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Öffentliche Ladeinfrastruktur - Strategien für Kommunen

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Ladeinfrastruktur in der Kommune planen und aufbauen - Der praktische Leitfaden für Kommunalverwaltungen

Mit ihrer Planungshoheit über den öffentlichen Raum tragen Städte und Gemeinden die zentrale Verantwortung für den strategischen Ausbau der Ladeinfrastruktur. Doch wie planen Sie den Aufbau richtig? Welche Verfahren und Finanzierungsmodelle gibt es?

Auf dieser Seite geben wir kommunalen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern einen Überblick über die notwendigen Schritte - von der ersten Bedarfsanalyse über Genehmigungsverfahren bis zur Inbetriebnahme und dem laufenden Betrieb von Ladeinfrastruktur. Den ausführlichen Leitfaden „Musterverfahren für den Ladeinfrastruktur-Aufbau auf kommunalen Flächen" bieten wir Ihnen gerne als Download an.

Die Rolle der Kommune beim Ladeinfrastruktur-Aufbau

Kommunen spielen beim Aufbau von Ladeinfrastruktur eine zentrale Rolle. Sie sind verantwortlich für:

• Strategische Bedarfsplanung für ihre Stadt oder Gemeinde
• Austausch mit Interessengruppen und Gebäudeeigentümern
• Planungs- und Genehmigungsverfahren für öffentliche Ladeinfrastruktur
• Flächenbereitstellung im öffentlichen Straßenraum

Kommunen können dabei je nach Bedarf mit Energieversorgern und Netzbetreibern, Immobilieneigentümern und Projektentwicklern, Unternehmen und Fuhrparkbetreibern sowie Bürgerinnen und Bürgern mit E-Fahrzeugen im Austausch stehen.
Durch Informationsveranstaltungen, Workshops und gezielte Öffentlichkeitsarbeit können Sie Akzeptanz schaffen, Bedarfe identifizieren und den Ausbau erfolgreich koordinieren.
 

Praktischer Leitfaden: Von der Planung zur Inbetriebnahme

Phase 1: Konzeption - Bestandsaufnahme und Bedarfsanalyse

Am Anfang steht eine gründliche Analyse: Erfassen Sie möglichst alle bestehenden Ladepunkte (öffentlich, halböffentlich, privat - die genauen Vorgaben regelt § 12 LMG), werten Sie Ladefrequenzen, Spitzenzeiten und Auslastung aus und nutzen Sie das StandortTOOL oder andere Modelle für eine Bedarfsprognose. Entwickeln Sie dann Kriterien für geeignete Flächen, Faktoren wie z. B. Nähe zu Wohngebieten, Verkehrsanbindung und Netzkapazität sind dabei zentral. Beziehen Sie auch Bürger, Unternehmen und Interessengruppen ein. Das schafft Akzeptanz und sorgt dafür, dass vielfältige Anforderungen berücksichtigt werden können.

Das angestrebte Ergebnis ist ein Ladeinfrastrukturkonzept mit räumlicher Verteilung der Ladesäulen und technischen Anforderungen.

Hinweis zu Förderungsmöglichkeiten: Ladeinfrastrukturkonzepte werden über die Förderung „Fachkonzepte nachhaltige Mobilität" mit bis zu 50% der Kosten gefördert.

Phase 2: Planung - Rechtliche Grundlagen und interne Organisation

In dieser Phase schaffen Sie die organisatorischen und rechtlichen Voraussetzungen für den Aufbau:

• Zentrale Koordinationsstelle einrichten (z. B. im Bauamt oder Stadtplanungsamt)
• Sondernutzungssatzung erlassen. Dies schafft klare Regelungen und beschleunigt den Aufbau
• Richtlinie für interne Verwaltungsabläufe (optional, aber empfohlen)
• Zeitplan und Meilensteine definieren
• Finanzierungsmodell klären (Gebührenmodelle, Fördermittel)

Die Sondernutzungssatzung regelt dabei, unter welchen Bedingungen Ladeinfrastruktur zulässig ist, welche Gebühren anfallen, welche technischen Anforderungen gelten und welche Genehmigungen erforderlich sind.
 

Phase 3: Vergabe - Ausschreibung und Betreiberauswahl

Für den Aufbau stehen Ihnen verschiedene Aufbauverfahren zur Verfügung:

• Gestattung (passiv): Der Betreiber initiiert das Vorhaben selbst, Kommune erteilt Sondernutzungserlaubnis
• Dienstleistungskonzession: Kommune vergibt einen Auftrag mit Betriebspflicht
• Dienstleistungsauftrag: Kommune beauftragt einen Dienstleister für die Errichtung
• Inhouse-Vergabe: Vergabe an eigene kommunale Unternehmen (unter bestimmten Voraussetzungen)

Führen Sie zunächst eine Markterkundung durch, um zu prüfen, welches Verfahren das geeignete für Ihre Kommune ist. Eine Leistungs- und Bewertungsmatrix macht Ihre Anforderungen transparent. Prüfen Sie auch weitere Genehmigungen wie Natur- und Artenschutzauflagen, Baumschutz oder Denkmalschutz. Sobald Sie geeignete Standorte ermittelt haben, unterstützt Sie das FlächenTOOL der NOW GmbH dabei, identifizierte Standorte transparent zu veröffentlichen und Betreibern die Suche zu erleichtern.
 

Phase 4: Genehmigung - Sondernutzungserlaubnis erteilen

Der Genehmigungsprozess umfasst mehrere Schritte: Prüfen Sie den Antrag des Ladesäulenbetreibers gegen die Kriterien Ihrer Sondernutzungssatzung, treffen Sie eine Ermessensentscheidung durch Abwägung öffentlicher und privater Interessen, erteilen Sie die Sondernutzungserlaubnis als Verwaltungsakt oder öffentlich-rechtlicher Vertrag und legen Sie geeignete Auflagen fest (z. B. Betriebskonzept, Wartung, Datenbereitstellung).

Phase 5: Errichtung - Bau und Inbetriebnahme

Die Umsetzung erfolgt durch Zusammenarbeit verschiedener Akteure: Der Netzbetreiber stellt den Netzanschluss bereit - beantragen Sie diesen frühzeitig, da er oft der kritische Punkt ist. Der Betreiber ist verantwortlich für Tiefbau, Elektroinstallation, Montage und Inbetriebnahme. Die Kommune überwacht die Arbeiten und genehmigt Beschilderung und Markierung.

Die Beschilderung kann je nach Bedarf auf unterschiedliche Weise erfolgen. Empfohlen wird eine Beschilderung nach StVO mit Verkehrszeichen 314 (Parken), mit Zusatzzeichen 1010-66 (Elektrofahrzeuge) und Zusatzzeichen 1053-54 (während des Ladevorgangs).

Phase 6: Betrieb - Langfristige Sicherung

Im laufenden Betrieb sichern Sie die Qualität und optimieren den Ausbau:

• Betriebskontrolle: Stellen Sie sicher, dass der Betreiber die Vereinbarungen einhält
• Datenmanagement: Fordern Sie Berichte über Auslastung, Ladevorgänge und Störfälle an
• Monitoring: Nutzen Sie Daten zur Optimierung des Ausbaus
• Öffentlichkeitsarbeit: Kommunizieren Sie Erfolge und Fortschritte

Finanzierung und Förderung

Die Finanzierung der Ladeinfrastruktur ist ein zentraler Aspekt für die Umsetzbarkeit dieser. Gleichzeitig entlastet jeder Euro Bundes- oder Landesförderung den lokalen Haushalt erheblich und macht Ladeinfrastruktur damit konkurrenzfähig gegenüber anderen kommunalen Investitionen. Wer nationale Milliardenförderung nutzt und optimale Förderquoten ausschöpft, erfüllt Klimaziele schneller, baut schneller aus und gewinnt im Wettbewerb mit anderen Kommunen. Darüber hinaus vergrößert die Nutzung von Fördermitteln die Akzeptanz innerhalb der Bevölkerung, da keine oder weniger kommunale Mittel in Zeiten knapper Haushaltskassen genutzt werden müssen.
 

  • Einnahmen durch Sondernutzungsgebühren

    Kommunen können Einnahmen durch Gebühren generieren:

    Modelle:
    • Pauschalgebühr pro Ladestellplatz und Jahr
    • Flächenbezogene Gebühr (€/m² pro Jahr)
    • Nutzungsbezogene Gebühr (€/kWh)

    Tipp: Besonders in der Aufbauphase können niedrigere oder entfallende Gebühren Betreiber motivieren, auch weniger lukrative Standorte zu erschließen.

  • Landesförderung Baden-Württemberg

    Netzanschluss und Tiefbau gefördert durch das Landesgemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz (LGVFG):

    • Förderung bis zu 75% der Kosten
    • Planungskostenpauschale von 20%
    • Für: Netzanschluss, PV-Überdachung, Pufferspeicher

    Ladeinfrastrukturkonzepte:

    • Förderung bis zu 50 % der Kosten
       Über: Fachkonzepte nachhaltige Mobilität

    • Charge@BW
       Öffentlich zugängliche Ladeinfrastruktur pro Ladepunkt max. 2.500 € bei einer Förderquote von insgesamt 40%

  • Praktische Unterstützung durch die KEA-BW

    Die Planung und der Aufbau von Ladeinfrastruktur sind eine zentrale Aufgabe für Kommunen. Mit dem richtigen Verfahren, klaren rechtlichen Grundlagen und professioneller Planung können Sie:

    • Dazu beitragen, den Übergang zur Elektromobilität zu beschleunigen
    • Ihre Klimaschutzziele erreichen
    • Bürgerinnen und Bürger sowie die Wirtschaft unterstützen
    • Langfristig Einnahmen generieren

    Die KEA-BW steht Ihnen dabei unter anderem mit dem vorgestellten Leitfaden einschließlich Musterdokumenten, detaillierten Hinweisen zur Umsetzung des § 3 Abs. 4 Landesmobilitätsgesetz sowie natürlich mit Beratung zur Seite. Auch haben wir Ihnen eine Auswahl an Ladeinfrastruktur-Tools zusammengestellt, die für die Planung und Umsetzung Ihrer Ladeinfrastrukturvorhaben nützlich sein können. Machen Sie gerne Gebrauch von dieser Unterstützung, um eine zukunftsfähige Mobilität in Ihrer Kommune zu fördern.