Marienplatz Stuttgart

Gründe für den Umstieg auf E-Lkw

Link zur Startseite

Die Logistikbranche steht vor einem grundlegenden Wandel. Als Rückgrat der Wertschöpfung verbindet sie Unternehmen, Märkte und Menschen und ist gleichzeitig mit wachsenden wirtschaftlichen wie ökologischen Herausforderungen konfrontiert. In Deutschland, dem Land mit dem höchsten Straßengüterverkehrsaufkommen in Europa, wird das Transportvolumen bis 2040 voraussichtlich um rund 19 Prozent steigen. Für Baden-Württemberg, als exportstarkes Bundesland, ist eine funktionierende und zukunftsfähige Logistik unverzichtbar.

Transportunternehmen stehen dabei unter erheblichem Kosten- und Servicedruck. Volatile Energiepreise, Fahrpersonalmangel, enge Lieferfenster und infrastrukturelle Engpässe prägen den Alltag. Batterieelektrische Lkw bieten an mehreren dieser Stellschrauben Verbesserungspotenzial.

Eine aktuelle Befragung des Öko-Instituts zeigt, dass die Branche bereit ist für den Wandel. Die Technik macht große Fortschritte und das Momentum für den Umstieg ist da. Spätestens zum Ende dieses Jahrzehnts erwarten 93% der Befragten, dass E-Lkw mindestens zu einem großen Teil im Einsatz sein werden. Die Einschätzung stützt sich auf eine breite praktische Erfahrungsbasis: Sämtliche antwortenden Spediteure verfügen bereits über Erfahrungen mit Elektro-Lkw.
 

„Jeder elektrisch gefahrene Kilometer von uns reduziert Emissionen – für unsere Kunden in der CO2-Bilanzierung, unsere Region und das Klima.“ 
(Stephan Häberle, Ludwig Häberle Logistik GmbH)

Ausbaupfade und politische Rahmenbedingungen

Die politischen Weichen für die Elektrifizierung des Straßengüterverkehrs sind gestellt. Auf europäischer Ebene verpflichten verbindliche CO2-Flottengrenzwerte die Fahrzeughersteller zu klaren Reduktionszielen. Bis 2030 müssen die CO2-Emissionen neuer schwerer Nutzfahrzeuge um 45% sinken, bis 2040 um 90% gegenüber dem Basisjahr 2019. 

Zusätzlich verpflichtet die EU die Mitgliedstaaten zum Aufbau öffentlicher Lkw-Ladeinfrastruktur. Bis 2030 müssen entlang des TEN-V-Kernnetzes alle 60 km mindestens zwei Ladepunkte mit über 350 kW verfügbar sein. Die Weichen für eine flächendeckende Versorgung sind damit politisch klar gesetzt. Dennoch geht der Bedarf deutlich darüber hinaus. Dies haben wir auf der Seite zur Lkw-Ladeinfrastruktur aufgezeigt.

Auf nationaler Ebene unterstützt Deutschland den Umstieg durch die vollständige Befreiung von emissionsfreien Lkw von der Lkw-Maut bis zum 30. Juni 2031. Das führt zu erheblichen und langfristig planbaren Kosteneinsparungen für Flottenbetreiber. Des Weiteren wird der Umstieg durch verschiedene Förderprogramme flankiert.
 

Abhängigkeit von fossilen Kraftstoffen

Die im Straßengüterverkehr eingesetzte Energie in Deutschland stammt zu über 98% aus fossilen Quellen. Für Lkw-Flotten bedeutet dies eine hohe Abhängigkeit von geopolitischen Unsicherheiten und schwankenden Ölpreisen, wie in der jüngsten Vergangenheit zu sehen war. Zusätzlich verteuert sich Diesel ab 2027 aufgrund des europäischen Emissionshandels.

Unternehmen, die ihre Flotten frühzeitig elektrifizieren, sichern sich damit nicht nur Kostenstabilität durch planbare Strompreise, sondern reduzieren auch ihr Exposure gegenüber fossilen Preisrisiken. Darüber hinaus erhöhen regulatorische Anforderungen seitens der Kunden den Anpassungsdruck. Immer mehr Auftraggeber verlangen CO2-arme Lieferketten und messen den Emissionsausstoß ihrer Logistikdienstleister. Wer heute in batterieelektrische Fahrzeuge investiert, reduziert nicht nur Emissionen, sondern sichert langfristig seine Wettbewerbsposition im Markt. Der Umgang mit der Abhängigkeit vom Diesel ist eine strategische Entscheidung, die Flottenbetreiber aktiv gestalten können.

Klimabilanz und CO2-Reduktion

Obwohl nur 0,5 Mio. Lkw gegenüber 7 Mio. Pkw in Baden-Württemberg zugelassen sind, verantworten sie fast 30% der CO2-Emissionen im Verkehr. Für das Erreichen der Landes-, Bundes- und EU-Klimaziele ist die Dekarbonisierung der Lkw-Flotte daher eine der wirksamsten Maßnahmen.

Batterieelektrische Lkw verursachen zwar keine direkten Emissionen im Betrieb, doch die Herstellung ist durch die Batterieproduktion CO2-intensiver als die eines Diesel-Lkw. Dieser CO2-Rucksack amortisiert sich jedoch spätestens nach rund 70.000 km. Bereits nach rund 350.000 km Fahrleistung reduzieren sich die kumulierten CO2-Emissionen mit dem deutschen Strommix um 36%, mit 100% erneuerbarem Strom sogar um 77% gegenüber denen eines Diesel-Lkw. 

Technologievergleich: Wasserstoff vs. Batterieelektrisch

Für die Dekarbonisierung schwerer Nutzfahrzeuge gelten vor allem zwei Antriebskonzepte als Alternativen zum Diesel: der Wasserstoff-Lkw und der batterieelektrische Lkw. Sie unterscheiden sich grundlegend in Energieversorgung, Effizienz und Wirtschaftlichkeit.

Wasserstoff-Lkw erzeugen durch die Verbrennung oder die Umwandlung von Wasserstoff in elektrische Energie die notwendige Fortbewegungsenergie. Sie bieten aktuell Reichweiten bis zu 1.000 km und Betankungszeiten ähnlich zum Diesel. Der H₂-Lkw eignet sich für sehr hohe Tageslaufleistungen mit minimalen Standzeiten. Allerdings ist der Energiebedarf pro Kilometer durch Umwandlungsverluste (Elektrolyse, Kompression, ggf. Rückverstromung) rund doppelt so hoch wie beim E-Lkw. Entsprechend sind die Energiekosten derzeit deutlich höher als bei der direkten Nutzung von elektrischer Energie. Hinzu kommt die noch sehr begrenzte Verfügbarkeit von Wasserstoff-Tankstellen für Lkw und grünem Wasserstoff in ausreichenden Mengen. Die Markteinführung seriengefertigter Modelle schreitet bislang nur langsam voran.

Batterieelektrische Lkw überzeugen durch hohen Wirkungsgrad, einfachen Antriebsstrang und niedrige Energiekosten. Sie erreichen Reichweiten bis zu 700 km pro Ladung, die Ladedauer variiert dabei mit der Leistung der Ladesäule. Durch Zwischenladen in gesetzlich vorgeschriebenen Pausen können ebenfalls hohe Tageslaufleistungen erreicht werden. Bei den Gesamtbetriebskosten (TCO) sind E-Lkw in bestimmten Szenarien bereits heute günstiger als Diesel-Lkw. Für die Visualisierung des individuellen Profils haben wir einen E-Lkw-TCO-Rechner entwickelt, der die Gesamtkosten eines Diesel-Lkw und eines Elektro-Lkw gegenüberstellt.

Annahmen zu nebenstehender Grafik: 5 MW Windkraftanlage, 10.000 MWh/Jahr, Fahrleistung von über 140.000 km pro Jahr.

 

Möchten Sie wissen, wie die Elektrifizierung Ihres eigenen Fuhrparks erfolgen kann? Wir haben Ihnen eine Schritt-für-Schritt-Anleitung erstellt.