahverkehrssystem in der Praxis zu erproben und die Abhängigkeit vom privaten Auto weiter zu verringern.
Mit der Gründung des interkommunalen Verkehrsbetriebes Verkehrsbetrieb Schussental (VBS) strebt Ravensburg einen besser vernetzten und ausgebauten ÖPNV an. Durch die Neustrukturierung gewinnt die Kommune an Einfluss auf Fahrpläne, Betriebszeiten und Netzgestaltung. Ab 2027 kann der ÖPNV dadurch gezielter auf lokale Bedürfnisse und städtebauliche Entwicklungen reagieren.
Ladeinfrastruktur und Elektromobilität
Ravensburg verfügt bereits über 138 öffentliche Ladepunkte an 34 Standorten, verteilt auf zentrale Plätze, Parkhäuser und Bahnhofsareale. Ein besonderer Meilenstein ist die erste DC-Schnellladesäule in der Marktstraße. Sie versorgt Elektroautos in kurzer Zeit mit Ökostrom und ist damit besonders für Pendelnde und Carsharing-Nutzende attraktiv. Die Ladeinfrastruktur wird weiter ausgebaut: Für 2025 sind zusätzliche Schnellladepunkte geplant. Der Ausbau erfolgt gezielt an Mobilitätsknotenpunkten, um den Umstieg zwischen Elektroauto, Fahrrad und ÖPNV zu erleichtern.
Radverkehr
Das Radverkehrskonzept von 2021 bildet die Grundlage für den kontinuierlichen Ausbau von Radwegen, Kreuzungssicherungen und Abstellanlagen. Ziel ist es, den Radverkehrsanteil im Modal Split schrittweise zu erhöhen und das Fahrrad als Verkehrsmittel stärker zu etablieren. Schwerpunkte sind Kreuzungssicherungen, neue Fahrradstraßen sowie die Verbesserung der Wegweisung und Abstellmöglichkeiten.
Ein zentrales Projekt ist der geplante Radschnellweg RS 9, der von Baindt über Ravensburg bis nach Friedrichshafen verlaufen wird. Die Planung erfolgt derzeit in enger Abstimmung zwischen den beteiligten Städten und Gemeinden und dem Land Baden-Württemberg. Er soll eine attraktive, durchgehende und möglichst kreuzungsarme Route mit hohem Qualitätsstandard für Berufspendelnde und Freizeitfahrende werden.
Um den Zugang zum Bahnhof zu erleichtern, hat die Deutsche Bahn in Abstimmung mit der Stadt Ravensburg innovative Radrinnen installiert. Zusätzlich wurde das Bike-and-Ride-Angebot am Bahnhof erweitert. Auf der Ostseite des Bahnhofs entstanden 80 neue Fahrradstellplätze, weitere 60 wurden im Rahmen der Neugestaltung des Schussenparks auf der Westseite realisiert.
Carsharing und multimodale Verknüpfung
Ravensburg setzt beim motorisierten Individualverkehr auf geteilte Nutzung statt Besitz: Zehn Carsharing-Fahrzeuge an drei Standorten stehen derzeit bereit, und die Nachfrage wächst. Bis März 2025 stieg die Auslastung um 14 Prozent.
Die Stadt erweitert ihr Angebot um einen vierten Standort in der oberen Marktstraße in unmittelbarer Nähe zur Schnellladesäule und fußläufig zum ÖPNV-Knotenpunkt. So verknüpft sie das Carsharing-Angebot noch enger mit Ladeinfrastruktur und öffentlichem Verkehr, was spontane und kombinierte Mobilitätsentscheidungen erleichtert.
Digitalisierung von Mobilitätsdaten
Im Rahmen ihrer Digitalisierungsstrategie setzt die Stadt Ravensburg auf ein intelligentes Verkehrssystem: Multimodale Verkehrsdaten werden mithilfe eines KI-basierten Zählsystems erfasst und automatische Fahrgastzählsysteme liefern Echtzeitinformationen zu Ein- und Ausstiegen in öffentlichen Verkehrsmitteln. Dies geschieht in Kooperation mit MobiDataBW sowie der NVBW. Die gesammelten Verkehrsdaten werden der Öffentlichkeit unter https://mobidata-bw.de/dataset/zaehldaten-ravensburg zur Verfügung gestellt. Die Ergebnisse fließen in eine MaaS-Plattform (Mobility as a Service) ein, die den Fahrgästen Auslastungs- und Echtzeitdaten zur Verfügung stellt und so eine informierte Verkehrsmittelwahl ermöglicht.
Mobilitätskultur und Bürgerbeteiligung
Nachhaltige Mobilität in Ravensburg lebt nicht nur von Technik, sondern auch von Begegnung und Beteiligung. Beim jährlichen Mobilitätstag auf dem Marienplatz wird die Innenstadt zu einem offenen Forum für Mobilitätsfragen: Bürgerinnen und Bürger testen neue Fahrzeuge, informieren sich bei Anbietern und diskutieren direkt mit städtischen Vertreterinnen und Vertretern.
Zudem beteiligt sich Ravensburg regelmäßig am STADTRADELN, einer bundesweiten Aktion des Klimabündnisses, bei der Teams aus Bürgerinnen und Bürgern, Schulen, Vereinen und Unternehmen innerhalb von drei Wochen möglichst viele Kilometer mit dem Fahrrad zurücklegen. Diese Kampagne stärkt nicht nur die Gemeinschaft, sondern macht auch die Fortschritte in der städtischen Radverkehrsförderung sichtbar.
Projekt Schussenpark
Mit dem Projekt Schussenpark ist in Bahnhofsnähe ein neuer Naherholungsort entstanden, der zugleich zur Klimafolgenanpassung beiträgt. Der neugestaltete Park neben der Schussen wurde am 19. September 2025 feierlich eröffnet. Spielplätze, ein ganzjährig nutzbares Kleinspielfeld und eine Calisthenics-Anlage bieten Raum für Bewegung und Begegnung. Breite Fußwege und eine Fahrradstraße erschließen die Grünflächen und verbessern zugleich die Verbindung zwischen Bahnhof, Stadtzentrum und Gewerbegebiet. Die Umgestaltung wertet das Bahnhofsumfeld erheblich auf und lädt beim Warten auf den nächsten Zug zum Verweilen ein.
Klimamobilitätsplan GMS
Der Klimamobilitätsplan des Gemeindeverbands Mittleres Schussental wurde im November 2023 verabschiedet und zielt auf eine 40-prozentige CO₂-Reduktion im Verkehrssektor bis 2030 ab. Er bündelt Maßnahmen zum Ausbau eines durchgängigen Radverkehrsnetzes, zur Neuordnung des Verkehrsraums, zur Stärkung des öffentlichen Nahverkehrs sowie zur Förderung von nachhaltigen Mobilitätslösungen wie Elektromobilität, Carsharing und aktiver Mobilität. Die Umsetzung erfolgt koordiniert über die Mitgliedskommunen, um die Mobilitätswende im Mittleren Schussental gemeinsam voranzutreiben.
(Stand: März 2026)
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Kontakt
Catherine Schupp
Sachgebietsleitung Verkehrsplanung
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